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British Blues


In den 1950ern hatten nur wenige Europäer Zugang zu amerikanischer Musik, noch weniger zu schwarzem Blues aus den USA. Zwar brachten die GI´s vereinzelt Musik aus ihrem Land in die europäischen Kasernen mit, doch nur die wenigsten Europäer hatten die Möglichkeit, auf diesem Wege echtem Blues zu begegnen.

Besonders in Großbritannien, wo amerikanische und britische Truppen zusammen arbeiteten, fand vereinzelt auch ein musikalischer Austausch statt. Trotzdem war Blues keine alltägliche Musik, und Schallplatten davon waren in Europa käuflich kaum zu bekommen.

Mit der englischen Jazz-Szene fand in den 50ern in Britannien auch der Blues seine Anfänge. Einigen wenigen Jazz-Musikern ist es zu verdanken, daß der kurze Skiffle-Boom in England einsetzte, der auch vom Blues beinflußt war.

Mit dem Skiffle und dem weltweiten Siegeszug des Rock & Roll, dessen Form und Stil auch schwarze Blues-Elemente enthielt, entwickelte sich die britische Beat-Musik.

Jedoch lange bevor es den Beat überhaubt gab und bevor der Skiffle groß wurde, beschäftigten sich einige englische Musiker schon mit dem Blues. Ihnen ist es zu verdanken, daß der "englische Blues" Anfang der 60er derartige Erfolge zu verzeichnen hatte, daß er mit der "British Invasion" erst die USA und dann die ganze Welt eroberte.

Ob britischer Blues, oder "Rhythm´n´Blues", kurz R&B genannt, er hat die Zeit überwunden und ist immer noch zugegen. Er wird bis heute erfolgreich praktiziert, in seiner ursprünglichen englischen Form, oder weiterentwickelt in seiner heutigen musikalischen Ausdrucksweise - er begleitet uns täglich. Der britische "weiße" Blues.


Der britische Blues, der im Laufe der Zeit eine derartige Perfektion erlangte, daß er sogar im Mutterland Amerika hohe Anerkennung fand, ist einigen englischen Musikern zu verdanken, die in diesem Kapitel zur Sprache kommen.

Nennt man die Namen Chris Barber, Ken Colyer, Lonnie Donegan, Alexis Korner, Cyril Davies, Graham Bond, oder Long John Baldry, so hat man fast all die Persönlichkeiten erfaßt, die den englischen Blues schufen, unterstützten und ihn bekannt machten. Letztendlich sprang noch ein John Mayall auf den bereits fahrenden Zug auf und hatte dennoch großen Anteil an der "Entwicklung" des britischen R&B, der einen weltweiten Siegeszug antrat.

Chris Barber, Ken Colyer, Lonnie Donegan


KenColyer Chris, Ken, Lonnie und Alexis spielten Anfang der 1950er gemeinsam in einer Jazz-Band, die dem New Orleans Jazz zugetan war.

Ken war bewußt nach New Orleans gereist, um mit seinen schwarzen Idolen auf der Bühne zu stehen, bevor er mit Chris und Lonnie auf Englands Bühnen auch Blues vortrug. In Ken´s Band fand außerdem die Geburtsstunde des Skiffle statt.

Skiffle, in dem dessen Protagonist Lonnie Donegan viele Blues-Songs verarbeitete. Der "King of Skiffle" verdankte dieser Musik einige Jahre lang zahlreiche Hits, die ihm teils weltweite Erfolge brachten.

Chris Barber war und ist bis heute Bandleader einer weltberühmten Jazz-Band, aber er war auch immer schon ein großer Blues-Fan. Er war der Erste, der Blues-Größen aus den USA nach England brachte, und für sie Auftritte organisierte. Er förderte auch Alexis Korner und Cyril Davies auf ihrem Weg, den Blues bekannt zu machen.

Da die bislang Genannten den größten Anteil an der Entwicklung zum englischen Blues hatten, wird im folgenden auf sie näher eingegangen.


