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Yellow Submarine


Ein Quintett mit Sängerin? Ja, das konnte ich mir gut vorstellen. Ich besuchte die Band während deren Arbeit auf dem Münchner Oktoberfest. Auf ein Vorspiel folgte nach zwei Wochen die Proben-Arbeit.

Keyboarder und Sängerin hatten die Band mit 3 neuen Leuten neu besetzt, einer davon war ich.
Wir hatten einen Monat Zeit zum Aufbau des Programms, bevor der erste Auftritt erfolgte. Das Programm bestand aus Tanzmusik - Hitparade, Allround und alles, was man so zur Unterhaltung braucht.


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"Die Sangerin ist der Star, ich als Keyboarder kann von hinten keine Conferance führen. Du bist der Frontmann, Du machst die Ansagen." Aber ich hatte so etwas noch nie gemacht. "Du wirst das schon schaffen, lege Dir ein paar Worte zurecht, das klappt schon."


Erster Auftritt, Pschorrkeller in München, jüngst neureröffnet Der Vorhang ging auf, vor uns ein Festsaal mit 1200 Gästen. "Begrüße die Leute, fang an". Mir schlotterten die Beine.


Ich glaube nicht, daß ich meine Sache gut gemacht habe, aber wir brachten den Abend hinter uns. Die Conference war der Alptraum schlechthin. "So schlecht war das fürs erste Mal nicht," kam es vom Bandleader. Na, dankeschön!


Die Sängerin? Erstklassig, sie hatte in der Vergangenheit einen gesamtdeutschen Gesangswettbewerb gewonnen. Der Keyboarder? sehr gut, entsprechend anspruchsvoll war das Repertoire. Hier fanden auch mein Saxophon und Querflöte ihre ersten erfolgreichen Einsätze.


7612-0383 Wir absolvierten einen Monat in der Tanzbar Geiger, Feldkirch.


Direkt vor der Bühne befand sich ein Wasserbecken mit einem Springbrunnen, sowas hatte ich in einem Dancing auch noch nie erlebt. Die Tanzfläche befand sich hinter den Wasserspielen.


Wir wohnten in der obersten Etage, direkt unter dem Dach. "Und daß mir keiner von euch eine Frau aufs Zimmer nimmt. Wenn ich einen erwische, fliegt ihr alle sofort hinaus".


Was dann allerdings passiert ist, ist schon so unglaublich, daß man es...! Ich möchte den werten Leser hier nicht auch noch mit solchen Geschichten belästigen.

7701-0385 Der Terminkalender brachte uns einen Monat nach Memmingen, ins Cafe Weinsiegel

Ein gepflegtes Haus mit gutem Publikum. Der Wirt begrüßte uns mit kräftigem Händedruck, ich gab ihm danach nie wieder die Hand. Er war ausgebildeter Sänger und beobachtete uns oft mit interessiertem Ohr.


Mein Quartier, unweit in einer Pension, hatte ein Fenster, welches in einen schmalen Lichtschacht mündete. Die gegenüberliegende Mauer konnte man mit der Hand berühren.

In dem Mauerschacht nisteten Tauben. Mit Fenster öffnen und Ausschlafen morgens war es hier schlecht bestellt.

Ansonsten ein schönes Gastspiel, ohne freien Tag. Ich wäre hierher gerne wieder zurückgekommen.


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Der letzte Tag war immer stressig, nach Spielende mußte nachts noch abgebaut werden. Einige wenige Stunden Schlaf, morgens Abfahrt zum nächsten Spielort, dort Aufbau, um abends wieder auf der Bühne zu stehen.

Diesmal standen wir auf der Bühne des
Hotel Post, im gut besuchten Wintersportort St. Anton am Arlberg.

Wochenends gab es immer einen musikalischen Apres-Ski, an dem wir die Gäste nachmittags unterhielten.

Skifahren war für uns vertraglich verboten, also fuhr ich ohne Ski mit der Seilbahn auf alle Gipfel, um die wunderbare Gebirgsluft und das Panorama zu genießen.



Als Unterkunft bekamen wir ein Haus ganz alleine, etwas außerhalb. Die Autofahrt dorthin war unerläßlich, aber sehr problematisch, denn es schneite oft stark und nachts war die Fahrbahn eisglatt.


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Diesmal hatten wir einen Tag frei, bevor wir wieder auftraten.


Das Tanzokal Hacienda befand sich in Calmbach/Wildbad, im Schwarzwald.


Was für ein krasser Gegensatz zum eben noch erlebten Winter-Trubel. Am Wochenende war das Haus gut besucht, während der Woche waren die Abende oft sehr lang.


Eines Abends war tatsächlich Costa Cordalis zu Gast, wie aufregend. Er war mit einer Gesellschaft da, sozusagen privat (inkognito).


