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Musik liegt in der Luft


Musik! Sie begleitet uns schon im Kindesalter. Als Schlaflied, im Kindergarten, in der Musikstunde, bei Schulausflügen, Geburtstagen, Weihnachten, in der Kirche, und oftmals...unter Erwachsenen.

Minerva Da gab es ein Radiogerät zu Hause, und irgendwann erwachte mein Interesse daran. UKW gab es noch nicht, Stereo auch nicht. KW (Kurzwelle) sendete tagsüber ein einziges Rauschen, dazwischen wenige Sender in fremden Sprachen (Radio Bukarest, u.ä.).

MW (Mittelwelle), hier konnte man tagsüber nur zwei, drei Sender in Deutsch finden, abends hunderte, aber in ausländisch. LW (Langwelle), drei bis vier unverständliche Sender, ein Deutscher, der in MW besser zu hören war.

Also MW. - Stundenlange Suchdurchsagen nach Kriegsvermißten. Dazwischen eine Stunde nachmittags Musik für Erwachsene, Rudi Schurike & Co., schön.

Einmal lief sogar ein Kriminalhörspiel, das war spannend, die nächsten Tage suchte ich nach Hörspielen, umsonst. Das Abenteuer Radio endete schnell.

Dann war da noch ein Plattenspieler, der einfach zu bedienen war. Und eine Menge Schallplatten- Schellacks. Ich fand aber schnell heraus, daß man äußerst vorsichtig damit umgehen mußte. Fiel eine Platte aus der Hand, zerbrach sie unweigerlich, eben Schellack.

Automatische Tonarme gab´s noch nicht, man mußte diesen vorsichtig mit der Hand aufsetzen, sonst zerkratzte man die Platte. Das sahen die Eltern gar nicht gern, Schallplatten waren ein teures, seltenes Gut.

Musik- wie schön. Three coins in the fountain- das war modern. Que sera, sera, True love- Wunderbar für die Erwachsenen. Spiel mir eine kleine Melodie. Und viele Operetten oder noch Schlimmeres- Opernmusik.

So viele Schallplatten waren es nun doch nicht, das wurde schnell langweilig, besser war es, draußen mit Freunden zu spielen. Meine Kindheit verlief in den 50er Jahren, in denen es noch nicht all zuviel Unterhaltung für Kinder gab.

Was diese Seite aussagen soll


Das Interesse für Musik nahm in meiner Jugend stark zu. Dies geschah gerade zu der Zeit, als die Beatmusik entstand. Meine Faszination für diese schöpfungsreichen, vielseitigen Musik-Jahre war außerordentlich und dies setzt sich bis heute fort. Allerdings mit der Anmerkung, daß ich mich heute für viele Stilrichtungen, die vor und nach meiner Jugendzeit modern waren, begeistern kann.

Daher entschloß ich mich in dieser "Exhibition" auch einen Teil meines musikalischen Backgrounds in chronologischer Abfolge einzubauen, so wie ich ihn auch erlebte.

Schließlich präsentieren die unten dargestellten Jahre nicht nur eine Phase meines Lebens, sie zeigen eine rasante Veränderung der Musikgeschichte innerhalb von 10 Jahren, wie sie vorher noch nie stattfand. Und sie haben die gesamte moderne Musik geprägt, wie wir sie bis heute kennen.

  • Die Präsentation beginnt mit den Hitparaden der 60er Jahre, die ich zu dieser Zeit verfolgte.
  • Der nächste Abschnitt befaßt sich mit den Interpreten dieser Zeit, beschreibt kurz deren Geschichten und Schaffen.
  • Anschließend geht es um Stilrichtungen wie Blues, Soul und Rock, die diese Zeit begleitet haben.
  • Schließlich soll der Zeit der Supergroups, sowie des daraus entstandenen Rock, Punk und Musik der 80er Jahre ein Kapitel gewidmet sein.

Wo und wann diese Betrachtungen enden, bleibt vorläufig ungewiß.

Die Zeit des Beat


Anfang der 60er waren die Vermißtendurchsagen Vergangenheit. Normales Sendeprogramm. Normal heißt, im Radio liefen fast ausschließlich Schlager in deutscher Sprache. Viele internationale Stars nahmen ihre Songs daher auch in Deutsch auf, um ihre Hits auch hierzulande verkaufen zu können. Dies versetzt uns heute in die glückliche Lage, viele internationale Hits auch in einer deutschen Version zu kennen.

