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Biografisches


Die Planung für diese Seiten sieht Stationen, und Erlebnisse meiner Person vor, ohne persönlich werden zu wollen. Sie soll etwas Zeitgeschichte beinhalten, Erzählungen über vergangene Zeiten, Dinge und Vorkommnisse, die früher selbstverständlich waren und heute bereits vergessen sind.

Vergessen, weil der werte Besucher oder Leser dieser Website zu jung ist, um solcherlei noch erlebt zu haben. Oder, weil reifere Zeitgenossen solcherlei bereits aus ihrem Gedankengut verloren haben. Eben etwas Zeitgeist.

Als Abschluß erlaube ich mir einige kritische Anmerkungen zu Politik und Gegenwart. Auch wenn manch einer anderer Meinung sein sollte als ich, gestatte ich mir dieses demokratische Recht.


Anmerkung:
Diese Seite ist im Lesestoff etwas lang geworden. Ich wüßte nicht, wie ich hätte soviel Aussagen können, mit weniger Worten. Daher ist hier ein Inhaltsverzeichnis, in dem man durch Klick auf die jeweilige Zeile zum entsprechenden Kapitel kommt:

1.Station - Kindheit und erste Erfahrungen


Wenn man sich zurückerinnert, fällt einem zu allererst die kurze Dauer der Vergangenheit auf, in der sich sehr vieles verändert hat, ohne es richtig zu bemerken - es geschah so selbstverständlich und ist es heute noch - oder nicht?

Als Nachkriegskind erinnere ich mich an vieles, was es nicht gab, eigentlich gab es kaum etwas. Als Familie, der im Krieg nichts geblieben war, bewohnten wir ein Zimmer in einem Barackenlager, in dessen Holzkonstruktion sich ganze Rattenhorden wohlfühlten. Im Flur gab es nur einen Hahn mit fließendem, kaltem Wasser und eine Toilette - wohlgemerkt für mehrere Familien. Kein Bad. Wir besaßen einen Zinkbottich, der des Öfteren mit heißem, vorher gekochtem Wasser gefüllt wurde, um mich darin zu baden. Meine Eltern besuchten einmal wöchentlich eine entfernte Badeanstalt, in der man sich duschen konnte.

Wenn wir uns in der Stadt, in der wir wohnten, bewegten, waren wir immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Für mich waren diese Ausflüge immer "großes" Abenteuer. Es war anfangs eine Seltenheit, ein Auto auf den Straßen zu sehen, dies nahm später von Jahr zu Jahr zu. Ebenso wie irgendwann der Luxus begann, sich mit Bussen in der Stadt fortbewegen zu können. Einer der größten Augenblicke meines jungen Lebens war das Erlebnis, mit meinen Eltern unterwegs von einem Lastwagen mitgenommen zu werden. Wir fanden auf der offenen Ladefläche hinten Platz und niemand nahm Anstoß daran.

Der Speiseplan war in allen Familien sehr beschränkt. Aus diesem Grunde ging mein junges Leben auch nicht ohne Krankheiten vorüber. Im Gegensatz zu manch anderem war ich sogar einige Male so stark erkrankt, das meine Familie um mein Leben fürchten mußte. Ich weiß noch, daß manchmal Pakete von irgendwoher kamen, um unser Dasein zu unterstützen. Sie enthielten in erster Linie Lebensmittel und Kleidung, die Freude war jedesmal riesengroß.

Zum Einkaufen gab es kleine Lebensmittelgeschäfte. Men stellte sich vor der Theke an und bestellte, was man brauchte. Nichts war verpackt, die Menge die man brauchte wurde abgewogen und in Papiertüten verpackt. Für Milch mußten eigene Milchkannen mitgebracht werden. Die Milch wurde dann aus einem großen Behälter geschöpft und nach Litermaß abgefüllt.

Kinder gab es überall und so scharte man in kürzester Zeit Freunde um sich. Spielzeug gab es nicht viel, aber jeder im Kreis hatte irgendetwas zur Verfügung, mit dem sich so ein Freundeskreis gemeinsam vergnügte. Einem Streit ging man besser aus dem Wege, sonst stand man alleine da mit seinem Ich. Da war es schon besser zusammenzuhalten.

