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Hintergründe


Der Begriff "Comic" ist noch jung, also ein Wort unserer Zeit, das aus dem Englischen kommt. Die Kunst des Zeichnens und Darstellens von Geschichten ist jedoch so alt wie wir selbst. Wer je vor den Felszeichnungen der Naturvölker stand, versteht, daß es sich hier um erzählte Geschichten aus unserer Vorzeit handelt, die mit hohem Aufwand erstellt wurden, alleine der Begriff "Comic" existierte noch nicht.

Wären diese Völker bereits des Schreibens kundig gewesen, hätten sie die Sprechblasen gleich mit dazugezeichnet. Da sie es aber nicht konnten, standen sie wahrscheinlich mit ihren Nachkommen vor den Felswänden und erklärten ihnen mit Worten das Bindeglied zwischen den Zeichnungen.
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Seit dem 5.Jahrhdert unserer Zeitrechnung fand die Buchmalerei Einzug in die Bibel. Besonders die Salzburger Malerschule erschuf im 12./13. Jahrhundert eine weitgehend illustrierte Bibel, an Hand deren auch des Lesens Unkundige (und das waren fast alle) die Bibelgeschichte verstehen konnten. Der wenige Text zwischen den Bildern konnte nach wie vor von Lesern erklärt werden. Die Bildabläufe waren aber weitgehend auch ohne Text verständlich. Zahllose weitere Beispiele gezeichneter Geschichten aus allen Zeitaltern ließen sich hier aufführen. Da dies aber eine normale Begleiterscheinung der Menschheit darstellt, blicken wir lieber auf Außergewöhnliches.


Die Erfindung des Johannes Gutenberg, der Buchdruck, eröffnete im 15. Jahrhundert die Möglichkeit, Schrift und Bild in beliebiger Anzahl auf Papier zu drucken. Aber noch waren es nur wenige, die schreiben und lesen konnten. Die Zeit der Reformation und die Forderung Martin Luthers (1524) nach einer Schulpflicht setzte sich nur langsam in den protestantischen Ländern durch. So führte z.B. Württemberg 1560 eine Schulpflicht für die männliche Bevölkerung ein, eine gesetzliche Regelung jedoch gab es erstmals 1598 in Straßburg. König Wilhelm 1. führte als erster Landesherr 1763 für ganz Preußen ein "Generallandschulreglement" ein. Bayern erhielt 1802 ein Gesetz zur Unterrichtspflicht.

Die Bemühungen zur Einführung einer Schulplicht wurde über Jahrhunderte von Protesten der Bevölkerung begleitet, da die Arbeitskraft der Kinder in der Familie wichtiger erschien als deren Schulbesuch. Schließlich mangelte es an Lehrern, Schulen und sonstigen Gründen, um diese Ziele durchzusetzen.

Ab 1900 begann sich eine akzeptierte Schulausbildung für deutsche Staatangehörige langsam durchzusetzten. Ausländische Kinder fielen erst in den 1960er Jahren unter eine Vorschreibung zum Schulbesuch. In anderen Teilen unserer Welt erfolgte die Entwicklung zur Schulausbildung erst später, bzw. in vielen Teilen gibt es bis heute keine geregelte Schulbildung für Kinder. Wie schön, daß wir heute auf Grund unseres umfassenden Schulsystems des Lesens fähig sind.

Die zunehmende Schulausbildung und die technische Entwicklung des Buchdrucks machten es möglich, daß Papier auch in großen Mengen bedruckt werden konnte und zu erschwinglichen Preisen einen größeren Leserkreis erreichte. Diese Industrie machte auch vor Gezeichnetem nicht Halt.


Als einen der wichtigsten Vorläufer unserer heutigen Comics kann mit ruhigem Gewissen Wilhelm Busch (1832-1908) mit seinen amüsanten Geschichten und Zeichnungen genannt werden.
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Schnelle springt er mit der Elle
Über seines Hauses Schwelle,
Denn schon wieder ihm zum Schreck
Tönt ein lautes: »Meck, meck, meck!!«




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Und schon ist er auf der Brücke,
Kracks! Die Brücke bricht in Stücke;







Einzig die Sprechblase, die die Worte einfaßt, war damals noch nicht bekannt, sie ist eine Erfindung der Neuzeit, doch ganz so neu ist auch sie nicht.

