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Eine Entdeckung


MM59-36
Ach, wie wunderbar ist die Kindheit. Es gibt so vieles zu entdecken. Neues, abenteuerliches, verspieltes, fremdes, schönes, einfach alles, was das Leben so zu bieten hat, und dies jeden Tag aufs Neue.


Meine Kindheit verlief in den 50er Jahren (mehr zu dieser Zeit unter "Persönliches"), in denen es nicht all zuviel Unterhaltung für Kinder gab: kein Fernsehen, kein Radioprogramm, kein Kino, kein Computer. Aber es gab geschriebene Literatur, die einem Geschichten bot, in die man eintauchen konnte, sofern man das Lesen bereits beherrschte.


Es begab sich eines Tages, daß ich etwas entdeckte, was alles beinhaltete, was ein Kinderherz mit Spaß Freude, Unterhaltung, Unbekanntem, vor allem aber mit Spannung, erfüllen konnte - eine Bildergeschichte - ein Abenteuer in Wort und Bild, wie man es bisher nicht spannender kannte. Und dies begab sich ganz simpel:


Bereits im Vorschulalter brachten meine Großeltern regelmäßig ein Micky Maus-Heft mit, daß ich zuweilen vorgelesen bekam. Mit der beginnenden Fähigkeit, selbst zu lesen, erhielt ich unabhängigen Zugang zu erzählenden Geschichten und Abenteuern. Brauchte man zu Literatur Vorstellungskraft und Phantasie, so war dies mit Comics einfacher. Die bunten Bilder erzählten die Geschichte, aber erst zusammen mit den Worten wurde alles verständlich, besonders wenn man es selbst las.


Der Umstand, daß es sich bei Micky Maus um tierische Figuren in persiflierter Form handelte, machte sehr früh klar, daß es sich bei diesen Geschichten nicht um Realität handelte. Und so wuchs der Stoß der MM mit jeder Woche und wurde zur regelmäßigen, spaßigen Lektüre.


In diesen Jahren lernte ich durch Freunde auch eine ganze Reihe anderer Comics kennen (Fix und Foxi, Felix, Tom u. Jerry, Kasperle und viele weitere), bis eines Tages ein Freund ein eigenartiges Heftchen in länglicher Form (ca.7,5 x 17 cm) mitbrachte.

Nick-P48 "Nick, der Weltraumfahrer", der mit seinen Freunden in einer Kugel (Raumschiff) auf abenteuerlichen Reisen durch den Weltraum unterwegs war - eine Zukunftsgeschichte. Gegen das Versprechen, daß er sein Heft morgen wieder zurückbekam, lieh er es mir.

Trotz mehrmaligem Lesen konnte ich die Geschichte aber nicht ganz verstehen. "Mikrokosmos und Dimensionsstrahlen", meine Vorstellungsgabe reichte dafür nicht ganz aus, aber meine Neugierde war geweckt. Die 32 Seiten boten großes Abenteuer, real gezeichnete Figuren und eine Geschichte voll Spannung, die gegen Ende stark anwuchs.
Die letzte Seite versprach eine Fortsetzung im nächsten Heft. Wie würde die Geschichte wohl weitergehen?


Akim-P137 Bei der Rückgabe des Heftes erfuhr ich von meinem Freund nicht nur, wo man die Fortsetzung wöchentlich kaufen konnte, er hatte bereits die nächste Überraschung für mich parat. Ein ähnliches Heft, mit einer anderen Geschichte. "Akim", von einem Menschen handelnd, der im Urwald mit wilden Tieren lebt. Ich las es- und- es warf mich förmlich vom Hocker. Das war es, das wahre Abenteuer, das alles bisherige übertraf.

Eine visuelle Geschichte, erzählt und gezeichnet in hoher Perfektion, mit für Kinder vorstellbaren Abläufen, und mit einem Helden, der für das Gute kämpft, und immer neue Abenteuer bewältigen mußte. Immer sehr spannend, mit vielen Komplikationen, teils mit Humor, oder auch ohne, kämpfte der Held für Recht und Freiheit, oftmals selbst geschädigt, gewann er aber letztendlich immer zu Gunsten des Rechts.

Eine Comic-Serie mit ungeahnten Abenteuern, in denen die Spannung zusätzlich durch das Heftformat gesteigert wurde: Man überblickte immer nur einen Bildstreifen, der die Frage nach der weiterführenden Story offen ließ und erst beim Umblättern beantwortete. Und am Ende des Heftes eine kaum überbietbare Hochspannung, wie es wohl weitergehen mochte...aber...die Fortsetzung? Wie ging die Geschichte weiter? Die Antwort blieb offen.