In der Freizeit traf man sich zu gemeinsamen Spielen, die irgendwo im Umkreis stattfanden. Wir Kinder kannten weder Uhren noch Handy´s, trotzdem überlebten wir, ohne daß die Eltern wußten wo wir sind und was wir treiben. Und jeder von uns wußte genau, wann er sich wieder zu Hause einzufinden hatte. Mit zunehmendem Alter gaben wir uns nicht mehr so sehr mit Mädchen ab, die waren doof. Wir blieben unter uns und spielten die großen Helden.

Irgendwann konnten sich meine Eltern erst einen Motorroller, dann ein Kleinstauto, später ein Motorrad und dann wieder einen Motorroller leisten. Davon hatte ich zwar nicht viel, denn die Fahrzeuge boten nur zwei Sitzplätze, doch einige Male (durfte) konnte ich schon mitfahren, zwischen den Beinen meines Vaters. Manchmal sogar mit Grenzübertrittt, ohne Pass und verborgen unter einer Decke.

Wie für jedes Kind, war der Schulbeginn ein gewaltiger Schritt im Leben. Die ersten Tage noch zur Schule gebracht, erlernte ich bald, den Weg nach Hause, alleine oder mit Schulkollegen, zu Fuß zu finden. Und so sehr wir auch lernten, irgendwann trat diese Nachlässigkeit ein, in der wir alle nur noch Spaß sahen. Nachdem einer meiner Schulkameraden, der allerdings auch immer den Unterricht zu unserer Belustigung störte, beim Direktor Bekanntschaft mit dem "Stock" machte, gab es für den Rest der Grundschulzeit keine Störungen mehr. Wir lernten alle sehr gut und bekamen gute Zensuren.

Ich hatte in dieser Zeit etwas Pech, meine Famile erhielt eine Neubauwohnung in einem anderen Stadtteil und ich eine andere Schule. Da der Lernstoff in diesem Institut bereits weiter fortgeschritten war, konnte ich leider nicht mehr "mithalten" und wurde kurzerhand um eine Klasse "zurückgestuft". Im Nachhinein mein Glück, denn fortan tat ich mir sehr leicht im Unterricht. In dieser Zeit verliebte ich mich tatsächlich in eine Klassenkameradin. Ich schrieb ihr auch Liebesbriefe, aber sie schien meine Gefühle nicht zu verstehen - oder sie wollte es nicht.

Ein großer Schock in meinem jungen Leben war, als einem Freund, der keine Mutter mehr hatte, der Vater verstarb. An diesem Tag kümmerten sich die Nachbarn um ihn, tags darauf wurde er von der Obrigkeit abgeholt und ich hörte nie wieder von ihm.

Ein Radiogerät und einen Plattenspieler hatten wir schon viele Jahre zu Hause, den Luxus eines Fernsehers leisteten sich meine Eltern, als ich neun Jahre alt war. Es gab damals (nur) zwei Programme, und die begannen täglich um 19:00 Uhr mit dem Sandmännchen - und endeten spätestens um 22:30 Uhr. Für mich war das unwichtig, beim Abendprogramm nach dem Sandmännchen durfte ich sowieso nicht zugegen sein. Eine Ausnahme bildeten die seltenen Abende, an denen meine Eltern ausgingen. Ich nutzte dann die Gelegenheit und schaltete das Gerät heimlich an. Das Fernsehprogramm sendete ganztägig ein Testbild, das sich nicht veränderte. Und manchmal gab es nicht einmal das, die Sender waren sehr störanfällig.

In meinem 9. Lebensjahr lernte ich durch Freunde Abenteuer-Comics kennen, die mich faszinierten. Bisher war ich nur mit diesen Funny-Comics (MM, FF) konfrontiert, die auf Kinder zugeschnitten waren. Aber dies war etwas ganz Neues für uns. Man stelle sich vor - für Kinder gab es nur Bücher, kein Fernsehprogramm, kein Kino und von Computern ahnte kein Mensch etwas.