Der Begriff "Comic" entstand Ende des 18.Jahrhunderts in England als Bezeichnung für Blätter mit kurzen comicartigen Karrikatur-Geschichten. Es dauerte nicht lange, bis derartige "Comics" ihren Platz in Panelrahmen gefunden hatten.
In den USA erschienen die ersten Comic-Strips Ende des 19. Jahrhunderts, 1894 erstmalig mit Sprechblasen, meist ein Comic-Streifen, später eine halbe Seite oder Beilage einer Zeitung. Diese Comicstrips wurden für Jahrzehnte zum Verkaufsargument der Zeitungen, was übrigens von vielen Zeitungen der Welt übernommen wurde. Auch von einigen deutschen.


Tarzanl-2 Die größten Erfolge dieser frühen amerikanischen Kunst brachten die Serien "The Yellow Kid", "The Katzenjammer Kids" (gez. von dem Deutschen Rudolph Dirks), "Little Nemo", "The Kin-der-Kids" (von Lionel Feininger, auch einem Deutschen), "Mutt (and Jeff)", u.v.a. Comic-Strips fanden schnell Verbreitung über die gesamten USA. Während der 20er und 30er Jahre entstanden zahlreiche Comic-Figuren, deren Namen bis heute ein Begriff sind, z.B. Blondie, Popeye, Buck Rogers, Dick Tracey, u.v.m.

Der große Erfolg der Tarzan-Romane, erst im Buch, später als Film, fand 1930 Einzug in die Comic-Welt. Anfangs gezeichnet von Hal Foster, ab 1937 von Burne Hogarth übernommen, später von anderen Zeichnern weitergeführt, erschien der Comic wöchentlich als Sonntagsseite. Tarzan entwickelte sich zu einer zeitlosen Geschichte. Bis heute zeichnen große Künstler an dem grandiosen, endlosen Werk. Hal Foster entwarf 1937 sein eigenes Werk - Prinz Eisenherz - das in USA auch nach seinem Ableben bis heute wöchentlich als Sonntagsseite erscheint.

Fast gleichzeitig mit Tarzan erschien Micky Maus, die Walt Disney im Verlauf der Jahre zu einem Erfolgs-Imperium ohnegleichen verhalf. Danach folgten Serien wie Phantom, Flash Gordon und Superman (1938). Die Comic-Figur Superman führte zur Schaffung ganzer Armeen von Superhelden. Der Erfolg und die Vermarktung von Comics ließen sich in den USA nicht mehr aufhalten.


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Während dieser Siegeszug in den USA fortschritt, konnte sich das zwischen zwei Kriegen geplagte Europa mit Comics wenig anfreunden. Zwar wurden in fast allen Staaten Europas Comics produziert, die wenigsten aber hinterließen bleibenden Ruhm.

Insbesondere in Belgien und Frankreich entwickelte sich eine richtungsweisende Comic-Kultur. Der Belgier Hergé schuf 1929 den Erfolgs-Comic Tintin (Tim und Struppi), ihm folgten später Serien wie Quick et Flupke (Stups und Stepke), Jo, Jette und Jocko, sowie weitere.

In Deutschland kamen Comics über einige Anfangsversuche nicht hinaus, die ohnehin nicht besonders erfolgreich waren. Zumal diese amerikanische Kunst als Schund verpönt und teilweise sogar verboten war. Erwähnenswert sind: Der Schmetterling, Dideldum, Globi, Vater und Sohn und einige weitere.

Während in anderen europäischen Staaten nach dem Krieg eifrig gezeichnet und produziert wurde, begann die deutsche Nachkriegszeit weitgehend ohne Comics. Weitgehend? Es gab vereinzelte Versuche, Comics zu verlegen.

Eine der wenigen Erscheinungen dieser Zeit, die einen gewissen Bekanntheitsgrad bis heute behielt, ist "Bumm macht das Rennen" von 1947. Eine weitere stellen die zwei Heftchen von 1948, "Jackel und Bastel" dar.

Außerdem erschienen - nach amerikanischem Vorbild - in vielen Zeitungen Comic- Streifen oder (halbe) -Seiten. Als einer der beliebtesten Comics wurde in diesen Jahren Prinz Einsenherz in vielen Zeitungen abgedruckt.

Der Beginn in Deutschland -1950


MM52-1 In den 50er Jahren etablierten sich in Deutschland etliche Comics, die außerordentlich erfolgreich waren. Viele davon sind heute gesuchte Sammelobjekte. Der Großteil der frühen deutschen Comic-Erscheinungen stammten aus anderen Herkunftsländern, zumeist aus dem frankobelgischen und amerikanischen Raum.

