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Am Anfang war nur Plastik


Model01 Im Alter von ungefähr 8 Jahren begann mein Interesse für den Modellbau. Dieses hatte mich ergriffen, nachdem ich fertig gebaute Modelle bei Freunden, bzw. deren älteren Geschwistern gesehen hatte. Am meisten beeindruckte mich, wenn diese Modelle mit beweglichen Teilen (Türen und Sonstigem) ausgestattet waren und- daß diese Modelle weit realistischer aussahen als herkömmliches Spielzeug.

Der erste Schritt zum Modellbau bestand darin, bei einigen Bauvorgängen zuzusehen und mir Ratschläge zum Zusammenbau zu holen. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis ich meinen ersten Bausatz geschenkt bekam und es losgehen konnte.

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen - gemeint sind die bis heute im Fachhandel erhältlichen Plastik-Baukästen (Standmodelle) von Revell, Airfix, Monogram und anderen Firmen.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, was mein erstes Modell war. Ich glaube ein Schiff, in jedem Fall aber war es ein Baukasten der einfachsten Sorte. Ich weiß noch sehr wohl, daß mein erster Versuch kläglich mißlang.

Das Verkleben der Teile miteinander wurde oftmals zum Disaster, wenn man den Kleber zu dick auftrug. Beim Zusammenfügen der Bauteile quoll dieser dann häufig aus den Nahtstellen hervor und versuchte man diesen wegzuwischen, verteilte er sich oft über die Bauteile.

Dasselbe geschah, wenn man aus Unachtsamkeit Kleber an die Finger bekam und damit Bauteile oder das bereits begonnene Modell anfaßte. Gelangte der Kleber auf nicht vorgesehene Flächen, entstanden Fingerabdrücke, unschöne Flecke, oder sonstige Beschädigungen. Ich mußte schnell lernen, daß Sorgfältigkeit das höchste Gebot des Modellbauens darstellte.


Der Kleber aus der Tube, eine andere Alternative gab es in den 60ern noch nicht, zog Fäden und mußte sehr vorsichtig verwendet werden, um die sichtbaren Modellteile nicht zu beschädigen (der Plastik-Kleber weichte die Klebeflächen #auf, um sie nach dem Trocknen miteinander zu verschweißen).

Auch das Lösen der Bauteile vom Spritzling mittels Abbiegen oder Abdrehen beschädigte so manches Teil. Als Folge dessen paßten Teile oftmals nicht mehr richtig zusammen, was ich aber erst beim Zusammenkleben bemerkte. So riß ich die verklebten Teile wieder auseinander, diese zogen Klebefäden, meine Finger verteilten Klebereste auf den Plastikteilen, und weitere Versuche, diese zu verkleben, gelangen dann nicht mehr zufriedenstellend. Die Teile paßten einfach nicht mehr richtig zusammen, nachdem der getrocknete Kleber keine glatten Klebeflächen mehr bot. Mit dem Kleber mußte man wirklich höchste Vorsicht walten lassen, das war mir sehr bald klar.

Früh mußte ich auch erkennen, daß die Paßgenauigkeit mancher Teile von vornherein sehr zu wünschen übrig ließ. Von einer vorherigen Anpassung dieser war ich noch weit entfernt und es würde noch lange dauern, bis ich Möglichkeiten erfuhr und erlernte, solche Arbeitsschritte durchzuführen. Das Lösen der Teile vom Spritzling mittels einem Messer, der sparsame Umgang mit dem Klebstoff, die Anpassung der Teile mit Messer, Schere, Nagelfeile, Sandpapier und weiterem Werkzeug zueinander, einwandfreie Nahtstellen und sonstige Tricks und Kniffe, um meine fertigen Modelle für den Betrachter optisch so gut wie möglich zu gestalten, all dies kostete erst viele Jahre Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl.


Wie jeder, der sich mit diesem Hobby befaßt, hatte ich mir eingestehen müssen, daß die Sache nicht so einfach war, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Obwohl ich jedesmal ob der gelungenen Arbeit etwas Stolz verspürte, waren die Ergebnisse meiner ersten Modelle mäßig.

Ein gewaltiger Schritt zum besseren Endprodukt war für mich die Entdeckung der Farbgebung. Aber auch Farblack ist sehr empfindlich in der Verarbeitung und die richtige Farbwahl kann ein ganzes Modell gelingen oder mißlingen lassen. Und nachdem man Farbenkenntnis nicht mit in die Wiege gelegt bekommt, wurde auch dies zum mehrjährigen Lernprozeß. Nachdem es damals nur Farbe und Pinsel gab, war eine glatte Flächenlackierung ohne Strichbildung kaum zu erreichen. Ich glaube mich zu erinneren, daß Sprays erst Anfang der 70er in den Handel kamen.

