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New Morning


Das Tanzlokal war brechend voll, der Zigarettenrauch hing in der Luft wie Nebelschwaden. Bereits das junge Publikum auf der Tanzfläche war nicht mehr klar erkennbar, gleich dahinter verhinderte die Nebelwand den weiteren Blick. Das gegenüberliedende Ende des Raumes war gar nicht mehr zu sehen.

Vor einer Woche nur hatte ich mich auf den Weg gemacht, hier täglich geprobt und stand nun fünf mal die Woche auf der Bühne, von 22:00 bis 4:00 morgens. Danach wurde im Lokal breits Frühstück serviert, bis 6:00 leerte sich der Laden dann täglich.


7509-0111b Die Proben hatten noch in Fredericia stattgefunden. Da aber jeden Monatsanfang ein neues Engagement begann, startete mein eigentlicher Job im "SWING INN", in Haderslev, einer geschichtsträchtigen Stadt Dänemarks.


Die Band bestand aus vier Musikern, Landsleuten von mir, die sechs Monate im Jahr in Dänemark, und sechs Monate in Norwegen spielten, alles bei freier Kost und Logis. Musikalisch tendierte die Band zu Tanzmusik mit rockigem Anteil.


Ob es auch die Möglichkeit gäbe, in Schweden zu spielen? "Nein, nach Schweden kommen wir nicht hinein." Schade, Schweden hätte mich auch sehr interessiert.


Zum ersten Mal in Dänemark zu sein, war natürlich ein großes Erlebnis. Tagsüber frei zu haben, Sehenswürdigkeiten, alles Interessante zu sehen und zu erleben, den nordischen Lebensstil kennenzulernen, dies alles war sehr aufregend. Und abends auf der Bühne vor zahlreichem, lebensfrohem Publikum erfolgreich zu arbeiten, was gibt es Schöneres für einen jungen Musiker.

7510-0304 "Nächsten Monat sind wir in Drammen. Im Parkhotel Drammen". Am nächsten Tag sah ich im Atlas nach, das interessierte mich.

Norwegen, ein weites, ruhiges Land, und die Norweger? Freundlich, friedlich und trinkfreudig.

Ein erstklassiges Hotel mit ruhigen tanzenden Gästen. Unsere Arbeitszeit in Norwegen dauerte jeweils von 20:00 bis 0:00 Uhr.


Die Sehenswürdigkeiten der Kleinstadt Drammen hatte ich bald durch. Aber es gab Privat-Partys, ich lernte viele Leute kennen, die Zeit war kurzweilig.


Nun gut, es war Winter und wer läuft in nordischer Kälte gerne durch den Schnee? Während diesem Monat wurde meine Gitarre gestohlen. Dies sorgte für einige Aufregung, besonders meinerseits. Mit Hilfe der Polizei, besonders aber einiger Bewohner Drammens bekam ich das Instrument glücklicherweise innerhalb einer Woche zurück. Glück gehabt, in Zukunft besser aufpassen!

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Der folgende Monat - Arendal, in Norwegen.

Eine Kleinstadt mit damals vielleicht 30.000 Einwohnern?

Cafe Central, ein Tanzlokal.
Um 20:00 Uhr, volles Haus, alles nüchtern. 0:00 Uhr Sperrstunde, alles stark angetrunken.

Und trotz Alkohol gab es unter der Besuchern nie Streit oder Schlimmeres. Alles verlief sehr beherrscht, ruhig, freundlich, friedlich. Toll.

Um Mitternacht war die Straße dicht gefüllt mit Fußgängern, die sich auf den Heimweg machten, Gedränge wie am Wochenmarkt. Wir waren in einem Haus einquartiert, ganz alleine. Etwas außerhalb der Stadt, eine gute Unterkunft.

Sonst gibt es nicht viel über diese Stadt zu erzählen. Keine Sehenswürdigkeiten, aber nette Leute. Es gab auch hier viele Partys mit Wodka zu später Nacht. Der Monat ging schnell vorüber.

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Darauf folgte ein Engagement in Fredericia, in Dänemark.

