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Arno W. Team - Teil IV


Wir verblieben auch den ersten Monat des neuen Jahres in Basel und arbeiteten wieder mit einigen guten Artisten zusammen.

8101-1850 Unsere täglichen Auftritte wurden eines Tages durch den Tod des Hausherrn unterbrochen. Für uns war es fraglich, ob das Engagement nunzu Ende gespielt werden konnte. Nach zwei Tagen Pause erfolgten die Auftritte aber wieder im gewohnten Rahmen.

Ob und wie dieser elegante Nightclub in Zukunft weitergeführt würde, blieb aber ungewiß.

Während dieser Zeit erlebte ich den Umzug der Ehrengesellschaften mit dem Vogel Gryff, dem Wild Maa und dem Leu, ein traditioneller Feiertag in Basel.

Und ich besuchte die Gemeinde Kaiseraugst, bzw. die Ausgrabungen und Funde der ehemals römischen Stadt "Augusta Raurica".

Unser nächster Auftrittsmonat sollte im "Sandhas" in Lorsch sein (Bild unten).


8102-1878
Unsere Musik schien im "Sandhas" zu modern zu sein. Wir konnten einige Besucherwünsche (Heirate doch dein Büro, Graf von Luxemburg) nicht erfüllen und flogen nach drei Tagen raus.

Den Rest des Monats übernahm die dortige "Hausband", die auf deutsche Schlager spezialisiert war.

Wir blieben trotzdem einige Tage länger im Ort, für das Quartier mußte der Veranstalter aufkommen.

Ein Rechtsstreit klärte die Sachlage, wir bekamen 17.000 DM. Die Hälfte ging leider an Anwalts-, und Gerichts- kosten verloren.


Während des kurzen Aufenthaltes besichtigte ich nur die karolingische Torhalle (9. Jhdt).

8103-1885 Ein neuer Monat im Park-Cafe in München, erfolgte in üblichem Rahmen. Unser Quartier war auch dieses Mal in der zweiten Etage, die schöne erste Etage blieb uns weiterhin versagt.

Das Gerücht des letzten Jahres um das Haus hatte sich erhärtet. Zur Übernahme standen Interessenten bereit. Auch hier wußte man somit nichts Genaues über die Zukunft.


In diesem Monat nutzte ich die Gelegenheit, Münchens alte Schlösser zu besuchen.

Ich erkundete Schloß Nymphenburg mit den Parkburgen, Marstallmuseum, die Residenz mit Schatzkammer, Schloß Schleißheim.

Dies nahm etliche Tage in Anspruch, die Zeit verstrich somit in Windeseile.

8105-2012 Nach zwei Wochen Pause gingen wir für eineinhalb Monate nach Essen, in den Blumenhof. In Essen hatten wir nach wie vor einen Tag in der Woche frei.

Ich wohnte im gleichen Hotel wie im Jahr zuvor und in der Grugahalle fand auch diesmal wieder der "Rockpalast" statt, den ich nachts im Hotelzimmer am Fernsehschirm verfolgte.



Da wir zwischendurch eine Gala in Köln zu spielen hatten, unterbrachen wir unser Engagement nach der ersten Woche für einen Tag.

Also fuhren wir nach Köln in das alterwürdige Excelsior Hotel Ernst, (Bild unten) vollzogen unseren Auftritt, um am nächsten Tag wieder im "Blumenhof" in Essen aufzutreten.

8104-2008 Wie schon im vorigen Jahr bemerkt, lief ich vom Hotel zum Blumenhof meist zu Fuß.

Wegen starkem Regen fuhr ich eines Nachts mit dem Auto zum Hotel, was mir eine Polizei- Kontrolle einbrachte, in deren Folge ich eine Blutabnahme ertragen mußte.

Mein Führerschein wurde vorerst einbehalten. Nach fünf Tagen mußte die Obrigkeit aber klein beigeben, ich war unter dem Limit. So hatte jedes Engagement seinen eigenen Reiz.




Ich besuchte den Baldeney-See, die (Krupp-) Villa Hügel mit dem schön angelegten Park und unternahm einen der Tage die weite Fahrt nach Detmold, um das Hermanns-Denkmal zu besuchen.

8106-2025
Im Übrigen erhielt ich den Führerschein gerade noch rechtzeitig, um zum Engagement des Folgemonats fahren zu können.

Der Monat nach Essen führte uns nach Rotterdam in den Niederlanden. Wir gastierten im Granada Nightclub, für dreißig Tage ohne Ruhetag.

Unsere Unterkunft befand sich in der 2. Etage eines Hauses, ca. 15 Min. vom Club entfernt mit derart steilen Treppen, daß ich einen der Tage die ganze Etage hinunter rumpelte. Ein Schuh war erledigt, mir selbst war nichts passiert.