Nach dem erfolgten Engagement hatte ich einen Monat frei.

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Auch im darauf folgenden Monat bekamen wir kein Monats-Engagement, zum Maitanz spielten wir allerdings einen Abend in München-Lehel, im dort befindlichen Pfarrsaal auf.


Der Auftritt war sozusagen als Entschädigung für die Nutzung des Proberaumes vor einigen Monaten zu sehen. Folglich gab es auch keine Gage.








(fotografiert am 13. September 2015)

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Bandleader und Sängerin waren ein Paar, der Bassist hatte seine Frau immer dabei, folglich war der Drummer der Einzige, der für Gespräche oder Unternehmungen Zeit hatte.

Er hatte vor einiger Zeit den Wunsch geäußert, aussteigen zu wollen. Dies war dann auch der letzte Auftritt für den Drummer, mit dem ich mich gut verstanden hatte.

Als wir uns eine Woche danach wieder trafen, war ein fähiger Ersatzmann zur Stelle. Auch mit ihm kam ich sehr gut aus.




Wir gastierten zwei Tage in Bruck a. d. Glocknerstraße, im dortigen Cafe Central.

Unterkunft und Verpflegung waren sehr gut, einzig die Sängerin bekam unverträgliches Essen und war für den Tag bzw. Abend beim Auftritt in sehr schlechter Verfassung.

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Wir verbrachten einen Monat im Käuzchen, München-Schwabing.

Ein Musiker-Kollege hatte dieses Lokal übernommen und führte es jetzt.

Der Laden war täglich voll bis zum Bersten, für uns kurzweilig.


Dieser Sommermonat ging locker vorüber und mit dem immer zu Späßen bereiten Drummer gab es eine Menge zu Lachen.


Zum Quartier konnte ich zu Fuß gehen, die Kollegen wohnten woanders. Eines Abends war die Haustür jedoch verschlossen.

Mit einigen Telefonaten und viel Mühe gelang es mir, diese Nacht woanders unterzukommen.


7707-1023 Der nächste Monat führte mich nach Amberg, ins Metropol.

Was äußerlich wie eine Bruchbude anmutete, erwies sich innen als ein sehenswertes Tanzlokal.

Ich verbrachte hier eine gute Zeit. Bei bestem Wetter war ich nachmittags meist am nahen Badesee zu finden.

Mein Quartier befand sich im Haus unter dem Dach. Bei Regen stellte ich fest, daß das Dach undicht war, es regnete an sieben Stellen ins Zimmer. Bei Schlechtwetter stellte ich künftig sieben Eimer zurecht und hörte nachts den Tropfgeräuschen zu.

Der neue Drummer war in der Band in einigen Punkten unzufrieden. Daher beendete er sein Mitspiel zum Ende des Monats.

Die Zusammenarbeit der Band war professionell, aber privat gab es keine Gemeinsamkeit. Es herrschte eine Distanz wie am ersten Tag. Und einige Punkte der Bühnenpräsenz mißfielen auch mir. Als der Drummer seinen Ausstieg bekanntgegeben hatte, äußerte auch ich, bei Gelegenheit aufhören zu wollen.

"Wir sind im nächsten Monat in der Schweiz. Wenn es Dir recht ist, spielst Du dort noch mit?" In die Schweiz? Da war ich noch nie. Ja, da wollte ich unbedingt noch dabei sein.



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Es wurde dann auch ein wunderbarer Monat im Pascha. Bützberg, im schönen Emmental. Er hinterließ schöne Erinnerungen.

Der neuer Drummer, ein guter Mann, spielte sofort mit. Es war bekannt, daß er nur zwei Monate bleiben konnte, da er danach einen Job beim Künstlerdienst Frankfurt antreten sollte.

Ich war im Haus einquartiert und hatte ein erstklassiges Zimmer.

Im nächsten Ort Langenthal war eines der HAZYLANDS, einer von Hazy Osterwalds Nightclubs, wo gute Gruppen spielten.

Wir Musiker trafen uns zuweilen tagsüber zu Musik-Gesprächen. Und flugs- war der Monat um.

Die neun Monate mit "Yellow Submarine" waren für mich sehr erfahrensreich, erbrachten 198 Auftritte und letztendlich trauerte ich dem Ausstieg fast nach. Das Repertoire beinhaltete auch anspruchsvolle Stücke und die Band legte Wert auf "saubere" Arbeit. Ich hatte erstmalig die Chance, Saxophon und Querflöte effektiv einzusetzen, hatte viel dazugelernt, aber auch negative Eindrücke erlebt, die letztendlich zu meinem Ausstieg geführt hatten.

Den Bandleader und den "zweiten" Drummer traf ich später wieder, von den anderen Musikern hörte ich nichts mehr.


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