Im selben Alter hatte ich auch begonnen, Plastikmodelle zu basteln, was ich liebend gerne tat, wenn ich von den Verwandten wieder ein Modell geschenkt bekam. Mit dieser Beschäftigung verbrachte ich meine Zeit häufig lieber zu Hause als mit meinen Spielkameraden. (Ein Beitrag über Modellbau ist in dieser Website enthalten).

Im gleichen Jahr erlebte ich etwas Außergewöhnliches. Wir hatten Verwandschaft in den USA, meine Mutter nahm mich zu einem mehrwöchigen Besuch dorthin mit. Zum ersten Mal erlebte ich ein anderes Leben, unseren Verwandten ging es dort sehr gut. Mir auch. Es gab vieles kennenzulernen, was uns zu Hause noch fremd war und erst viele Jahre später in Europa Einzug halten würde. Die Rückkehr nach Hause war wie ein schlechtes Erwachen.

2.Station - Jugend und militärische Ausbildung


Die folgende Lehranstalt war eine reine Knabenschule, anfangs etwas befremdend, nachdem wir in der Grundschule gemischt waren. Das Institut war auch nicht mehr zu Fuß zu erreichen, da hieß es täglich rechtzeitig an der Busstation zu sein. Die Qualität des Lehrstoffs nahm zu und das Rennen um gute Zensuren wurde härter. Ich muß zugeben, daß diese Schule mir viel für das weitere Leben vermittelte, sozusagen eine erstklassige Ausbildung darstellte.

Ansonsten änderte sich der Alltag nur langsam. Nach dem Schultag Hausaufgaben, danach ging es wieder hinaus in die Natur zum Spielen. Die Art der Spiele änderte sich, auch diese wurden härter und man mußte versuchen, sich gegen die Älteren Spielkameraden zu behaupten.

Ich glaube in meinem Alter von 11 Jahren begann das Fernsehen Sonntag nachmittags Kinder-und Jugendprogramme zu senden. Erst ging es um 16:00 Uhr los, in Jahresfrist wurde das Programm dann bereits ab mittags gesendet. Der nächste Schritt nach langer Zeit war Fernsehprogramm auch am Samstag nachmittag. Da gab es dann schon gute Unterhaltung für junge Leute. Bis zum täglichen Nachmittagsprogramm dauerte es noch Jahre. Als eines Tages auch noch das 3.Programm eröffnete, blieb man wochenends schon mal lieber zuhause. Irgendwann, viel später, nahm auch noch das ZDF den Sendebetrieb auf.

Seit ich vor wenigen Jahren Comics kennengelernt hatte, die mich faszinierten und teilweise prägten, war ich zum Sammler avanciert. Auch das Zusammenbauen von Plastikmodellen wurde zu einem ernstzunehmenden Hobby, in dem ich mir schon grundlegende Kenntnisse angeeignet hatte. (Ein Beitrag über Comics und Modellbau ist in dieser Website enthalten).

Meine Eltern verbrachten ihren Urlaub jedes Jahr in Italien, ich blieb dann immer bei meinen Großeltern zu Hause. Ich glaube ich war zwölf, als sie begannen mit mitzunehmen? Seit einiger Zeit besaßen sie ein Auto und somit Platz für einen weiteren Mitreisenden. Das waren natürlich immer schöne Erlebnisse, irgendwann später verlor ich aber die Lust daran. Mit meinen Eltern lief immer alles die gleiche Routine ab.

Irgendwann (so mit 14) sprachen dann plötzlich alle von den "Beatles", ich hatte davon noch nie gehört und es dauerte auch noch eine Weile, bis ich einem ihrer Songs bewußt lauschte. Im Rundfunk gab es keine Lieder in fremden Sprachen, nur in deutsch. Das änderte sich in den folgenden Jahren aber rasant, innerhalb weniger Jahre hörte man mehr fremde Songs als deutsche Schlager. Vorerst aber- blieb noch alles beim Alten. (Ein Beitrag über Beatmusik ist in dieser Website enthalten).