Das Tanzlokal Casalinka kannte ich bereits, hier hatte ich die Musikproben zu meinem Einstieg absolviert. Insofern kannte ich hier auch das Personal, einige Gäste, hier fühlte ich mich nicht mehr fremd.


Spielzeit von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens, da wurde es schon spät, man verschlief den halben Tag. Es blieb nicht mehr viel Zeit übrig, etwas zu unternehmen.


Ein bißchen spazierengehen in der Stadt, bis die Dämmerung früh hereinbrach. Abendessen, und ab 22:00 Uhr Musik im verräucherten Lokal.


Einmal schaffte ich es sogar nach Kolding, einer nahegelegenen Stadt mit großer Vergangenheit

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Kristiansand, eine Hafenstadt im absoluten Süden Norwegens, mit viel Industrie.


Hotel Ernst Exzelsior, und wieder diese angenehme Arbeitszeit von 20 Uhr bis Mitternacht, schöne Zimmer im Hotel und gute Verpflegung. Musikerherz, was willst du mehr.


Eines Tages kam eine Anfrage, ob die Band Wencke Myhre begleiten könnte- mit Noten!!


Die Band verneinte. Schade, das wäre eine echte Herausforderung gewesen. Es war bekannt, daß Wencke schwierige Arrangements hatte.


Es war ein kalter Wintermonat, an dem ich nicht viel unternahm. Ich hütete mein Zimmer.

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Nach Abschluß des Engagements machten wir uns wieder nach Dänemark auf, wo es am nächsten Abend weitergehen sollte.


Die Stadt befindet sich auf der dänischen Insel Fünen.


Wir kamen rechtzeitig in Odense an, Heimatstadt des berühmten Hans Christian Andersen.




Im Ambassador, so hieß das Lokal, began unser Gastspiel, das nur wenige Tage dauern sollte.


Das Dancing gähnte täglich vor Leere, sodaß man unsere Anwesenheit nach einigen Tagen beendete.

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Bereits am Tag danach bauten wir die Anlage im Dancing "La Flamme" in Grindsted auf, um abends aufzutreten. Das kleine Lokal besaß nur eine kleine Bühnennische, auf der die Kollegen unterkamen, mich verbannte man auf die Tanzfläche.


Bei dem wilden Getanze der Gäste erwies sich das Musizieren für mich als höchst gefährlich. Wiederholt stießen Tänzer an mein Mikrofon, was beim Singen schlimm ausgehen konnte.


Daher bat ich die Kollegen, in dieser Bar ohne mich, zu dritt, weiter zu machen. Die Zwangspause gab mir Gelegenheit, über mein Spiel in der Band nachzudenken.



Die Monate waren schnell vergangen, wir hatten uns kennengelernt, und ich hatte erstmalig die Möglichkeit, das Tenor-Saxophon auf der Bühne einzusetzen. Der Bassist spielte auch Posaune, aber in dieser Besetzung ließen sich zwei Blasinstrumente schwerlich einsetzen.


Schon seit Anfang des Mitspiels innerhalb dieser Band war meine Leistung auf das Minimum reduziert, sodaß in mir wieder das Gefühl zunahm, hier nicht weiter zu kommen.


Ich hatte kein Problem mitzuspielen, trotzdem gab es für mich zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten.


Ich einigte mich mit den Kollegen und stieg aus der Band nach sechs Monaten und 145 Auftritten aus, um mein Glück anderswo zu suchen.

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Ich machte mich auf den Heimweg. Die Kollegen blieben weiterhin im Norden.


Einen davon traf ich fünf Jahre später in Deutschland in einer anderen Band wieder. "New Morning" hatte sich vor einiger Zeit aufgelöst, erzählte er mir.


Mir war bewußt geworden, daß ich vor allem am Saxophon noch viel Übung bedurfte. So widmete ich nach meiner Heimkehr einige Monate intensiven Studiums an meinen Instrumenten - Gitarre, Saxophon, sowie der kürzlich hinzugekommenen Querflöte.


Solange ich keine passenden Angebote erhielt, übte ich täglich neun Stunden, und dies sollte neun Monate anhalten. Außer einigen musikalischen Sessions mit früheren Kollegen passierte in dieser Zeit rein gar nichts.

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