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Arno W. Team - Teil I

Einstieg zum Jahresausklang


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Diesmal dauerte es einen Monat, bis ein interessantes Angebot eintraf.



"Wir spielen den ganzen Monat in der Schweiz, in Basel. Können Sie zum Vorspiel hierher kommen? Die Fahrtkosten bekommen Sie natürlich erstattet." So natürlich war dies in meiner bisherigen Laufbahn nicht.


Drei Tage darauf fand das Treffen statt. Clara Night-Club, ein Lokal mit Tanz, Artistik und auch etwas Strip-tease, sowie es in der Schweiz eben häufig zu finden war. Ein exklusiver Nightclub, wie ich bis dahin überhaupt noch keinen gesehen hatte. Die Gruppe gefiel mir sofort und ich ihnen auch.


"Komm, wir gehen ins Café hinüber, ich lade Dich auf einen Kaffee ein, wir können dabei die Einzelheiten besprechen." Ich lehnte dankend ab, ich trank keinen Kaffee. "Hier in der Schweiz schmeckt Kaffee ganz anders, probiere in wenigstens." Der Kaffee war tatsächlich vorzüglich, mit 27 trank ich ihn nun zum erstenmal und begann dieses Getränk zu genießen.


Die Proben begannen im selben Monat und einige Tage später begann meine Bühnenarbeit mit der Band. Mein Vorgänger, der sich nur kurz in der Formation halten konnte, fuhr nach Hause.


Die Band war immer achtzehn Monate im Voraus ausgebucht und alles war bis ins Kleinste organisiert, dies dürfte in dieser Branche einzigartig gewesen sein.

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Im folgenden Monat gastierten wir in Stuttgart, im " Cafe Marquardt" (Bild links).


Die Band war hier bereits bestens bekannt. Es stellte sich heraus, daß sie fast jedes Jahr hier spielte, dies traf im übrigen auch für viele der anderen Engagements zu.


Die Unterkünfte befanden sich in der Stadt, in einer Entfernung von ungefähr vierzig Minuten Fußweg, die ich bei Schönwetter per pedes lief.


Nach der Arbeit in einem verräucherten Lokal war der nächtliche Heimweg durch Stuttgart, bei fast autofreien Straßen, Erholung und Genuß zugleich.

7712-1058 Das Quintett bestand aus versierten Musikern. Der Bandleader spielte neben Alt-Saxophon und Akkordeon ein erstklassiges Vibraphon, was Musik und Repertoire viele Variationen in Stil und Klang ermöglichte.

Für mich gab es neue Herausforderungen:
Etwa ein Drittel des Repertoires sollte ich am Saxophon im Satz spielen.

Das Repertoire war in Noten notiert, bei dem umfangreichen Programm und den Bläsersätzen unumgänglich.

Zu guter Letzt wurden hier die Stücke arrangiert, worin ich mich später auch selbst profilieren würde.

Und für mich begann erstmals eine längere Zusammenarbeit in einem, wie der Bandname schon ausdrückte, echten Team.


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Im Dezember waren einige Galas angesagt. Eine davon, für eine Ärztevereinigung, fand im Hotel Frankfurter Hof ihre Ausführung (Bild oben).


Eine Weihnachtsfeier des ADAC erfolgte im prächtigen alten Saalbau, Neustadt/Weinstraße.


Dann erfolgte eine Weihnachtsfeier in Köln, im "Excelsior Hotel Ernst", eine erstklassige Adresse in gehobener Klasse (Bild links).



Das Hotel lag direkt am Kölner Dom, am besten Platz der Stadt. Der Auftritt am Abend verlief angenehm und ohne Streß.



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Eine Gala in Frankenthal, Hotel zum Kurfürsten brachte schließlich das Erlebnis meiner ersten Künstlerbegleitung. Der Stargast hieß "Willi Hagara", ein großer Name aus in der Zeit von 1954-64, in der er auch als Schauspieler in vielen Filmen tätig und sehr bekannt war (Bild links).


Wir trafen Willi Hagara nachmittags, er brachte die Noten mit, es gab eine Stunde Probe und am Abend beim Auftritt mußte die musikalische Begleitung ohne Problem sitzen. Das tat es dann auch.


Seinen Auftritt absolvierte Willi Hagara professionell und jeder Eventualität erhaben. Eben ein echter Star mit einer perfekten Show.


Die letzten vier Tage des Jahres beschlossen wir im Züricher "Terrasse Night Club", dies beinhaltete auch den Sylvesterabend.