Außerdem hatte ich den ganzen Monat mit den Mäusen zu kämpfen, die des nachts aus ihren Löchern kamen.




8106-2027
An zwei Samstagen hatten wir als Stargast Lee Towers zu begleiten. Ein Sänger, der bei uns gänzlich unbekannt ist, in Holland aber ein Superstar. Und nicht umsonst, er verfügte über eine beeindruckende Stimme und Gesangstechnik.


Zwei weitere Samstage waren "The Blue Diamonds" zu Gast, die wir nicht zu begleiten brauchten, sie sangen zu ihrem eigenen Playback. Die beiden Brüder waren Anfang der 60 sehr erfolgreich, ihr größter Hit in vielen Ländern: "Ramona".

Sie verkauften weltweit ca. 20 Millionen Schallplatten. Der Ältere der beiden starb † 2000.


Einen der Tage nutzte ich zu einem Ausflug nach Scheveningen mit dem Casino, einen weiteren fuhr ich nach Amsterdam.

In der stark frequentierten Straße, in der ich mein Aute parkte, versuchte jemand die Türe aufzubrechen. Es gelang ihm nicht, das Türschloß war jedoch zerstört.



Als ich nach diesem Monat nach Hause kam, fand ich ein Schreiben der Stadt Essen vor, das mir eine Entschädigung für die fünf führersscheinlosen Tage in Essen anbot.

Leider war die vierzehntägige Frist dafür bereits abgelaufen. Ein Einspruch wegen meiner beruflichen Abwesenheit wurde abgelehnt.

8108-2103 Nach einem Urlaubsmonat kamen wir im Frankfurter Paradieshof für einen Monat wieder zusammen. Ich bewohnte das gleiche Zimmer wie letztes Jahr und es gab einen freien Tag jede Woche.


Ich nahm mir diesmal die Zeit, Frankfurt zu erkunden. Ich entdeckte Überreste der alten Stadtmauer, den Römer mit seinem Kaisersaal, die alte Hauptwache, das Goethehaus, den Bolongaro-Palast in Hoechst und einiges mehr. Frankfurt hat schon einiges zu bieten.

In diesem Monat wußten wir bereits, daß der Bandleader aus diversen Gründen vorhatte, die Band Ende Oktober aufzulösen.

Eine eventuelle Weiterführung durch die restliche Band scheiterte an internen Machtkämpfen.

8109-2131 Das nächste Ziel war Neuchatel in der französischen Schweiz. Wir gastierten für zwei Monate im L´Escale Nightclub, mit einem freien Tag wöchentlich.

Wie jedesmal bewohnten wir einen romantischen Altbau, zehn Minuten vom Nightclub entfernt und ich genoß die Zeit ungemein. Ich glaube, den Kollegen erging es nicht anders.

Wir erlebten das jährliche Wein-Fest. Die Altstadt war voller Weinstände, an denen man Wein und Regions-üblichen Imbiß bekam.

Während diesem Aufenthalt fiel der Keyboarder, der dem Alkohol fröhnte, endgültig aus. Die verbliebenen zwei Wochen spielte ein Ersatzmann.

Wie angekündigt, löste sich der Bandleader die Formation am Monatsende auf.


8112-2151
Es bestanden noch einige Verträge, zu deren Ausführung wir jeweils zusammen trafen.


Im Weihnachtsmonat spielten wir die jährliche Gala, die früher einmal in der Wachenburg in Neustadt a.d. Weinstraße stattgefunden hatte.

Die Weihnachtsfeier wurde diesmal in einer Sporthalle in Hemsbach, wo der Veranstalter auch seinen Firmensitz hatte, durchgeführt (Bild rechts).

Wir traten zu viert auf, der Bandleader übernahm die Arbeit am Keyboard.


Wir verließen Hemsbach auch diesmal mit einem erfolgreichen Abend im Rücken.

8112-2155
Den Sylvesterabend bestritten wir wieder in Köln, im Steigenberger Hotel Excelsior Ernst, in dem wir diesmal sogar Zimmer bekamen (Bild rechts).



Zum Jahresende mußte ich zugeben, daß wir trotz allem ein weiteres sehr erfolgreiches Jahr hinter uns gebracht hatten.





Ich fuhr am Neujahrstag mit dem Wissen nach Hause, daß es eine solche Band kein zweites Mal mehr geben würde.

Letzte Verpflichtung


8112-2156


Der vorerst letzte Auftritt des "Arno W. Teams" erfolgte Ende Januar des neu begonnenen Jahres im Excelsior Hotel Ernst, in Köln.



Damit hatte das "Team" alle noch bestehenden Verträge erfüllt.

Nachbetrachtung


Meine Zusammenarbeit mit der Band erstreckte sich über vier Jahre und drei Monate und endete wegen deren Auflösung. Hätte sie weiterbestanden, wäre ich zweifelsohne so lange wie nur möglich dabeigeblieben.


