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The Marquee


Marquee1

Das Gebäude in der 165 Oxford Street, London beherbergte einst das wichtigste Einkaufszentrum Londons. Im Untergeschoß des Hauses befand sich "The Marquee", ein Tanzsaal, worin schon seit Anfang der 50er Jahre Big Bands und Orchester zum Tanz aufgespielt hatten, mit wenig Erfolg.

Ende 1957 war der Club an Samstagen und Sonntagen geöffnet. Zu diesen "Jazz Nights" unterhielt der Betreiber des Lokals seine Gäste am Piano.

Anfang 1958 wurden die "Jazz at the Marquee" Nächte eingeführt, jeweils am Samstag. Zum Eröffnungs-Abend, 4. Januar 1958, spielten die Bands von Kenny Graham und Kenny Baker. Aber auch diese Abende verliefen verlustreich für den Betreiber, er sprach im Büro des "NJF" vor und bat um Hilfe.


Chris Barber war Mitbegründer der "National Federation of Jazz Organisations of Great Britain", später umbenannt in NFJ. Als Harold Pendleton 1948 nach London kam, übernahm er von seinem Freund Chris die Führung der Federation, in der eine Reihe kompetenter Musiker, Journalisten, Club-Betreiber, usw. saßen. Zudem wurde Pendleton Manager der Chris Barber Band.

Als der Besitzer des Marquee nun 1958 vorsprach, bot ihm Pendleton an, den Club zu übernehmen. So wurde Harold Pendleton zum Betreiber des Marquee-Club, Chris Barber wurde Direktor. Die neuen "Jazz at the Marquee" Nächte unter Pendleton öffneten erstmals Samstag, 12. April 1958. Man braucht nicht zu erwähnen, daß die "Chris Barber Band" fortan die Haus-Band war.


Pendleton und Barber organisierten England-Tourneen amerikanischer schwarzer Jazz- und Blues-Stars, die natürlich auch im Marquee gastierten. 1958 war z.B. Muddy Waters zu Gast. Der Marquee wurde schnell zum gut besuchten Lokal, sodaß ab Ende 1958 der Freitag als zweiter Jazz-Abend regelmäßig öffnete. Die ersten Freitag Abende trat das Johnny Dankworth Orchester auf, Alexis Korner spielte als "Pausenfüller".

Seit Ende 1959 wurden die Club-Abende auf drei Tage erweitert, Montag, Donnerstag und Sonntag. Bis 1962 hatte sich der Club zum führenden Jazz-Club Londons entwickelt. Die Erfolge der Auftritte amerikanischer Blues-Stars waren nicht zu übersehen, folglich engagierte man den Blues-Entusiasten Alexis Korner (es gab keinen anderen in England, der dies übernehmen konnte) um die Pausen der Jazz-Abende mit Blues-Music zu füllen. Tat Alexis dies 1961 noch alleine, so war Anfang 1962 bereits sein Blues-Gefährte Cyril Davies dabei.

Erwähnenswert ist, daß Harold Pendleton (NFJ) 1961 das erste englische "National Jazz Festival" organisierte, das seither jährlich mit großem Erfolg stattfand. Wenige Jahre später entwickelte es sich allerdings zum Reading- (Rock-) Festival.


Ab dem 10. Mai 1962 öffnete der Marquee jeden Donnerstag zu einem Rhythm&Blues-Abend mit der neuen Band "Alexis Korner´s Blues Incorporated". Die Blues Abende lockten sehr schnell junge Musiker an, unter ihnen noch unbekannte Namen wie Eric Clapton, Keith Richards, Jimmy Page, und viele andere. Und oftmals trauten sich auch welche auf die Bühne, um mit Alexis zu jammen.

Im September waren die Blues-Donnerstage im Marquee bereits derart überfüllt (über 1000 Besucher), daß man mit Montag einen zweiten wöchentlichen Blues-Abend einführte.


Der erste Blues-Club Englands war der "Ealing Club", den Alexis Korner im März 1962 eröffnet hatte (siehe Blues Inc.).
"The Marquee" war der erste Jazz-Club Londons, in den die jungen Blues-interessierten Musiker strömten. Sie durften nicht nur mit Alexis´s Band auf der Bühne mitspielen, sie lernten auch Gleichgesinnte kennen und auf diese Weise entstanden eine ganze Reihe neuer Bands. Bis Anfang 1963 hatten sich bereits einige R&B-Bands formiert, die im Marquee auftraten.


BluesEaling2 Die Blues-Abende waren Montag und Donnerstag. Ab Juni kamen vereinzelt auch Samstage oder Sonntage dazu.