Ein großer Feind des jungen Lackierers war der Staub. War dieser erst einmal in der Farbschicht, konnte man die sichtbaren Unebenheiten nicht mehr beseitigen. Ein Abwischen der Farbe und Darüberlackieren machte das Ergebnis noch Unansehlicher. Es hieß somit, die Modellteile nach jedem Arbeitsgang einzupacken und vor jedem Arbeitsgang von eventuellem Staub zu befreien.


Ein wichtiges, nicht zu unterschätzendes Utensil hieß Terpentin. Der Farblöser war wichtig, um die Farbe geschmeidig zu halten, sowie zur Reinigung von Händen und Pinsel. Und nach so einem Arbeitsgang war es unumgänglich, daß es zu Hause einige Zeit nach Terpentin stank. Aber auch mit diesem Mittel mußte vorsichtig umgegangen werden. Ein unvorsichtiges Verschütten griff nicht nur die Bauteile an, auch Möbel konnten dadurch Schaden erlangen.

Irgendwann kam ich darauf, daß Nagellackentferner den gleichen Zweck wie Terpentin erfüllte, aber weniger roch. Hiermit mußte ich aber heimlich arbeiten, denn meine Mutter war davon nicht begeistert. Nagellackentferner war etwas teurer und Frauen haben immer gerne Kontrolle darüber, was von ihren Kosmetikartikeln noch vorhanden ist, wenn sie diese brauchen.

Mit diesem Wissen und einigen weiteren Erfahrungen konnte man schon ansehnliche Erfolge erzielen, obwohl zum guten Modellbau für einen jungen Menschen noch sehr viel weiteres Wissen erforderlich ist.

Flugzeuge und Schiffe


Jedesmal, wenn ich in der Perfektion meines Hobbys einen Schritt vorwärts kam, oder neue Erfahrungen gewann, verloren meine älteren, bereits fertiggestellten Modelle für mich ihren Reiz, da eine Nachbearbeitung im besten Fall einen schlechten Kompromiß ergab, oder das Modell sogar verschlechterte. Dies gipfelte darin, daß ich die am schlechtesten gelungenen Modelle jeweils der Vernichtung preisgab.

Eine Zeitlang (im Alter von 13-16) bevorzugte ich den Bau von Flugzeugen, der leicht und unkompliziert von statten ging und zufriedenstellende Ergebnisse brachten. Die ersten Luftmaschinen waren kleine Modelle, der Reiz zu größeren nahm immer mehr zu, sodaß zum Schluß dieser Phase nur noch die größten Baukästen, deren Zusammenbau auch komplizierter war, für mich in Frage kamen.

Durch die Spannweiten der Flügel entstand schon bald ein Platzproblem. Wo sollte ich die Flugzeuge aufbewaren? Da die Zimmerdecke ganz frei war, begann ich meine Modelle an die Decke zu hängen, wo sie meine Bewegungsfreiheit nicht behinderten. Es sollte aber nicht lange dauern, bis auch die Decke ausgelastet war. Als sich für einen Hubschrauber kaum mehr Platz fand, mußte ich wieder beginnen, die weniger schönen Flugmaschinen zu verschrotten.


Model02
Im Schiffsbau hatte ich bereits einige Erfahrung mit kleinen Modellen gesammelt (z.B. "Royal Souverain", "Santa Maria" (siehe Bild)). Leider boten diese überhaupt keine bewegliche Teile, wie z.B. ein Flugzeug, bei dem das Fahrwerk versenkbar war oder die Pilotenkabine sich öffnen ließ.

Moderne Dampfer oder Flugzeugträger waren leider wenig detailliert, dafür aber sehr einfach aufzubauen. Klassische Segler hingegen waren komplizierter und auf Grund der geringen Größe sehr diffiziel. Das Endergebnis lag immer unter meinen Erwartungen. Eine Ausnahme bildeten Modelle kleinerer Schiffe, wie z.B. eines Wikingerschiffs und dergleichen, dessen Ergebnisse durchaus akzeptabel wurden.

Zur Anschaffung der "Bismarck" (Revell), meinem bis dahin größten Schiffsmodell (über 1 Meter Länge) mit elektrischem Motorantrieb (Batterie), mußte ich lange sparen.

Der Zusammenbau war auf Grund der wenigen Einzelteile leicht und in wenigen Tagen erledigt. Die Lackierung der großen Flächen zeitraubend und im Ergebnis unbefriedigend.