Im November 1950 erschien ganz alleine auf weiter Flur SUPERMANN. Die Serie brachte es lediglich auf 3 Ausgaben. Die Seltenheit der Hefte und der damit verbundene extrem hohe Katalogpreis resultiert sicher aus dem damals schlechten Verkaufserfolg.

Die erste Edition, die sich am deutschen Markt gut etablieren konnte, ist Micky Maus (Ehapa Verlag), ein Comic, der sich seit 1951 bis heute ohne Unterbrechung großer Beliebtheit erfreut.

Im Badischen Verlag wurden ab 1951 "Prinz Eisenherz" in Heftform herausgegeben, bis 1968 erschienen 19 Hefte. Parallel verlegte das Haus von 1953-63 die wunderschönen 11 Prinz Eisenherz-Bücher.

Der 1873 gegründete, renomierte Aller-Verlag aus Dänemark produzierte 1952-1955 die Reihen "Buntes Allerlei", "Phanton", "Prinz Eisenherz", für den deutschen Markt. Die Ausgaben sind einzigartig schön und entsprechend selten. Der Inhalt war mit amerikanischen Comics gefüllt, darunter auch 16 Superman-Ausgaben.


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Drei Brüder aus Mailand hatten bereits Anfang der 30er Jahre erfolgreich in Italien produziert, danach in Frankreich. Sie gründeten 1952 den Mondial-Verlag in Hamburg, dessen bestgehender Comic "Tarzan" sich bis 1958 behauptete. Auch weitere Serien des Verlages waren sehr erfolgreich.

Ein weiterer Erfolgscomic erschien 1953 zuerst unter dem Namen Till Eulenspiegel, später als Fix & Foxi (Pabel Verlag). Gezeichnet von Rolf Kauka, handelte es sich bei dieser Edition um einen der ganz wenigen deutschen Comics. Später wurden in dieser Heftedition auch lizensierte Beiträge aus anderen Ländern veröffentlicht. Es fanden sich darunter bis dahin völlig unbekannte Serien, wie Asterix, Tim und Struppi, Lucky Luke, und viele mehr, welche erst Jahre später als eigenständige Reihen im deutschsprachigen Raum Verkaufsrenner wurden. Der große Erfolg ließ die Serie, die Walt Disney einst übernehmen wollte (aber nicht bekam), bis 1994 überleben. Die Einstellung erfolgte trotz guter Verkaufszahlen auf Wunsch des Lizenzträgers und Schöpfers Rolf Kauka.

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Ebenfalls ab 1953 veröffentlichte der Walter Lehning (Roman-) Verlag gleich mehrere Serien parallell, die auf Grund des Piccoloformats und des, im Gegensatz zu den bisher genannten Comics, billigeren Preises von Beginn an hohe Verkaufszahlen erreichten. Von den 8 Piccolo Serien (Akim, El Bravo, Carnera, Fulgor, Sigurd, Peterle, Roter Adler, Harry) war nur Sigurd eine deutsche Produktion, alle anderen stammten aus Italien. Das Piccoloformat war bereits Jahre zuvor in Italien sehr erfolgreich, bevor es auch in Deutschland angeboten wurde. Der Lehning Verlag veröffentlichte bis 1968 eine große Anzahl von Serien, von denen etliche von deutscher Hand gezeichnet wurden.

Der 1947 gegründete Alfons Semrau Verlag begann 1953 mit der Herausgabe von Comics, zu Anfang im Piccolo-Format, wechselte später zu größeren Formaten. Der Schwerpunkt der Produktion lag zu Beginn bei Western- und Kriminal-Geschichten, die im Lehning Verlag keine tragende Rolle spielten. Später übernahm Alfons Semrau auch Funnies in sein Programm, die erfolgreichsten dürften "Tom und Jerry", sowie "Der heitere Fridolin" gewesen sein. Der Verlag beendete sein Comic-Engagement 1961.

Im Osten kam beim Verlag Neues Leben/Junge Welt seit 1955 eine deutsche Reihe auf den Markt. "Mosaik" konnte sich bis in die heutigen Tage behaupten.

1956-1972 veröffentlichte der Bildschriften-Verlag, später BSV-Verlag, die in Amerika erfolgreiche Serie "Illustrierte Klassiker", die auch in Deutschland sehr gut lief. Der Verlag brachte in den 60ern auch andere erfolgreiche Comics auf den Markt.

1958 erschien im Bastei-Verlag die amerikanische Serie Felix, die sich bis 1981 behauptete. Der Bastei Verlag legte in den 60ern einige sehr erfolgreiche Comic-Serien auf, so z.B. Bessy, Lasso, Buffalo Bill, Gespenster Geschichten und weitere.