Ab 1962 nahm der Anteil fremdsprachiger Titel in Radio oder Hitparade zu:

Titel

Interpret

Zeitraum

Best-Plazierung
Let´s Twist Again Chubby Checker März 62 Platz 12
Good Luck Charm Elvis Presley Jun/Jul/Aug/Sep.62 Pl. 10/6/7/19
Sheila Tommy Roe Dez.62
Jan/Feb/März 63
Pl. 14
Pl.9/9/18
Return To Sender Elvis Presley Jan.63 Pl.15
Let´s Dance Chris Montez Feb/März/Apr.63 Pl.10/7/14
Eso Beso Paul Anka Feb/März 63 Pl.14
Limbo Rock Chubby Checker März/Apr.63 Pl.15/15
Devil In Disguise Elvis Presley Aug/Sep/Okt/Nov/Dez.63 Pl.17/4/2/5/18
If I Had A Hammer Trini Lopez Nov/Dez.63 Pl.7/4
Rosmarie Pat Booone Nov/Dez.63 Pl.13/7

Viele Hits aus anderen Ländern fanden bisher ihren Weg in die deutsche Hitparade in deutscher Sprache, teils gesungen von den Originalinterpreten, teils von deutschen Sängern/Sängerinnen. Cliff Richard, Connie Francis, u.v.a., hatten Ihre Hits auch mit deutschem Text gesungen.


1960 erreichten 9 deutsche Titel Platz eins der Hitparade, 4 davon von ausländischen Interpreten.
1961 waren es 8 deutsche Titel, 2 davon von ausländischen Interpreten.
1962 waren es 9 deutsche Titel, 3 davon von ausländischen Interpreten.
1963 waren es 8 deutsche Titel, 1 davon von ausländischem Interpret.

1964 waren es 9 Titel, davon ein englischer, I Want To Hold Your Hand (Beatles), für 8 Wochen.
In diesem Jahr waren in der Hitparade außerdem vertreten:
America (Trini Lopez), Non Ho L´eta (Gigliola Cinquetti), My Boy Lollipop (Millie), Memphis Tennessee (Jonny Rivers), Skinny Minnie (Tony Sheridan & the Beat-Brothers), A Hard Day`s Night (Beatles).

1965 waren es 11 Titel, davon fünf englische:
Pretty Woman (Roy Orbinson), Downtown (Petula Clark), The Last Time (Rolling Stones), Wooly Bully (Sam the Sham), Satisfaction (Rolling Stones).
Außerdem fanden sich auf den höheren Plätzen bereits eine ganze Anzahl englischer Titel. Und- Drafi Deutscher.

1966 gab es 12 Titel auf Nr.1, davon waren 10 in Englisch.
1967 waren es 14 Nr.1 Hits, davon nur 3 in deutsch,
1968 gab es 16 Nummer 1 Hits, davon 7 deutsche.
1969 16 Spitzenhits, davon 4 deutsche.

Seit den Erfolgen der Beatles ließ sich der Musik-Trend nicht mehr aufhalten. Deutsche Rundfunkstationen begannen den Wünschen der Jugend nach englischer und anderssprachiger Musik nachzugeben und sendeten zunehmend internationale Hits.


Aber vorerst gehen wir einige Jahre zurück:
Bravo! Die Jugendzeitschrift. Sie enthielt in jeder Ausgabe die neueste deutsche Hitparade, sowie die englischen Single Charts und US Top 20, deren Songs man ohnehin nirgends hören konnte. Dies änderte sich erst ab ca. 1964.

Was stand in der Bravo? Radio Luxemburg? MW Frequenz 208 Meter (1440 kHz). Der deutschsprachige Sender war tagsüber in unserer Region nicht zu empfangen, aber abends.

Von 19 bis 24 Uhr lief das englischsprachige Programm. Es gehörte in Großbritannien zu den beliebtesten Radioprogrammen und war dort in den 60er Jahren hauptsächlich für die Verbreitung der Popmusik zuständig, da auch die konservative BBC diese Musikart zunächst nicht sendete. Und es zahlte sich aus dort zuzuhören. Jeden Abend Beat-Musik! So klangen also die Titel aus England und den USA.

Gesendet wurden jede Menge neuester Songs, die mehr oder weniger in GB/USA bekannt waren und den Weg zu uns nicht fanden. Aber einige dieser Hits aus GB und USA wurden Wochen später auch Hits in Deutschland. So war ich unserer musikalischen Zukunft immer einen Schritt voraus.

Irgendwann ließ der Reiz von Radio Luxembourg und Radio London, die auf MW sehr störanfällig waren, nach. Die gleiche Musik lief mittlerweile auf heimischen Sendern, und das- ab 1966 in UKW- in erstklassigem Stereo Sound.

1965 startete auch die Ausstrahlung des Beat Club im NDR Fernsehen (Radio Bremen) in dem viele der Hitbands und Sänger auftraten, sodaß man seine Idole nun auch optisch verfolgen konnte.


Aus heutiger Sicht ließe sich dieses Kapitel um Jahre zurückerweitern. Ich beschränke es auf meine damaligen Musik-Erlebnisse. Mein Interesse wurde mit dem Anfängen des Beat erst richtig geweckt.

Der Hauptauslöser der Entwicklung des Beat war sicher der steile Aufstieg der Beatles. Durch Bravo und sonstige Medien wurde zunehmend bekannt, daß es viele andere Beatgruppen gab, und somit jede Menge Musik für junge Leute, auch wenn man diese bisher nur schwer zu Ohren bekommen konnte.

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