Fesselnde Abenteuer


Akim-P138 Ich wagte erstmals den Weg an den Zeitschriftenhandel, in dem ich bisher nichts zu suchen hatte und kaufte mir Akim Nr. 138, die Fortsetzung. Bei Nick lag bereits die Nr. 50 vor, die ich für 20 Pfennig ebenfalls mitnahm, und siehe da, nun war auch Nick leichter verständlich, als im letzten Abenteuer, das ich gelesen hatte. Und auch diese Story war ungemein aufregend und mitreißend ohnegleichen.

Was für Geschichten, was für Abenteuer, welche Spannung, ich war den Serien hoffnungslos verfallen und wollte zukünftig keine Fortsetzung mehr missen. Im Gespräch mit Freunden fand ich heraus, daß einige von ihnen diese Comics bereits länger kannten. Wie konnte es sein, daß ich nicht früher davon erfahren hatte? Immerhin gab es nun einen weiteren Interessensaustausch im Gespräch mit meinen Kameraden.

Nick-P50 Der Weg in den Zeitungskiosk brachte mir auch schnell weitere Erkenntnisse. Ich fand heraus, daß Donnerstag der jeweilige Erscheinungstag war, dem ich nunmehr wöchentlich entgegen fieberte, an dem die spannenden Fortsetzungen weitergingen. Und erst einmal gelesen, fing ich wieder an, die Tage bis zur nächsten Fortsetzung zu zählen. Dies sollte sich die nächsten Jahre so fortsetzen und mein Taschengeld kosten.

Schon bald darauf begann ich mich im Zeitungskiosk einmal umzusehen. Dabei entdeckte ich weitere dieser schmalen Comicheftchen - Piccolos genannt. Da der Preis von 20 Pfennig für mich viel Geld darstellte, kaufte ich nicht die Katze im Sack, sondern blätterte erst einmal darin. Es gab auch großformatige Comics, die mir aber preislich zu teuer waren.


Silberp-P1 Da war eine Indianer-Geschichte mit dem Titel "Silberpfeil im wilden Westen", ein Umschlag mit ansprechendem Titelbild. Aber leider wirkten die innenseitigen Zeichnungen eckig und anstrengend. Im Vergleich zu den zwei bisherigen Serien gefiel mir dieses Heft weniger.

Eine weitere Geschichte, die mein Interesse erweckte, hieß "Sigurd". Ein Ritter, der im Mittelalter seine Abenteuer erlebte. Diese Serie trug bereits die Nummer 278, die Geschichte mußte schon seit vielen Jahren erschienen sein. Titelbild und Innenstory in gleichwertiger Qualität wie Akim und Nick, das mußte ich auch noch haben. Diese Rittergeschichte gefiel mir- sie war einsame Spitze.




Sigurd-P278
Ein Freund stellte mir einen weiteren Comic im Großband-Format vor. "Tarzan", eine Urwald-Story, die auch ungemein aufregend war. Allerdings kostete das Din A5-Heft 60 Pfennig, dafür war es aber auch durchgehend farbig. Die Piccolos waren im Innenteil schwarz/weiß. Aber 60 Pfennig für einen Großband, das mußte ich nicht haben

Das höhere Taschengeld zum Erwerb der drei wöchentlichen Hefte ermöglichten mir meine Großeltern. Meine ersten selbstgekauften Comic-Hefte entwickelten in mir eine Leidenschaft, das Comic-Sammeln. Die Zeit der spannenden Abenteuer hatte mich nun endgültig in Beschlag genommen, und die Abenteuer setzten sich nun wöchentlich, monatlich, ja jährlich fort...

Wie eine Sammlung entsteht...


Bei den Micky Maus-Heften hatte ich früh herausgefunden, daß man für die in jedem Heft befindliche Sammelecke vom Verlag Clubartikel erhielt. Man mußte diese Heft-Ecken ausschneiden, in einen Sammel-Ausweis kleben und den vollen Ausweis an den Verlag schicken. Diesen Dreh hatte ich bald heraus und nachdem ich dies lange Zeit praktizierte, war ich stolzer Besitzer einer ganzen Menge dieser Artikel, teils in mehrfacher Zahl. Da waren Anstecker, Wimpel, Bilder und Weiteres und natürlich besaß ich als Mitglied des MM-Clubs auch den Club-Ausweis.