Die Möglichkeit, es schwimmen zu lassen, war gering, denn man benötigte einen Tümpel, aus dem man den Kreuzer wieder herausholen konnte, ohne daß er wegschwamm (das Modell besaß keine Funksteuerung) und der erste Versuch dahingehend wurde zur großen Enttäuschung. Ich mußte feststellen, daß sich Plastikmodelle auf dem Wasser überhaupt nicht behaupten können, da sie zu leicht sind. Die Möglichkeit, den Kielraum mit Balast aufzufüllen, hatte ich aus mangelnder Erfahrung beim Zusammenbau nicht bedacht. Ich bezweifle, daß ich damit aus dem Modell einen schwimmfähigen Kreuzer hätte machen können.

Es ist mir bis heute unverständlich, daß Schiffsmodelle mit Motorantrieb produziert und teuer an Kunden verkauft werden, die sich nicht zum schwimmen eignen. Dieses teure Experiment hatte sich nicht gelohnt, ich verlor das Interesse und trennte mich bald von "Bismarck" und vorläufig vom Schiffsbau.

Vom Motorrad zum...


7609-107a Der nächste Schritt meiner Leidenschaft führte zu Motorrädern und Trikes, die mir optisch sehr gefielen. Insbesondere seit ich den Film "Easy Rider" gesehen hatte.

Diese detaillierteren Objekte in größerem Maßstab waren in Zusammenbau und Farbgebung leicht zu fertigen und boten großartige Ergebnisse.

Auf Grund einiger Umzüge wurden die meisten dieser Modelle früher oder später beschädigt worden, sie fielen schließlich der Vernichtung preis.

Von allen bisherigen Modellen stehen mir nur wenige auf Bildmaterial zur Verfügung. Somit stellen die hier gezeigten wenige Einzelstücke meiner Leidenschaft dar.

Die rechte Abbildung zeigt eine Harley Davidson von Revell, im Maßstab 1:8.


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Revell "Corvair Super Trike", Maßstab 1:8 (ca.1970)

Das abgebildete Trike war ausgestattet mit einem Chevrolet Corvette V8 Motor.

Es überlebte die Jahre zwar in meinem Elternhaus, wurde aber im Laufe der Zeit des Öfteren beim Staubwischen von meiner Mutter unsanft angefaßt. Die Beschädigungen waren schließlich so massiv (u.a. ein Achsbruch, daß ich es 2005 entsorgte.








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Monogram PC-224 King Chopper, Maßstab 1:8 (1969)

Der Chopper, angetrieben von einem Harley Davidson Motor, wurde von Designer Tom Daniel´s speziell für Monogram entworfen.

Dieses Modell überlebte die Zeit bisher unbeschädigt.


Model06

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In die erste Hälfte der 70er fielen die Produktionen der italienischen Firma ESCI von anspruchsvolleren Motorrad-Modellen im Maßstab 1:9. Es handelte sich hierbei in erster Linie um Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg.


Als erstes Modell dieser Reihe fiel mir der Baukasten BMW R75 mit Seitenwagen in die Hände.


Die Bauteile waren sehr detailliert und paßgenau, der Zusammenbau relativ unkompliziert, kurzweilig und erfreulich. Die Bauanleitung ließ keine Wünsche offen. Das vollendete Modell war mehr als zufriedenstellend.

Model08

Begeistert von der Qualität des Bausatzes und dem Ergebnis machte ich mich auf die Suche nach weiteren Modellen der Firma ESCI.
Ich wurde fündig, als nächstes Modell fiel mir die ZÜNDAPP KS 750 Solo, ohne Beiwagen, ins Auge. Das Modell gab es auch mit Beiwagen, ich entschied mich für das Erstere (Modell nicht mehr vorhanden, hatte es irgendwann verschenkt, und habe auch kein Bildmaterial davon).


Obwohl der Zusammenbau im Vergleich zur BMW fast identisch war, bereitete mir die Fertigung großen Spaß.


Später mußte es trotzdem auch noch die Beiwagen- version sein, die ich aufbaute. Bis auf die Farbgebung wurde es wiederum ein sehr schönes Modell.

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> Irgendwann konnte ich nicht mehr umhin und leistete mir auch noch die BMW R75 A/1 Solo (ohne Beiwagen). Auch dieser Zusammenbau erbrachte ein großartiges Modell.


Mittlerweile hatte ich auch herausgefunden, daß man aus glänzendem Farblack durch Zugabe von Talkum Mattlack erzeugen kann. Dieses Wissen führte bei diesem Modell zu einem eindeutig besseren Ergebnis.


Anm.: Anfänglich gab es im Angebot der Modellfarben keinen Mattlack. Diese kamen erst Mitte der 70er in den Handel und verbesserten die Möglichkeiten der Bemalung beim Modellbau.