1959 übernahm der "Neue Tessloff-Verlag" die Herausgabe der "Tom und Jerry" Hefte. Die Ausgaben erschienen bis 1975, danach führte sie der Condor-Verlag weiter.


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Ferner versuchten sich eine ganze Reihe größerer und kleinerer Verlagshäuser (Titanus, Gerstmayer, Danehl´s, Silesia, Zauberkreis, usw.) mit der Herausgabe von Comics, teils erfolgreich, teils weniger. In den 50er Jahren erschienen jede Menge Comic-Hefte, die hier aufzuzählen ein endloses Unterfangen darstellen würde.

Mit dem Ende der 50er verschwanden die meisten Editionen dieser Verlage. Dafür erschienen neue Comics anderer Verlage.


Der Abdruck der Detektiv-Story Nick Knatterton, ein deutscher Comic, erschien in der QUICK von 1950-59, und hatte sicher einen gewissen Anteil am Verkaufserfolg der Illustrierten.

Ein weiterer Comic, Jimmy das Gummipferd erschien in der Illustrierten Stern, bzw. im Sternchen von 1953-78. Das Sternchen, ein Heftchen für Kinder, war in jedem Stern als Beilage zu finden.


und wie es "boomte"


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Der erfolgreichste Comic-Verlag der 50er Jahre dürfte der Walter Lehning Verlag gewesen sein.
Man stelle sich die Nachkriegszeit vor, in der an allem fehlte, vor allem an Unterhaltung für junge Leute. Denn außer zensierten Büchern gab es bisher nichts.

Die wieder aufgebauten Lichtspielhäuser (Kinos) zeigte nur Familien- oder Erwachsenen-Filme. In diese wißbegierige Zeit platzte ein Medium, daß mit Bildern in Erzählform spannende Geschichten preisgab, der Comic. Walter Lehning erkannte die Bedürfnisse der Jugend, produzierte spannende Abenteuer-Serien und hatte den Verkaufserfolg auf seiner Seite.

Der Roman-Verleger Walter Lehning hatte während einer Italien-Reise Fumetti (Abenteuer-Piccolos im Format ca.7,5 x 17 cm) kennengelernt, die sich auf Grund des günstigen Herstellungs- und Verkaufs-Preises in hohen Zahlen verkaufen ließen. Er kaufte die Lizenzen für einige Serien, ließ diese übersetzen und brachte sie innerhalb kürzester Zeit (ab Mai 1953) in den deutschsprachigen Verkaufsweg. Das Heft kostete 20 Pfennig.

In diese Anfangszeit hinein gelangte ein hochbegabter junger deutscher Zeichner mit seinem Entwurf in das Verlagsbüro und wurde für seine eigene Comicserie engagiert, das erste "Sigurd"-Piccolo erschien im Oktober 1953. Der Name des Künstlers, Hans-Rudi Wäscher, und seine Meisterschaft in Zeichnung und Erzählung macht ihn schon bald zum "Hauszeichner" des Verlages. Zeichnete er anfangs nur an seinem "Sigurd", so wurden bereits nach kurzer Zeit weitere Comic-Serien (Jörg, Gert, u.a.) von ihm veröffentlicht.


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Die Piccolos des Lehning Verlags verkauften sich sehr gut. Spitzenreiter aber war die italienische Serie "Akim" (Zeichner: Augusto Pedrazza), die in ihrer besten Zeit mit einer wöchentlichen Auflage von 900.000 Exemplaren verkauft wurde. Eine Auflagenhöhe, die bis heute nur von zwei Comic-Serien erreicht wurde: Asterix, aber erst nach Jahren in der x-wievielten Auflage, und Micky Maus, das diese Auflagenhöhe in den späten 90er Jahren einstellte.



Anfangs der 50er wurde in den USA eine Zensur für jugendgefährdende Comics eingerichtet. Im besetzten Deutschland, wo ohnehin fast alles unter Zensur stand, war eine entsprechende Stelle sofort eröffnet. Ironischerweise war der erste indizierte Comic ein (amerikanisches) Tarzan-Heft.

Da es in Italien keine derartige Zensur gab, wurden die von dort lizensierten Comics in Deutschland immer häufiger beanstandet, der Lehning Verlag geriet unter zunehmenden Druck der Zensurstelle. Auf Wunsch des Verlegers retuschierte Hans-Rudi Wäscher eine ganze Reihe gefährdeter Comics, bis er letzendlich sogar die Hauptserie "Akim" aus eigener Hand entwarf und mit neuen Geschichten zeichnete, um die Zensurstelle zu beruhigen.