Micky Maus bekam ich nach wie vor jede Woche, um meine drei Piccolo-Serien kümmerte ich mich selbst. Jeden Donnerstag, am Erscheinungstag, holte ich mir diese auf dem Schulweg frühestmöglich. Ich mußte jedoch schon bald kennenlernen, daß Comics nicht nur Befürworter hatten. Viele Erwachsene lehnten diesen "Schund" ab und verboten ihren Kindern sogar das Lesen derselben, und auch Lehrkräfte in den Schulen gingen dagegen radikal vor. Fand ein Lehrer solche Hefte im Besitz eines Schülers, wurden diese im besten Fall beschlagnahmt, manchmal zerrissen, nicht selten wurde der Besitzer sogar mit zusätzlichen Strafen versehen. Es hieß also vorsichtig zu sein.

Während Gleichaltrige diese Serien weniger kannten oder auch erst kennengelernt hatten, wußten die "Älteren" bereits davon, und besaßen meist auch solche oder ähnliche Comics. Aber dazu später, vorerst war ich von den wöchentlichen Neuerscheinungen begeistert. Freunde, die sich dieses Hobby nicht leisten konnten oder durften, liehen sich die Hefte aus. Doch oftmals erhielt man diese in schlechterem Zustand oder beschädigt zurück, es war eben nur Papier zum Lesen. Für mich, der ich Wert auf sauberen Zustand legte, waren dies schlechte Erfahrungen. Ich wußte schnell, wem man seine wertvollen Hefte anvertrauen konnte, und wer von mir keine mehr bekam.


Falk-P5 Meine Enttäuschung war groß, als die Sigurd-Serie mit Nr. 324 endete, also nicht einmal ein Jahr nachdem ich die Serie zu Sammeln begonnen hatte. Aber bereits eine Woche nach dem Schlußheft erschien die Nachfolgeserie. "Falk", ebenfalls eine Rittergeschichte, die ganz anders gehalten war als der Vorgänger. Meine anfängliche Enttäuschung änderte sich schnell, auch diese Story hatte einen rasanten Erzählstil.

Akim hatte mit der Nr. 196 abrupt geendet, ohne einen richtigen Abschluß der Story, ein überstürztes Ende, ca. ein halbes Jahr nach Sigurd. Auch Akim wurde nahtlos durch eine neue Dschungelgeschichte ersetzt. Tibor Nr.1 erschien bereits eine Woche nach Akim, und lieferte sich mit den anderen Serien ein Wettrennen um die Spannung.


Tibor-P1 Nick lief etwas länger, die Reihe schloß mit der Nummer 139 ab, also beinahe 2 Jahre nach meinem Einstieg in die Comic- Abenteuer. Hierfür gab es keine Nachfolge-Serie.

Es hatte nicht allzu lange gedauert, um zu erkennen, daß alle von mir gekauften Serien aus der Hand eines einzigen Zeichners stammten, dessen Identität sich allerdings erst viele Jahre später für mich lüften sollte. Im Impressum der Piccolos war nur der Walter-Lehning-Verlag aufgeführt, mit meinen Lese-Freunden mutmaßten wir oft über diesen anonymen Zeichner.
Mittlerweile war ich mit vielen weiteren Comics in Berührung gekommen, die seit kürzerem oder längerem erschienen. Keine davon konnte mit dem Zeichenstil und der Erzählform unseres anonymen Künstlers mithalten.


SigurdII-P1 Glücklicherweise erschien eineinhalb Jahre nach dem Ende der Sigurd-Serie eine Neuauflage, die mir Gelegenheit gab, endlich auch den Anfang der Geschichte kennenzulernen. Ich hatte schließlich erst bei Nummer 278 zu Sammeln begonnen. Diese Neuauflage endete aber leider im April 1963 mit Nummer 87 vorzeitig.


Auch die erst kürzlich begonnene Piccolo Serie "Bob und Ben", ebenfalls eine Geschichte aus der Hand meines Lieblingszeichners, endete nach nur neun Heftchen, um als Großbände weiterhin zu erscheinen. Etwa zu gleicher Zeit wurden alle tollen Piccolo-Serien eingestellt, fortan gab es nur noch Großbände.



BobUndBen-P1 Als ich zu Sammeln begonnen hatte, erschienen bereits Großband-Comics zu 60 Pfennig, durchgehend farbig, teils mit den gleichen Helden wie in den Piccolos. Eigenartigerweise hatten mich aber die Piccolos, mit denen ich in die Comic-Welt eingestiegen war, fasziniert und geprägt. Ein Schulfreund, der etwas später als ich mit den farbigen Großbänden zu Sammeln began, schwörte auf dieses Format.