Das Neue Jahr


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Wir blieben auch den nächsten Monat im "Terrasse Night Club" in Zürich und spielten täglich, ohne freien Tag, was in der Branche nicht unüblich war.


Das Quartier befand sich nicht allzuweit entfernt, sodaß man den Weg bequem zu Fuß gehen konnte.


Tagsüber hatte man genug Zeit, etwas zu unternehmen, in meinem Fall lernte ich das schöne Zürich und den Schweizer Lebensstil etwas kennen.


Nachts musizierte man auf der Bühne, unterbrochen durch die Showeinlagen, die wir oftmals auch begleiten durften.

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Der nächste Monat führte uns ins Tanzlokal Alster-Cafe, in Mannheim. Es war ein kalter Winter und zu mehr als einigen Spaziergängen im Zentrum der Stadt hatte ich wenig Lust.



So ging es wahrscheinlich auch den Mannheimer Tänzern, denn richtig voll wurde das Lokal nie. Für mich blieb es auch das einzige Gastspiel in diesem Hause.



Einen Tag in der Woche hatten wir frei, den fuhr ich dann meist nach Hause.

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Es folgte ein Monat im Münchner Park-Cafe, einem alten Palast mit edler Innenausstattung.

Ich bekam ein schönes großes Zimmer in der ersten Etage, eine wunderbares Quartier.

Wir spielten 7 Tage die Woche, am Wochenende zusätzlich nachmittags zum Tanztee, der das Haus immer fast zum Bersten brachte.



Eines Nachmittags wurden Szenen zu einem Fernseh-Film mit Martin Held, (†1992), gedreht, zu dem wir als Band auf der Bühne spielten. Der Film hieß "Ein besonderer Tag", der ehemals berühmte Regisseur Alfred Weidemann führte Regie.

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Unser nächstes Ziel war der "Clara Nightclub", in Basel. Hier hatte ich mein Vorspiel und den Einstieg in die Band erlebt. Dies war auch ein traumhafter Arbeitsplatz.



Der Monat verlief ohne freien Tag, am Sonntag war jeweils Tanztee. Und ich wohnte auch hier im Haus, was sehr angenehm war.



Um Mitternacht gab es täglich eine Stunde Artistik und Striptease.

7805-1114 Bereits zu meinem Einstieg in die Band war bekannt, daß uns im Laufe des Jahres zwei Musiker verlassen würden.

Der Keyboarder, ein älterer Herr, fand es an der Zeit, in den Ruhestand zu treten.

Im Lippeschlößchen in Wesel fand dieser Musikerwechsel nun statt, nicht ganz ohne Probleme, davon aber später.

Es gab jede Woche zwei Tage frei, die ich nutzte, den weiten Weg nach Hause zu fahren. Am Wochende gab es auch hier den traditionellen, gut besuchten Tanztee.


Der Wirt hielt im Garten hinter dem Lokal eine ganze Anzahl Rehwild. Die Tiere waren richtig zahm, hatten auch Namen und ließen sich mit etwas Geduld auch füttern.

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Im Folgemonat erfolgte ein Auftritt auf der Seebühne des Bundesgartenschau-Geländes von Mannheim.



Dort hatten wir zum zweiten Mal die Gelegenheit, Stargast Willi Hagara zu treffen und zu seinem Auftritt zu begleiten.



Danach gab es erstmal zwölf freie Tage, Zeit genug, ein bißchen auszuruhen und sich auf das Kommende vorzubereiten.

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Im Sommer verbrachte die Band jedes Jahr eineinhalb Monate im Casino Travemünde, für mich war dies nun das erste Mal.


Hier vollzog sich nun auch der seit langem angekündigte zweite Musikerwechsel.


Der Schlagzeuger war seit kurzem verheiratet, das junge Paar wollte nicht mehr reisen und sich irgendwo ein Nest bauen. Auch dieser Wechsel verlief nicht ganz unkompliziert, auch davon später.






Obwohl Travemünde kein leichter Job war- Spielzeit täglich abends im Restaurant, bei Schönwetter zusätzlich nachmittags auf der Terrasse- genoß ich die Tage an der Ostsee sehr.


Oben, im Nightclub, spielte jedes Jahr das bekannte Sigi Gerhard Sextett, mit deren Musikern wir tagsüber oft zusammentrafen. Auch in diesem Zusammenhang gibt es später mehr zu berichten.