1963 spielten fast jeden Donnerstag "The Cyril Davies R&B All Stars", als Zweitband tauchten im Januar erstmals die "Rolling Stones" auf. Zwar noch mit Dick Taylor (bass), Ian Stewart (piano) und Mick Avory (drums), aber gefunden hatten sie sich bei Alexis Korner im Marquee. Ab März spielten Montags die "Mann-Hugh Blues Brothers", die sich ab August "Manfred Mann" nannten. Auch sie hatten sich im Marquee-Club kennengelernt.

Im April 63 spielte Graham Bond, der an anderer Stelle bereits beschrieben wurden. Im Juli trat Chris Farlowe erstmals auf der Marquee-Bühne in Erscheinung. Im September "The Brian Auger Trinity" und im Dezember "John Mayall´s Bluesbreakers". Im Dezember stand sogar die US-Blues-Größe Sonny Boy Williamson im Marquee vor dem Publikum.

Etliche weiterer Bands, die 1963 auftraten, sind hier nicht aufgeführt.


"The Marquee" war ursprünglich ein Jazz-Club, bis Ende 1963 hatte der R&B den Club übernommen, den Marquee-Club.

Im Februar 1964 spielten erstmalig "The Yardbirds" im Club und "Long John Baldry´s Hoochie Coochie Men". Übrigens, Baldry wurde zur Hausband und spielte viele Jahre regelmäßig im Club, er führt zahlenmäßig den Auftritts-Rekord (über 200 Auftritte in 12 Jahren).


Marquee
Am 5. März 1964 fand das letzte Konzert in der Oxford Street statt, der Club mußte umziehen und öffnete wieder am 13. März in der "90 Wardour Street, London-Soho". Dies ist die Adresse, in der der Marquee erst richtig bekannt wurde, denn fast alle, die fortan dort auftraten, sind namentlich bekannt oder berühmt geworden.

Die Bands und Namen aufzuzählen (David Bowie, Cream, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Yes, Jethro Tull, King Crimson, Genesis, AC/DC), wäre ein Unding. Wen dies interessiert, es gibt eine Marquee-Website, mit allen Daten.

Der "Marquee-Club" mußte die Räumlichkeit in der Wardour Street am 18. Juli 1988 räumen. Zu diesem Zeitpunkt trat Besitzer Pendleton in den Ruhestand und beendete die Organisation des Marquee-Club und des jährlichen Pop-Festivals in Reading.


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Die neuen Besitzer eröffneten den neuen "Marquee-Club" am 16. August 1988 in der 105-107 Charing Cross Road, wo die Lokalität bis 1995 existierte, bevor sie schloß (heute: Montagu Pyke).

Eine erneute Eröffnung erfuhr der "Marquee-Club" unter neuer Leitung im September 2002 in der 16 Parkfield Street, dieses Unternehmen mußte aber im Dezember 2002 wieder geschlossen werden.

Der "Marquee-Club" erhielt im September 2004 in 1 Leicester Square eine neue Location, dort konnte sich der Club nicht länger als bis November 2005 behaupten. Der bisher letzte Versuch den "Marquee-Club" noch einmal zu reaktivieren, begann im August 2007 in Upper Saint Martins Lane (Covent Garden) und endete im Februar 2008.

Explosion of the R&B


Im März 1962 öffnete der erste und einzige R&B-Club Londons, "The Ealing-Clug". In allen anderen Clubs war ausschließlich Traditional-Jazz angesagt. Bis Ende 1963 waren ca. 250 Jazz-Clubs in London zu R&B-Clubs konvertiert. Der Traditional-Jazz hatte in Londons Club-Szene sein Ende gefunden.

Anfang 1962 gab es in England eine einzige R&B-Band, "Alexis Korner´s Blues Incorporated". Ende 1961 hatte sich die Begleit-Band Billy Fury´s, "The Blue Flames" von B. Fury getrennt, schon nach kurzem schwenkten "Georgie Fame & The Blue Flames" ebenfalls in die R&B Richtung um. Im April 1964 gab es in London bereits über 100 R&B-Gruppen.


Alexis Korner verfolgte bereits seit einigen Jahren, gemeinsam mit Cyril Davies die musikalische Richtung des englischen Blues, bevor er Anfang 1962 die erste englische R&B-Band, "Alexis Korner´s Blues Incorporated" gründete. Die folgende Auflistung zeigt einige der wichtigsten Bands auf, die aus Alexis Korner´s Musikern bzw. Musikern aus seinem Publikum entstanden.

Diese Auflistung könnte endlos fortgesetzt werden. All diese Bands traten auch im Marquee-Club auf und begannen dort ihren Siegeszug.