Als ab 1965 der "Beat-Club" im Fernsehen ausgestrahlt wurde, was auf lange Sicht auch die einzige Musiksendung für junge Leute bleiben sollte, war ich dieser Musikrichtung vollkommen verfallen. Das war Musik in meinen Ohren, so etwas wollte ich auch machen - es sollte noch fünf Jahre dauern, bis ich mit meiner eigenen Band auf Bühnen stand.

Zu dieser Zeit begann ich auch "Bravo" zu lesen. Was war das doch für ein tolles Journal, mit Bildern und Geschichten über Musik, die großen Stars und vielen weiteren Informationen für die junge Bevölkerung. In diesem Journal wurde laufend über Radio Luxemburg propagiert, einem Sender der ganztägig Musik und Themen für die Jungen sendete.

Auf Mittelwelle mußte ich aber leider bis abends warten, bis der Sender klar zu empfangen war. Fortan war ich jeden Abend Stammgast bei Radio Luxemburg. Mit dem Tonbandgerät meines Vaters nahm ich dann meine Favoriten auf - ganz egal in welcher Tonqualität, um sie tags[ber hören zu können. Ab 1966 bequemten sich dann auch unsere Rundfunkanstalten dazu, nachmittags wenigstens eine Stunde Musik für die Jugend zu senden.

Ab 1966 stellten die ersten Rundfunksender auch auf Stereo um. Meine Großmutter (Großvater war vor zwei Jahren verstorben) kaufte zu dieser Zeit ein neues Radio - und siehe da- es war eines der ersten Stereogeräte, das auf den Markt kam. Fortan hielt ich mich oft bei Ihr auf und versuchte den Stereo-Effekt zu hören. Dies gelang anfangs überhaupt nicht, die meisten gesendeten Programme waren dafür noch nicht vorbereitet. Für mich änderte sich dieser Genuß erst 1968 mit dem Erwerb eines Stereo-Plattenspielers, getrennten Lautsprechern und entsprechenden Schallplatten.

Mit den Eltern lief es nicht immer gut ab. Auf Grund der häufigen Differenzen zog ich mich oft zurück und beschäftigte mich vermehrt mit Musik und meinem Instrument, sodaß ich schließlich einen Großteil meiner Freizeit damit verbrachte.

Nach Beendigung meiner Schulzeit wollte ich meine Zeit nicht damit vergeuden, weiterhin zur Schule zu gehen. Dies brachte zuhause einen monatelangen Disput mit sich, so daß ich letztendlich eine Lehre nach dem Willen der Eltern aufnahm. Ich hoffte, dadurch unabhängiger zu werden, aber - so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte, war das nicht, die Ausbildung nahm mich für die nächsten Jahre voll in Anspruch. Von da an - null Freizeit.

So verbrachte ich meine Lehrzeit für einen Beruf, der mich eigentlich nicht interessierte. Nach ausgezeichnetem Abschluß machte ich auch gleich wieder Schluß damit. Bis zum Eintritt in meine Militärzeit nahm ich einige Gelegenheitsjobs an, die mir auch Spaß machten.

Mein Service an der Waffe war keine tolle Zeit - aber eine lehrreiche. Was ich gelernt habe? Mich anzupassen, vieles zu akzeptieren und sich in Gemeinschaften zu unterstützen. Tugenden, die ich vorher so nicht kannte. Ich verließ die Truppe als ein neuer Mensch, ich glaube sogar als ein besserer.


Ein kurzer Denkanstoß?
Die Wehrpflicht wurde abgeschafft und damit große Teile der Truppen. Der größte Arbeitgeber des Staates wurde damit beseitigt. In seiner Wehrpflicht hatte jeder junge Mann die Möglichkeit, sich in seinem Beruf oder in anderen Richtungen kostenlos, ja sogar bezahlt, weiterzubilden. Die umfassendste Ausbildungsmöglichkeit, die der Staat seinem Volk geboten hat.