Model11 Als von der Firma ESCI ein neues Modell erschien, brauchte ich nicht lange zu überlegen, ehe ich es mir kaufte.

Hierbei handelte es sich um die HARLEY DAVIDSON WLA 45, das Motorrad der US-Army im 2. Weltkrieg, ebenfalls ein reizvolles Modell.

1986 hatte ich sogar das Glück, dieses Motorrad auf Guernsey im Original zu sehen, welches ich gleich fotografierte. Das Bild ist unter Fotografie/Erlebnisse Kreuzfahrt zu finden.

Ein weiteres Militär-Motorrad-Modell der Firma Esci war eine Triumph 3HW, die mir im Zusammenbau aber zu einfach erschien. Deshalb kaufte ich sie auch nicht.

Erwähnenswert ist vielleicht, daß alle diese Modelle mit Radfederung und gefederten Sitzen ausgestattet waren.

Model12



Irgendwann erschien bei ESCI der Bausatz des NSU-KETTENKRADs (kleines Kettenkraftrad SD.kfz2).


Damit hatte ESCI für diese Modellreihe ein etwas anspruchsvolleres Modell produziert, ein exzellenter Bausatz mit Vollfederung der Vorderrad-Gabel sowie der Kettenräder.


Der Zusammenbau war demzufolge auch etwas schwieriger als der der Motorräder, und trotzdem kurzweilig und herausfordernd.

Model13




Als schließlich auch noch der VW Typ 82 Kübelwagen bei ESCI erschien, durfte dieser in meiner Sammlung keinesfalls fehlen.


Das Modell war im Zusammenbau aufwendiger. Es brachte mir nicht den Bastelspaß der vorhergehenden Bausätze, dafür aber ein durchaus gelungenes Modell zutage.


Es existiert auch ein Stoffverdeck, das auf einem der nächsten Bilder weiter unten aufgezogen und somit sichtbar ist.






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Auch der VW Kübelwagen ist vollgefedert und besitzt einiges an beweglichen Teilen.




Er hat eine funktionierende Lenkung, die Türen und der Motorraumdeckel lassen sich öffnen, das Verdeck läßt sich aufziehen.







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Mit diesem Fahrzeug endete diese Reihe bei ESCI. Es erschienen meines Wissens keine weiteren Modelle dieser Reihe im Maßstab 1:9.



Später wurden alle diese Bausätze auch bei Revell, mit dem Hinweis auf ESCI, also in Lizenz, hergestellt.



Für mich war mit dem VW Kübelwagen das Kapitel ESCI ohnehin zu Ende. Ich wollte mich größeren Herausforderungen zuwenden.

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Meinen Vorsatz mußte ich später jedoch wiederrufen.

Um 1983 erlitt die BMW R75/Solo eines Tages durch Fremd-Einwirkung "Totalschaden". Ich akzeptierte den Verlust und hakte die Sache ab.

Nachdem mir aber 1987 in einem Spielwarengeschäft gerade dieser Baukasten wie von Geisterhand in die Hände rutschte, bezahlte ich den Artikel an der Kasse und nahm ihn mit.

Der Baukasten blieb auch nicht lange ungeöffnet liegen, bevor der Zusammenbau begann.





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Der erste Schritt der Montage war die Farbgebung. Einige Teile mußten vorher zusammengebaut werden, andere wiederum erst nach dem Bemalen.


Zum Trocknen gab ich den Bauteilen eine Nacht, sodaß die nächste Baustufe am folgenden Tage erfolgen konnte.


Nachdem der Rahmen fixiert war, konnte der vorher fertiggestellte Motor eingebaut werden. Dem folgte die Montage des Aufpuffs.






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Mit dem nächsten Arbeitsschritt wurde der Tank zusammengebaut und montiert. Danach kamen die gefederten Sitze an die Reihe.


Als nächstes wurden die gefederten vorderen Stoß- dämpfer und die Lenkgabel zusammengebaut und mit dem Rahmen verbunden.


Es folgte die Montage des Vorder- und Hinterrades, die Verbindung mit der Antriebswelle, der Einbau der Batterie und der elektrischen Verkabelung.





Model10

Zum Abschluß wurden die restlichen Teile wie Scheinwerfer, Rücklicht, und einiges mehr montiert.




Mit der Anbringung der Felddecke, Maschinenpistole, Schaufel, des Stahlhelms und der Satteltasche am hinteren Sattel war der Aufbau des Modells innerhalb nicht einmal einer Woche erledigt.




Der neuerliche, unkomplizierte Aufbau machte viel Freude und ergab ein ansehnliches Modell, jedenfalls in meinen Augen.

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