1960 zeichnete Wäscher wöchentlich die Hefte mehrerer Serien (Piccolos und Großbände) gleichzeitig für den Verlag. Er entschärfte Fremdserien und entwarf gefällige Titelbilder für Fremdserien.

Das Piccolo-Format mit schwarz/weißen Innenseiten wurde 1963 eingestellt und durch Hefte im DinA5 Format ersetzt, die Innenseiten glänzten nun im Vierfarbdruck, der Preis wurde entsprechend auf 60 Pfennig angehoben.

Der Walter Lehning Verlag veröffentliche zu seinen besten Zeiten wöchentlich/14-tägig zwölf Serien, gedruckt in firmeneigenen Druckereien, und belieferte durch ein eigenes Verteilersystem Deutschland, Österreich, Schweiz und die Niederlande.




Micky Maus erschien ab 1951 als Monatsheft, 1956 erschienen bereits zwei Hefte monatlich. 1958 wurde auf eine wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Der Siegeszug ermöglichte es dem Ehapa Verlag ab 1963 Mickyvision als Zweitserie erscheinen zu lassen, 1965 kamen "Die tollsten Geschichten von Donald Duck" hinzu, 1967 die Taschenbücher, usw.

Fix und Foxi erging es auf der Erfolgsleiter mit Zweitserien (Lupo), sowie Taschenbüchern ähnlich.

Die meisten anderen Serien der 50er Jahre hatten Anfang der 60er bereits ihr Ende gefunden.

Zeit der Verdrängung


AsterixI Innerhalb weniger Jahre hatte sich einiges verändert. Ein Freizeitangebot für Jung und Alt war entstanden. Jugendzeitschriften, allen voran "Bravo", beschäftigten sich mit Musik, Interessen und Anliegen junger Leute, und wurden zunehmend erfolgreich. Kinos waren gut besucht und mittlerweile war auch ein Filmangebot für junge Leute geboten.


Die Musikentwicklung brachte mit Beat und Soul, aber auch dem deutschen Schlager auch Unterhaltung für jüngere Klientel. Dies hatte auch Auswirkungen auf Rundfunkanstalten, die im Laufe der 60er Jugendsendungen einführten und erweiterten. Hinzu kam der Hörgenuss, den Mitte der 60er erstmals Tonträger und Rundfunk in Stereo boten. Und letztendlich hatte das Fernsehen einen Siegeszug ohnegleichen angetreten, das entsprechende Programm lieferte für jede Altersgruppe Sport, Spiel, Spannung und Unterhaltung.


Dies alles hatte auch Auswirkungen auf die Comicindustrie. Während sich die Funny-Comis, die in erster Linie für die jüngsten attraktiv waren, sehr gut behaupteten, gerieten Abenteuer-, Real- Comics und sonstige Serien der 50er in den Hintergrund der Freizeitunterhaltung.


Für den Walter-Lehning Verlag war 1968 mit einem Insolvenzverfahren endgültig Schluß. Zeichner Hans-Rudi Wäscher hatte innerhalb von fünfzehn Jahren für die Comicfans ein einzigartiges Werk deutscher Comic-Geschichte hinterlassen.


Trotz allem konnten sich neue Comics gut etablieren, vor allem Funnies und Wildwest. Das Erscheinen von Asterix, Tim & Struppi, Bessy, Lasso, und weitere aus dem Frankobelgischen Raum, als auch der Superhelden aus USA wie Superman, Batman, Spinne und etlichen anderen führte zu langjährigen Verkaufserfolgen.

Zu neuen Ufern...


Superman1 Die 70er brachten viele kurz-, aber auch lang- lebige Comic-Serien. Taschenbücher waren in diesen Jahren sehr erfolgreich. Die Marvel Superhelden, zumindest eine ganze Menge davon, erschienen seit 1966 im Bildschriften Verlag, in den 70ern im Williams-Verlag und wurden später vom Condor-Verlag weitergeführt.

Die Erfolgs-Geschichten von Asterix und Obelix erschienen seit 1968 in Delta Verlag, später bei Ehapa. Derselbe Verlag brachte ab 1966 Superman (erstmalig erfolgreich in Deutschland), heraus und erweiterte sein Superhelden-Programm zunehmend.