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Alexis Korner


AlexisKorner Bei Behandlung dieses Themas kommt man um einen Namen nicht herum: Alexis Korner, man nannte ihn "Vater des weißen Blues".

Alexis Korner trat während der gesamten 1950er Jahre mit Jazz-Bands, Skiffle-Bands, im Duo oder alleine auf und interpretierte auch seinen Blues, zu dem er in seiner Jugend durch einen einzigen Blues-Song inspiriert wurde.

Das Treffen mit Cyril Davies war das Ereignis. Jahrelang unterhielten und beeindruckten die beiden Londons Publikum und Musiker. Und wo immer sich eine Möglichkeit bot, luden sie die Gäste ein, auf der Bühne mitzumachen.

Dies war nicht nur für Engländer eine willkommene Möglichkeit, dem Blues zu begegnen, auch amerikanische GI´s kamen in Scharen zu Alexis und Cyril, sodaß die Auftritte der beiden immer erfolgreicher wurden.

Bereits in dieser Zeit fanden sich Wegbegleiter, die einige Jahre später in England und der ganzen Welt Berühmtheit erlangen würden. Der Erfolg von Alexis und Cyril brachte ihnen schon früh Schallplatten-Aufnahmen, Auftritte und schließlich als erste Nicht-Jazz-Band Engagements in London´s führendem Jazz-Club, "The Marquee", ein.


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Alexis Korner´s Blues Incorporated


BluesInc Alexis Korner trat mit seiner Band "The Blues Incorporated", der ersten Blues-Band Englands, seit 1962 regelmäßig im Marquee Club, im Flamingo und anderen Londoner Clubs auf. Zu seinen ausverkauften Auftritten kamen damals viele junge Leute, unter ihnen auch - Mick Jagger, Eric Clapton, Manfred Mann und viele weitere Namen, die später bekannt wurden. Sie kamen, um von Alexis zu lernen, dies war die beste Schule des "britischen Blues".

Viele junge Musiker trafen sich bei Alexis und gründeten mit seiner Hilfe ihre Erfolgs-Bands, z.B. die Rolling Stones. Nimmt man es genau, hatte der Erfolg jeder englischen R&B-Band seinen Ursprung in "Alexis Korner´s Blues Incorporated". Hier begann der Anfang der englischen "modern" pop music.

Alexis nahm Schallplatten auf, war regelmäßig im englischen TV, war Rundfunksprecher, verhalf talentierten jungen Musikern zu Auftritten und Platten-Verträgen, und vielem mehr. So war er auch verantwortlich für die Gründung der Gruppe "Free" und deren Erfolg.

Alexis gründete außerdem im Laufe der Zeit einige Bands wie Free at last, CCS, Snape, und weitere, die sich allesamt mit Alexis Korner einen bekannten Namen schufen. Alexis selbst aber sah sich nie als großen Musiker.


Alexis Korner verstarb † 1. Januar 1984. Mehr über diesen Link

Cyril Davies & The R&B All Stars


CyrilDavies Cyril Davies (voc., banjo, guitar, harmonica) soll die beste Blues-Harmonika Englands gespielt haben. Seine Interpretationen von Leadbelly-Songs sollen sogar besser gewesen sein als die Originale, behaupteten namhafte Musiker seiner Zeit.

Nach seiner Trennung von "The Blues Incorporated" gründete Cyril seine Band, "The R&B All Stars" und verfolgte den Stil des Chicago Blues. Seine Auftritte in London sind legendär und Zeitzeugen erinnern sich, den besten R&B bei Cyril´s All Stars erlebt zu haben.

Seine Wegbegleiter waren der Meinung, Cyril hätte den Erfolg der Rolling Stones genommen, wenn er mehr Zeit gehabt hätte. Leider gibt es von Cyril aus dieser Zeit nur wenig aufgezeichnetes Material, aber das Vorhandene gibt einen kleinen Geschmack der Güte von Cyril Davies´s Band.

Cyril war gemeinsam mit Alexis Korner der Wegbereiter des britischen Blues, des R&B, vielleicht war er sogar der Katalysator des Blues-Booms der 60er Jahre. Seine All Star Band gab es nur ein gutes Jahr.