Zwar hatte ich mir bisher auch Großbände zugelegt, soweit mich diese interessierten, aber meine Liebe galt den Piccolos. Damit sollte nun Schluß sein, fortan gab es nur noch Großbände. Die Zeit der Piccolos war vorbei.


Mein Lese-Eifer führte dazu, daß ich auch meine alten Micky Mäuse wieder zu  lesen begann. So lustig die Geschichten aber auch waren, ich sah sie nun mit anderen Augen, sie hatten ihren Zauber verloren.

Seit 1963 erschien ein neue Serie, "Mickyvision". Nachdem sich aber einige der frühen Micky Maus Geschichten in Mickyvision wiederholten, verlor ich vollends das Interesse an Walt Disney´s Comics und beendete das Sammeln derselben.


Eisenherz9 Bis dahin hatte ich auch mit Büchern wie "Dschungelgeschichten" oder dem unvermeidlichen "Robinson Crusoe" Bekanntschaft gemacht. Selbstverständlich stieß ich auch auf die Werke Karl May´s. Aber bereits nach wenigen seiner Bände waren diese Geschichten für mich erledigt, die laufenden Piccoloserien waren weitaus spannender und realitätsnäher.

Einen etwas "anderen" Comic fand ich in der Illustrierten "Stern", er hieß "Julio und Jimmy das Gummipferd. Das war auch eine spaßige Geschichte. Einen weiteren Comic in einem anderen Journal, "Nick Knatterton". Ich glaube, ich verstand davon nur die Hälfte, eber die Story gefiel mir.

Ein Schulfreund machte mich eines Tages mit Prinz Eisenherz bekannt. Ja, das waren Bücher nach meinem Geschmack. Was für eine Geschichte und was für Zeichnungen- real wie die Wirklichkeit. Ich beschaffte mir im Buchhandel nach und nach alle 11 Bände, großartige Werke- ich glaube das Beste, was unsere Zeit an Comics hervorbrachte.

Zwischenzeitlich hatte ich in der Stadtbibliothek (auch ein Hinweis eines Schulfreundes) Bücher gefunden, die das Leben der großen Indianerhäuplinge, teils biographisch, teils als Roman, beschrieben. Wunderbare Bücher, weitgehend dokumentiert aus belegten, wahren Begebenheiten. Ich verschlang alle davon, es waren ca. 15 Bände. Welch großartige Literatur, ich war begeistert.



In diesen Jahren begann ich auch- wie zuvor schon bei den Micky Maus-Heften- die Sammelmarken der Piccolos und Großbände auszuschneiden und an den Verlag einzusenden. Da mir auch aus meinem Freundeskreis auf meine Bitten hin viele Sammelmarken geschenkt wurden, erhielt ich aus dem Lehning-Verlag, der diese Serien veröffentlichte, jede Menge der Clubartikel, die es gegen Sammelmarken gab. Später fand ich heraus, daß man diese auch gegen Bezahlung bestellen konnte.

Mit dem Erhalt einer Verlagsliste wurde mir klar, daß man beim Verlag auch zurückliegende Hefte nachbestellen konnte, soweit diese noch lagernd waren. Dies tat ich dann in größerem Umfang wiederholt für mich und einige Freunde, die im Schriftverkehr noch weniger geübt waren.

Aus meinen Erfahrungen mit dem Ehapa Verlag (Micky Maus) hatte ich bereits früh gelernt, wie man Bestellungen abwickelt. So entwickelte sich im Laufe der Zeit ein regelrechter Schriftverkehr mit dem Walter Lehning Verlag. Da über die "Backlist" nicht mehr alle älteren Ausgaben erhältlich waren, mußte ich versuchen, die mir fehlenden Piccolos auf andere Weise zu bekommen.


Von Anfang an war ich bemüht, meine drei Einstiegsserien zu komplettieren. Ich wandte mich daher an "ältere" Freunde, und es gelang mir im Laufe der Zeit durch Tauschhandel viele der früheren Nummern zu bekommen.

6603-0515f Als Tauschobjekt opferte ich alles was ich mein Eigen nannte, meine Micky Maus Sammlung, die ich ab 1954 fast lückenlos besaß, inklusive der Sonderbände, sowie viele Fix und Foxi und sonstige Comics, an denen ich ohnehin das Interesse verloren hatte. Außerdem viele Spielsachen aus meinem Fundus, oder auch Erspartes, sowie zuletzt 31 Originalfotos der Beatles, die ein Freund während der Dreharbeiten zu "Help" geschossen hatte (einer meiner großen Fehler, ich bekam keine Abzüge mehr davon)

Letztendlich hatte ich die Sigurd-Serie (die ich mit Nummer 278 begonnen hatte) ab Nummer 140 komplett, Akim ab Nr. 70 (beg. mit 138), Nick ab Nr. 15. (beg. ab 50), sowie eine ganze Menge Einzelhefte der jeweiligen Nummernbereiche darunter.