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Unkel am Rhein, Hotel Mürl. Einen Monat, jede Woche drei Tage frei. Sofern ich mich richtig erinnere, kamen fast täglich Kegelclubs aus nah und fern, um ihren Jahresausflug da zu feiern.

Und sind sie erst losgelassen... da ging es lustig zu. Natürlich mußten wir mittrinken und -feiern.


Zum Glück waren wir im Haus untergebracht und man brauchte kein Auto zur Unterkunft zu fahren.


Ich nutzte den Monat ausgiebig, um den Rhein mit seinen Burgen u.Denkmälern von Rüdesheim bis Bonn zu erkunden.

7809-1258 L´Escale, Neuchatel, französische Schweiz. Ein weiterer traumhafter Job, eineinhalb Monate.

Er fing damit an, daß wir einen neuen Keyboarder bekamen, er kam vom Sigi Gerhard Sextett, war ein erstklassiger, hervorragender Musiker. Der Einstieg erfolgte, seinem Können gemäß, ohne jeglichen Makel.

Der Champagner floß in dem Nightclub wirklich in Strömen. Manchmal konnte man Gäste erleben, die eine Methusalem (6 Liter) oder eine Salmanazar (9 Liter) Flasche köpften, um die Flasche mit den Stripperinnen zu leeren.

Wir begleiteten Caloy und Calay, ein Paar von den Philippinen, die eine lustige Zaubershow boten.

Neuchatel, idyllisch am gleichnamigen See gelegen, bot eine unvergeßliche Zeit.


7811-1275 Unser nächstes Engagement sollte uns nach Bern führen, ein Katzensprung, verglichen mit den sonstigen Fahrstrecken.

Das einmonatige Gastspiel  im Mocambo Nightclub erfolgte ohne freien Tag und war ein angenehmer Job, sieht man vom Auf- und Abbau ab.

Das Local lag vier Etagen unterirdisch, unsere original Hammond Orgel M100 paßte um 3 cm nicht in den Lift. So mußten wir das Ungetüm (über 100 Kg) die Treppen, ohne Absatz, in einem Stück hinunterschleppen. Am Ende des Monats dieselbe Qual wieder, allerdings hinauf.

Auch im Mocambo hatten wir einige Künstler zu begleiten, jedesmal ein neues Erlebnis.

In Bern erkundete ich die wunderbare alte Stadt mit Bärengraben und machte einen Ausflug nach Lausanne am Genfer See.


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Das Jahr endete wieder mit einigen vorweihnachtlichen Galas.


Es begann in dem bereits vom letzten Jahr bekannten Saalbau, Neustadt a.d. Weinstraße. Wie bereits bemerkt, ein wunderbarer alter Saal (Bild links).


Dieses Jahr stellte auch unser letztes Gastspiel in diesem Saal dar, der wenige Monate später einem Brand zum Opfer fiel.


Der Neubau des wunderbaren Gebäudes ließ einige Jahre auf sich warten, was eine Wiederholung der Weihnachtsfeier in diesem Haus für uns nicht mehr möglich machte.




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Eine weitere Weihnachtsgala erfolgte in Weinheim an der Bergstraße (Bild links).


Die Location, die Wachenburg, eine auf dem Wachenberg neu errichtete Burganlage (1907-28) hoch gelegen über Weinstadt, ein romantischer Standort.


Die Feier selbst fand im Rittersaal, wie er damals genannt wurde, statt. Heute nennt man ihn auf der Website den "Großen Festsaal".


Auch dieser festliche Auftritt wurde für mich zum unvergessenen Erlebnis.





7812-1306 Den Abschluß des Jahres, den Sylvesterabend, bestritten wir im "Excelsior Hotel Ernst" in Köln, in dem wir auch im vorigen Jahr ein Dezember-Gastspiel hatten (Bild links).

Die Fahrt nach Köln überraschte mich durch den (Jahrhundert-) Wintereinbruch, die Autobahn verwandelte sich innerhalb von Min. in ein ungeahntes Chaos.

Das Unwetter war so schlimm, daß alle Autos anhielten. Zu allem Unglück streikte auch noch die Lichtmaschine meines Autos. Trotz aller Risiken fuhr, bzw. rutschte ich als einziges Auto die Autobahn bis Köln, ungefähr hundert Kilometer, und erreichte mein Ziel unbeschadet.

Trotz aller Hürden wurde der Sylvesterabend zu einem vollen Erfolg.

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