Cyril Davies verstarb † 7. Januar 1964 an akuter Leukämie, im Alter von 31 Jahren.


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Long John Baldry´s Hoochie Coochie Men


LongJohnB Long John Baldry war ein früher Wegbegleiter der englischen Bluesbewegung. Er hatte bei Alexis und Cyril schon früh mitgespielt, war später auch Sänger, in "Alexis Korner´s Blues Incorporated", als auch in "Cyril Davies´s R&B All Stars".

Nach Cyril´s Ableben übernahm er dessen Band und nannte sie von da an "The Hoochie Coochie Men". Er entdeckte den jungen Rod Stewart, den er als Sänger einstellte. In seiner Band spielten zeitweise Größen wie Julie Driscoll, Brian Auger und der junge Reg Dwight (=Elton John) mit.

1967 erreichte seine Single "Let the Heartaches begin" Platz 1 der britischen Charts und zog sogar in die US Top 100 ein. 1968 löste er seine Band auf, um einige Jahre später eine Neue zu gründen. Bis zum Schluß vertrat Long John Baldry den R&B.

Long John Baldry verstarb † am 21. July 2005 in Vancouver an einer Lungen-Infektion, im Alter von 64 Jahren.



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Graham Bond Organization


GrahamBond Sie alle hatten sich bei Alexis Korner´s Blues Incorporated kennengelernt, Graham Bond (sax, organ), Jack Bruce (bass) und Ginger Baker (drums). Zusammen mit John McLaughlin (guit.) gründeten sie die "Graham Bond Organization". Trotz allem Können blieben größere Plattenerfolge jedoch aus.

John McLaughlin wurde bald von Dick Heckstall-Smith abgelöst, später wechselte Jack Bruce zu John Mayall, danach zu Manfred Mann. Ginger Baker machte den Platz für John Hiseman frei.

Obwohl die Band ausgebucht und auf der Bühne ein Knüller war, blieben Plattenerfolge weiterhin aus. Mehr Glück hatte Bond mit der Entdeckung der Animals. Er löste seine Organization 1967 auf, arbeitete als Session-Musiker und später by Ginger Baker´s Airforce. 1974 wurde er im Alter von 37 Jahren † von einer U-Bahn überfahren.

Graham Bond war der erste, der die Hammond Orgel auf einer englischen Bühne (1962) verwendete, ebenso später das Mellotron (1965). Auch Graham Bond zählt zu denen, die zur Entwicklung des britischen R&B maßgeblich beigetragen hatten.


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The Marquee & The R&B (Übersicht)


Marquee In den 40er und 50er Jahren waren Dixieland und New Orleans Jazz die Unterhaltungs- Musik Englands. Mit der Eröffnung des Jazz-Clubs "The Marquee" erhielt Londen den ersten großen Club, in dem regelmäßig Jazz-Bands gastierten. Dies änderte sich rapid, nachdem ab 1962 ein Blues Abend eingeführt wurde. Bereits nach zwei Jahren spielten fast nur noch moderne Bands ihren R&B oder Beat im Marquee. Dieser Club hatte sich zum wichtigsten modernen Musiker-Sprungbrett der Welt entwickelt.

Im Marquee hatte der britische "weiße" Blues die Musikwelt revolutioniert. Hier trafen sich Namen, die später Weltruhm erlangten, hier erfuhren einige der bekanntesten Rockbands der Welt ihren Ursprung oder sogar ihre Gründung. Und hier wollte später jeder, der bereits einen Namen hatte, wenigstens einmal auf der Bühne stehen. Im Marquee-Club.

Dieses Kapitel erzählt in kurzen Worten die Anfangs-Geschichte des "Marquee-Club", sowie der Bands, die in diesem Club ihren Anfang nahmen und den R&B in die Welt hinaustrugen.



John Mayall´s Bluesbreakers


JohnMayall Während eines Auftritt John Mayalls 1962 wurde Alexis Korner auf ihn aufmerksam und unterstützte ihn beim Umzug nach London. John war von Alexis´s Blues-Musik sehr beeindruckt und plante eine eigene Blues-Band zusammenzustellen.