Die erlebte Zeit in der Band verlief nicht immer ganz reibungslos. Bereits zu meinem Einstieg war der baldige Wechsel von zwei Musikern angekündigt. Nach sieben Monaten, im Mai, verließ uns schließlich der Organist, ein erfahrener Herr, der in Ruhestand ging. Ein vollwertiger Ersatzmann war nicht zu bekommen, der Neueinsteiger konnte die an ihn gestellten Anforderungen nicht ganz erfüllen. Dies führte zu Spannungen in der Band, sodaß dieser Musiker nicht lange bei uns blieb.


Einen Monat danach, im Juni, erfolgte der zweite Wechsel. Der Schlagzeuger, dessen Gehen auch angekündigt war, war jung verheiratet, das Ehepaar wollte nicht mehr reisen. Ein geeigneter Ersatzmann war seit einiger Zeit gefunden, er startete im Juni. Es stellte sich aber bald heraus, daß dieser gerne trank, worunter die Musik zuweilen litt.

Im September konnte der Organist (nach vier Monaten Mitspiel) schließlich ersetzt werden. Der Neue kam von einer uns bekannten Band (Sigi Gerhard Sextett), ein Musiker von englischer Herkunft (nennen wir ihn Phil) und von wirklich hervorragendem musikalischem Können. Es war bekannt, daß Phil Alkohol genoß. Allerdings nicht, in welchem Maße und mit welchen Folgen.

"Sofern man Phil´s Konsum in Grenzen hält, ist dies auf Grund seines Könnens akzeptabel", so meinte der Bandleader. Trotzdem ließ sich dies nicht immer dirigieren, weshalb es auch immer wieder zu Spannungen auf der Bühne kam.


Nach neun Monaten handfesten Trinkens mußte schließlich der Schlagzeuger das Feld räumen. Es war dem Bandleader gelungen, einen fähigen Drummer mit erstklassigem Gesang einzustellen, der der Band erhebliche musikalische Vorteile brachte. Auch er kam aus der Band, in der Phil vorher gespielt hatte (Sigi Gerhard Sextett).

Der Alkohol hinterließ Spuren in Phil´s Konzentration, er baute in den drei Jahren seines Beiseins derart ab, daß er gegen Ende nicht mehr fähig war, sauber zu musizieren. Ein eiligst organisierter Ersatz konnte auch nur als Kompromiß gewertet werden.

Für den Bandleader kamen im letzten Jahr unseres Zusammenspiels noch weitere Faktoren hinzu, die ihn bestärkten, die Musiker-Laufbahn zu beenden. Er hatte dies angekündigt und so leid es ihm und auch uns tat, es war nun vorbei.

Noch ein letzter Termin


8212-2340
Ein Jahr später kam die Band (ohne Phil) noch einmal zusammen. Die Gesellschaft in Hemsbach, für die wir jedes Jahr die Weihnachtsfeier gespielt hatten, wollte uns unbedingt noch einmal haben.


Auch dieser Abend war für mich ein Highlight, ebenso wie die bisherigen vielen Auftritte.

Es war ein Highlight mit diesem erstklassigen, hervorragenden Team gearbeitet zu haben.




Phil verstarb † 6 Jahre später im Alter von 48 Jahren am Alkohol. Was hätte er mit seiner musikalischen Perfektion im Leben alles erreichen können - ohne Alkohol natürlich.



Die Zeit in dieser professionellen Formation brachten mich in meiner musikalischen Entwicklung einen Riesenschritt vorwärts.

Ich kam mit Notenarrangements in Berührung, lernte im Bläsersatz zu arbeiten, wurde mit Standardmusik und älteren Schlagern, die oftmals nicht ganz einfach sind, bekannt und einiges mehr. Ich fand heraus, wie man eine gute Bühnenpräsenz zeigt und hatte letztendlich mit guten Musikern zu tun, die mir viel Neues vermittelten und beibrachten.

Vor allem aber gab man mir die Gelegenheit, Noten-Arrangements zu schreiben, die die Band auch spielte und die beim Publikum gut ankamen. Zum ersten Mal (seit meinen Anfängen als Amateur) hatte ich durch eigenes Zutun aktiv mitwirken können - in einem echten Team.


Ich habe mir oft Gedanken gemacht, was aus den wunderbaren Lokalen und Nightclubs aus dieser Zeit wohl geworden ist und bezweifle, daß diese noch so existieren, wie ich sie kannte. Ich war vor nicht allzu langer Zeit im Münchner Park-Cafe. Der ehemals elegante Tanzpalast hatte sich zu einer dunklen, schwarzen Disco-Höhle ohne Einrichtung verwandelt.

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