Wie konnte eine Jugend so dumm sein, diese großartige Chance abzulehnen und wie konnte ein Staat so dumm sein, dies abzuschaffen. Für mein Empfinden, hätte es auch jungen Frauen eine gute Lehre für die Zukunft und eine gute Ausbildung geboten, hätte man sie ebenfalls zur Wehrpflicht herangezogen. Was für ein wahnsinniger Verlust!

3.Station - Beruf, Selbstfindung und Hobbies


Nach meiner Dienstzeit war es erst einmal wichtig Geld zu verdienen, damit man sich etwas leisten konnte. Ich fand mich in einem Betrieb für Elektro-Installation wieder, dem ich dankbar einige Jahre treu diente. Gleichzeitig ergab es sich auch, daß ich eine Band aufbaute und mit Musik "nebenbei" etwas Geld verdiente, welches ich in Instrumenten neu anlegte.

Überhaupt, diese beschriebene Zeit war ein Traum für jeden engagierten Musiker. Fast in jeder Gaststätte spielte wochenends eine Band live und - es gab viele Musiker und Bands. Folglich war es leicht als Musiker in einer Band oder/und auf einer Bühne zu spielen. Ich nutzte die Chance der Stunde. (Ein Beitrag über meinen musikalinschen Weg ist in dieser Website enthalten).

In diese Zeit fallen einige Dinge, die junge Leute sich erfüllen, soweit sie können. Die ersten Autos, Freizeit mit Freunden in einer Clique, der Besuch von Tanzlokalen und schließlich eine Ehe. Letztere ging leider - oder gottseidank! - bereits nach kurzer Zeit in die Brüche. "Nie wieder heiraten" - ob sich so ein Wort einhalten läßt?

Auch Freundschaften hielten nicht allzulange. Je enger meine Freizeit wurde, umso weniger konnte ich Freundschaften pflegen und halten. Es war aber auch so, daß ich meine Freizeit nicht lapidar verschwenden wollte. Ich hatte genug Aufgaben zu erfüllen und verfolgte andere Interessen als meine Freunde. Letztendlich blieben aus dieser Zeit nur zwei von ihnen übrig.

Daß ein großer Teil meines Lebens der Musik verfallen war, habe ich schon angemerkt. Seit ich mobil war, besuchte ich mit Begeisterung Pop-Konzerte, als ein Fan englischer Musik bereiste ich mehrfach England, und auch wieder Italien (ohne Eltern brachte dies mehr Spaß).

Das Hobby des Comic-Sammelns wurde durch andere Interessen abgelöst. Ich verkaufte kurzerhand alles was ich gesammelt hatte, nicht wissend, daß ich wenige Jahre später wieder alles, und noch mehr, kaufen würde - teurer als ich verkauft hatte. Mit Modellbau befaßte ich mich weiterhin begeistert.

Mittlerweile fuhr ich bereits mein drittes Auto- nicht daß dies ein Hobby von mir war, Autos waren für mich immer nur Mittel zur Fortbewegung. Ein Arbeitskollege machte mich auf eine Versteigerung aufmerksam, in der ein Auto unter den Hammer kam. Ich bekam es für DM 180 (Euro 90), stieg ein und fuhr los. Eine Zeitlang war ich nun stolzer Besitzer zweier Automobile. Ich fuhr dieses Fahrzeug einige Jahre bis zu einer Leistung von 500.000 km, und gab es dann ab.

Mit meiner Amateurband verzeichneten wir gute Erfolge, die Aufträge häuften sich, sodaß mir Berufsverhältnis und Musizieren mit der Zeit zu viel wurden. Ich mußte mich für eines davon entscheiden und wählte die Musik zu meinem neuen Tätigkeitsfeld.

Es sollte nicht lange dauern, bis ich in einer professionellen Band unterkam. Da dies auch ewiges Reisen bedeutete, löste ich kurzerhand meinen kompletten Hausstand auf und behielt nur, was ich unbedingt brauchte und was ins Auto paßte. Daß damit ein neuer Lebensabschnitt für mich begann, das war mir von Anfang an klar. Ich hatte mit der Vergangenheit abgeschlossen.