Die Besetzung von John Mayall´s Bluesbreakers beherbergte im Laufe der Zeit viele großartige Musiker, unbekannte und bekannte. Manche nur für einen Abend, andere für Jahre. Aber die, die aus John Mayall´s Band kamen, fanden alle ihren Weg in den Erfolg.

So wurden von Musikern unmittelbar nach derem Ausstieg gegründet z.B. Cream, Fleetwood Mac, Colosseum, Free, und andere.

Ende der 60er zog John Mayall nach USA, wo er weiterhin mit unterschiedlichen Besetzungen arbeitete. John Mayall spielt heute noch, fallweise auch mit Musikern aus früheren Zeiten. 2003 gab er ein Konzert in Liverpool zu seinem 70.Jubiläum, dabei waren Eric Clapton, Mick Taylor und Chris Barber. 2005 erschien sein 55stes Album.

"John Mayall führte eine unglaublich gute Schule für Musiker"-ERIC CLAPTON


Mehr über John Mayall über diesen Link

Fleetwood Mac


Fleetwood1 Peter Green, Mick Fleetwood und John McVie spielten bei "John Mayalls Bluesbreakers" und entschlossen sich zur Gründung einer eigenen Band. Mit der Hinzunahme zwei weiterer Musiker entstand die weltweit bekannteste englische Blues-Formation. Es entstanden Klassiker wie Black Magic Woman (Carlos Santana machte daraus später einen Riesenhit), sowie Albatross.

Als Star-Gitarrist Peter Green 1970- physisch und psychisch am Ende-ausstieg, schien die Karriere von Fleetwood Mac besiegelt zu sein.

Auf der Suche nach der Ideal-Besetzung und musikalischer Richtung durchliefen viele Musiker die Band, ohne daß sich der frühere Erfolg wiederholt hatte.

Durch einen Zufall kam es zu der Cooperation mit Lindsey Buckingham und Stevie Nicks. Hervorkam eine der erfolgreichsten Pop-Gruppen der Geschichte - Fleetwood Mac.

Die Geschichte der Bluesband Fleetwood Mac endete allerdings mit dem Weggang Peter Greens, die neue Band hatte mit der ursprünglichen Musik nicht mehr viel gemeinsam.


Der Werdegang von Fleetwood Mac über diesen Link

Stan Webb´s Chicken Shack


Chicken%20Shack Aus der Band des Gitarristen Stan Webb, "Sounds Of Blue", entstand 1965 die Rock-Blues Formation "Chicken Shack", die schon bald Schallplatten auf den Markt brachte.

Der große Erfolg gelang Chicken Shack 1968 beim Windsor Jazz & Blues Festival. Sie traten hier gemeinsam mit Fleetwood Mac, Ten Years After, John Mayall und Jeff Beck auf.

Chicken Shack gehörte zu dieser Zeit zu Englands führenden Blues-Bands. Mit dem Fortgang der Tastenspielerin Christine Perfect ließ auch der Erfolg der Band nach. Das vorläufige Ende von Chicken Shack folgte bald darauf.

Stan Webb reinkarnierte seine Band aber viele Male, immer in neuer Besetzung. Die Liste der Mitmusiker ist entsprechend lang und es erscheinen eine ganze Menge großer Namen darunter.

Die Geschichte der Band setzt sich bis heute im gleichen Rhytmus fort.


Mehr über die Karriere von Chicken Shack über diesen Link



Es gab einige weitere erstklassige englische Blues Bands, aber keine erreichte in den späten 60ern den Stellenwert, den Fleetwood Mac beanspruchte.

Über die Anfänge des British Blues entstanden bis heute eine Unzahl bluesorientierter Bands. Einige der nahmhaftesten sind (waren) Cream, Jeff Beck Group, Led Zeppelin, Taste, Yardbirds, Them, Rolling Stones. Wen wundert es, alle diese Namen des britischen Rock waren auch an der Entstehung des traditionellen "British Blues" beteiligt.

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