Weiter ließen sich die Serien aber nicht mehr vervollständigen, immerhin gab es noch die Großbände, die zum Teil die gleichen Abenteuer in Farbe beinhalteten.

Schließlich erschien ab 1964 der Piccolo Großband, der 3 Piccolos enthielt, die man auseinanderschneiden konnte. Eine der drei Serien war Nick, sodaß ich auf diesem Wege wenigstens diese Serie komplett bekam.

Von meinen "älteren" Freunden erhielt ich leihweise auch "ältere" Serien (z.B. Fulgor) geliehen. Aber irgendwie gefielen mir diese Geschichten nicht so sehr wie meine bisher Gesammelten. Ich wußte nicht weshalb, sie boten einfach nicht dieselbe Spannung.


Nachdem es seit April 1963 nur noch Großbände vom Lehning-Verlag gab, hatte ich mich schon bald an diese gewöhnt, meine Sammlung erweiterte sich nun in großem Umfang um das neue Format. Die vorbeirauschende Zeit brachte viel Neues in mein junges Leben, aber das Hobby des Comic-Sammelns war geblieben.

FalkII-P1 Erstaunlicherweise erschienen Anfang 1968 wieder drei Piccolo- Serien im Lehning-Verlag, diesmal durchgehend farbig, zum Preis von je 40 Pfennig. Diese wurden aber bereits  nach kurzer Laufzeit (17 Nummern) im Mai 1968 ohne Abschluß beendet. Zu gleicher Zeit wurden auch alle anderen Serien dieses Verlages eingestellt, der Walter Lehning Verlag war in Konkurs geraten.


Meine heißgeliebten Abenteuer hatten abrupt geendet. Auch mein Freundeskreis konnte mir nichts mehr anbieten was ich nicht schon kannte oder besaß und so ruhte meine Sammlung von vielen hundert Heftchen von nun an im Regal.

Das Comic-Sammeln hatte damit im Mai 1968 für mich vorerst geendet, und Platz für neue Interessen bereitet.

...und wie eine Sammlung endet.


Einige Jahre waren ins Land gezogen, mein Leben hatte sich in vielen Hinsichten verändert. Mit einem bereits genannten Schulfreund, der auch gesammelt hatte, war ich noch immer in Kontakt. Er wohnte mittlerweile in Frankfurt und teilte mir mit, daß er jemanden kennengelernt hatte, der Sammlungen wie seine und meine für gutes Geld ankaufte. Meine Comics ruhten noch immer unberührt im Regal. Das Sammeln und Lesen derselben war ohnehin Vergangenheit, und wenn jemand für das wertlose Papier etwas zahlte, warum nicht?

Zudem die alten Serien nicht komplett waren, und es keine Hoffnung zur Komplettierung mehr gab, packte ich alles ein, inklusive Clubartikel und Schriftverkehr und landete letztendlich in einem ansehnlichen Altbau am Frankfurter Palmengarten. In einer Bibliothek, deren Regale rundum bis unter die Decke mit Comics vollgestopft waren - was für ein beeindruckendes Erlebnis - kaufte mir Abi Melzer- so hieß der Käufer- 1972 die komplette Sammlung für stolze DM 800,-- ab.

Er bekam ungefähr 180 Akim Pic., 200 Sigurd Pic., 130 Nick Pic., sowie die Komplett-Serien von Bob und Ben Pic. und Gb., Falk Pic. und Gb, Tibor Pic. und Großband, Sigurd II Pic., die Picc. Großbände., Bild Abenteuer und weitere Serien.

Außerdem Sigurd Großbd. 125-257, etliche Piccolo Sonderbände, viele weitere Einzelhefte, Teilserien oder doppelte. Nicht zu vergessen mindestens 15 Club-Schreibblöcke (genaue Zahlen sind nicht mehr nachvollziehbar), 25 Anstecknadeln, 10 Wimpel, 15 Bögen Abziehbilder, jede Menge Clubausweise und, und, und...letztendlich - die 11 Bücher Prinz Eisenherz natürlich.

Zufrieden verließ ich Frankfurt, was für ein guter Handel und Abschluß des Sammelns- der ganze Kram war weg!


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Sigurd, Tibor, Nick, Falk, Bob und Ben -
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