Auch H.R.Wäscher, der damalige Zeichner des Lehning Verlags war nicht untätig, er zeichnete für einige Verlage Comicserien, so z.B. für den Bastei Verlag viele Ausgaben von "Bessy", "Buffalo Bill", sowie den "Gespenster Geschichten".



In den 70er Jahren geschah aber noch etwas in Deutschland. Es etablierten sich Interessen-Gruppen, vorwiegend aus Sammlern der Comics der 50er. Die Nachfrage nach derartigen Comics führten schließlich zur Gründung von Comicbörsen. Dies waren Sammler-Märkte, an denen Comics gehandelt wurden, in erster Linie die "Kultserien" der 50er Jahre, die sonst nirgendwo mehr zu finden waren. Die Zahl derartiger Veranstaltungen wuchs, bis Ende der 80er fanden sie sich regelmäßig in jeder größeren deutschen Stadt.

Die Nachfrage führte zu einem weiteren Ereignis. Ein engagierter Sammler begann 1976 die Piccolos des Walter-Lehing-Verlags nachzudrucken. Seine Aktivitäten und sein großer Einsatz machten innerhalb weniger Jahre den "Norbert Hethke Verlag" zu einem der großen Comic-Verlagshäuser Deutschlands.

Dies alles ebnete den Weg zum Entstehen weiterer (Klein-) Verlage, die eine neu entstandene Comic-Klientel belieferten.

...und was daraus ward


Es entstanden zahlreiche Comic-Shops, die sich auf den Verkauf von Comic-Antiquariat und -Neuware spezialisiert hatten. Die Comicauswahl am Kiosk wurde geringer, mit Ausnahme einiger gutgehender Serien, und verlagerte sich weitgehend in den Comic-Shop. Fortan konnte sich der Sammler gezielt im Shop oder während einer Comic-Börse informieren und einkaufen. Der Comic-Handel hatte sich verselbstständigt.

Die gezielte Bedienung der Sammler machte es den Verlagen möglich, auf Kundenwünsche zu reagieren. Das Format der 80er war das Softcover-Album in Din A4. Anklang fand aber auch die qualitativ bessere Hardcover-Ausgabe. Die technische Entwicklung im Buchdruck gestattete es immer bessere Druckergebnisse zu erzielen. Die Verlage waren in der Lage auf entsprechendem Papier hochwertige Qualität zu erzeugen und anzubieten, was natürlich seinen Preis hatte.

Beliebt bei den Sammlern wurden auch limitierte Ausgaben, die schnell ausverkauft waren und entsprechend schnell im Wert stiegen. Ferner erschienen mittlerweile auch Luxusausgaben - Comics in bestmöglicher Qualität hergestellt, eventuell im Ledereinband - meist limitiert und nummeriert, oftmals mit einer Signatur des Künstlers versehen.
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In den 80ern begannen auch viele junge deutsche Zeichner (den Beruf des Comic-Zeichners gibt es in Deutschland bis heute nicht) Comics zu erschaffen - mit Erfolg. Die Zeichner traten aus ihrer bisherigen Anonymität hervor, erschienen bei Börsen und Messen, gaben Signierstunden und wurden erstmals geehrt und gefeiert.



Die 90er Jahre zeitigten mit Comic-Erscheinungen in bester (Druck-) Qualität viele Höhepunkte der deutschen Comic-Szene. Es erschien unter anderem die bisher erste und weltweit einzige Gesamt-Ausgabe der amerikanischen "Tarzan-" Sonntagsseiten 1931-79. Oder auch die weltweit erste Gesamtausgabe der "Prinz Eisenherz" - diese Serie erscheint weiterhin mit den jährlich aktuellen Neuerscheinungen. Dergleichen Höhepunkte für den Comic-Sammler werden bis heute laufend erweitert.

Die letzten Jahre brachten mit dem Internet eine neuerliche Verlagerung des Comic-Umschlagplatztes mit sich. Trotzdem dürfte der herkömmliche Shop, in dem man seine Ware vor dem Kauf begutachten kann, dem Sammler mehr entgegenkommen als der unpersönliche Handel im Internet, wo man "die Katze im Sack" kauft.

Der Trend hielt viele Jahre an, und - obwohl nach dem Millenium eine gewisse Ermüdung in Erscheinung trat - ist die Sammlergemeinde nach wie vor an guten Comics interessiert.
Gute Comics - die Qualität des Comics, des Drucks und des Endproduktes ist zur Notwendigkeit geworden.

Die Kunstform Comic hat sich bisher enorm entwickelt und in Deutschland einen (kleinen) Stellenwert erlangt.



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