Alexis Korner´s Blues Incorporated
guit, harp, voc voc voc sax, organ piano guit bass drums
1962 Alexis Korner
Cyril Davies
Art Wood
L.J.Baldry
Paul Jones
Mick Jagger
D.Heckstall-Smith
Graham Bond
Keith Scott
D.Stevens
Keith Richards
Brian Jones
A.Hoogenboom
Jack Bruce
Charlie Watts
Ginger Baker

1962 (Georgie Fame &) The Blue Flames, die zweite R&B Band Englands
Jun 62 Blues by Six, dritte R&B Band, mit Charlie Watts, Keith Scott, Andy Hoogenboom, Brian Knight, Geoff Bradford, Art Theman.
Jul 62 Rolling Stones, sie lernten sich bei Alexis Korner kennnen und wurden von Alexis bei ihrer Gründung unterstützt
Sep 63 The Pretty Things wurden gegründet, Mick Taylor war vorher bei den Stones
Dez 62 Cyril Davies R&B All Stars, mit Long John Baldry, Jimmy Page, Nicky Hopkins, Micky Waller
Jan 64 Hoochie Coochie Men, Nach Cyril´s Ableben übernahm Long John Baldry die Band, mit Rod Stewart
April 65 Steampacket mit LJ Baldry, Julie Driscoll, Brian Auger
Sep 66 Bluesology mit LJ Baldry, Elton John
1968 Elton John
Dez 62 The Mann Hugh Blues Brothers, Mit Manfred Mann, Mike Hugg, Paul Jones
Mai 63 Manfred Mann, entstanden aus The Mann Hugh Blues Brothers
1971 Manfred Mann´s Earth Band
Feb 63 The Graham Bond Organization, Neugründung mit Graham Bond, Jack Bruce, Ginger Baker, John McLaughlin, Dick Heckstall-Smith
Juni 66 Cream
1968 Colosseum
1969 Blind Faith
1970 Ginger Baker´s Airforce
1970 Eric Clapton (Derek & The Dominoes)
1962 The Roosters, mit Brian Jones, Eric Clapton, Paul Jones und Tom McGuinness
1962 Rolling Stones
1963 Manfred Mann
1963 Casey Jones, mit Eric Clapton, Tom McGuinness
1963 Yardbirds
Mär 63 The Syndicats, gegründet von John Mayall, mit Alexis Korner´s Hilfe, John McVie wird Bassist
Ende 63 John Mayall´s Bluesbreakers,
Juni 66 Cream
1967 Fleetwood Mac
Mai 63 The Yardbirds, formieren sich
1966 Cream
1967 Jeff Beck Group
1968 Led Zeppelin
Jun 63 Wes Minster Five (mit Elton John), The Tridents (mit Jeff Beck), zwei neue Bandgründungen
1966 Bluesology, (Long John Baldry) mit Elton John
1968 Elton John
Jun 63 Chris Farlowe & The Thunderbirds, veröffentlichen die erste Single, mit Dave Greenslade, Albert Lee, Carl Palmer
1970 Colosseum
1970 Emerson, Lake & Palmer
Jul 63 The Cheynes formieren sich unter Pete Bardens, hier spielte Mick Fleetwood
1966 Peter B´s Looners mit Mick Fleetwood, Peter Green
1966 Shotgun Express mit Rod Stewart
1967 Fleetwood Mac
Jul 63 The Animals etablieren sich, Eric Burdon hatte bei Alexis Korner gesungen
1966 Eric Burdon & The Animals
1969 War mit Eric Burdon
1971 Eric Burdon (Band)
Jul 63 Vance Arnold & The Avengers werden von Joe Cocker gegründet
1966 The Grease Band
1969 Joe Cocker
Okt 63 The King Bess werden von David Bowie gegründet
Dez 63 The Kinks entstehen aus The Ravens, Mick Avory war vorher bei The Stones, Dave Davies ein Fan von Alexis
Apr 64 Them werden in Belfast gegründet (mit Van Morrison)
Mai 64 The Moody Blues werden in Birmingham gegründet
Jun 64 Ronnie Jones & The Night Timers formieren sich, Ronnie war Sänger bei Alexis Korner
Sep 64 The Artwoods tauchen auf, Art Wood (Bruder von "Stone" Ron Wood) war Sänger bei Alexis
Okt 64 The Who (früher Detours) spielen erstmals im Marquee

Der Marquee Club war bis zu seinem Ende eine begehrte Bühne für Musiker und Bands aller Stilrichtungen. In dem Club trat wirklich alles auf, was einen Namen hatte.

In den 70ern unter Anderem: The Boys, Buzzcocks, Dire Straits, Eddie and the Hot Rods, Generation X, Joy Division, Racing Cars, Rory Gallagher, Skrewdriver, Steve Hillage, The Cure, The Jam, The Police, The Stranglers.

in den 80ern: Angel Witch, Cardiacs, Def Leppard, Diamond Head, Hanoi Rocks, Haze, Iron Maiden, IQ, Liaison, Marillion, Pendragon, Praying Mantis, Quasar, Solstice, The Babysitters, The Quireboys, Twelfth Night, Witchfynde.


Die Daten und Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, auch nicht auf absolute Richtigkeit.

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