4.Station - Reisen in In- und Ausland


Das Reisen - kann man sich vorstellen, daß man diesem überdrüssig wird? Wohl kaum - oder doch?
Kurze Fahrten (200-300 km) war ich nun schon gewohnt. Für eine Bekanntschaft, sowie an die italienische Adria waren es dann auch schon 600km, nach England etwas weiter.

Meine ersten beruflichen Reisen führten mich nach Dänemark und Norwegen, ich wechselte mehrmals zwischen diesen beiden Ländern. Meine Aufenthalte betrugen an jedem Ort einen Monat. Da zwischen dem letzten Arbeitstag und dem ersten am folgenden Ort kein freier Tag lag, mußte man meist in der Nacht reisen, ohne zum Schlafen zu kommen. Freie Tage waren ohnehin eher die Ausnahme.

Gleich zu Beginn meines Skandinavien-Aufenthaltes erkannte ich, wie wichtig es für mich war, die neuen Eindrücke für später festzuhalten. Bereits in der zweiten Woche kaufte ich mir daher eine Foto-Kamera (Spiegelreflex). Einer meiner Kollegen besaß bereits eine, er gab mir erste Anweisungen. Das Wissen zum besseren Foto fand ich aber erst über einige Lehrbücher, mit denen ich mich in den nächsten Monaten eingehend befaßte. Da es im Kamerasystem noch keinerlei Automatik gab, sollte man sich mit Blende, Verschlußzeit und sonstigen Abläufen gut auskennen.

Als mein Passport ablief, fuhr ich zur Verlängerung ins Konsulat nach Oslo. Die Freude des Konsuls und seiner Frau, einen Landsmann zu empfangen, war groß, und so erfolgte der Amtsgang bei Kaffee und Kuchen. Ein nettes Erlebnis. Bedauerlicherweise hatte ich keine Zeit für eine Stadtrundfahrt, ich mußte wieder zurück, dies war ein Arbeitstag für mich. Um den Pass wieder abzuholen, fuhr ich die mehreren hundert Kilometer einige Tage später noch einmal ab.

Bei so einem Ortwechsel lernte ich auch den norwegischen Winter zur Genüge kennen, hatte mit der Straße aber nie größere Probleme. Anders verlief eine Fahrt in die Heimat, um Weihnachten mit den Angehörigen zu feiern. Kurz vor dem Ziel hatte ich bei eisglatter Fahrbahn großes Pech. Es gelang mir tatsächlich jemanden zu finden, der sich während den Feiertagen um das Auto kümmerte. Nach vier Tagen erhielt ich es wie neu zurück und konnte die Rückfahrt in den Norden wieder aufnehmen.


Um mit der Kunst (Beruf) weiterzukommen, entschloß ich mich nach einiger Zeit zu Veränderungen. München wurde zu meinem neuen Standort. Von hier aus bereiste man Auftrittsorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der monatliche Ablauf erfolgte in gleicher Weise wie bisher, meist ohne freien Tag. Am Monatsletzten gab es einen Ortswechsel, meist ohne Schlaf.

Das neue Betätigungsfeld war um Klassen besser als das Vorhergehende. Nicht nur musikalisch, auch die Organisation klappte hier eindeutig besser. Trotzdem war ich auch hier nicht immer glücklich, es gab immer wieder freie Monate, in denen ich auf den nächsten Einsatz warten mußte. Und so schien es unvermeidlich, daß ich nach einer gewissen Zeit wieder die Konsequenzen zog, um mich etwas Gefälligerem zuzuwenden.


Seit kurzem hatte ich mich im bayrischen Allgäu niedergelassen, ich fühlte mich hier eine ganze Zeit lang wohl. Meine Reisen erfolgten die nächsten Jahre von diesem Standort aus. Hier erhielt ich auch ein neues berufliches Angebot, daß ich ohne viel Umstände und Überlegung ergriff. Es sollte sich als Glücksfall erweisen.

Die Unterschiede zu den bisherigen Bands, in denen ich mitgewirkt hatte, lagen in Qualität und Standard und das in jeder Hinsicht. Ich möchte nicht alles haarklein erzählen, daher in kurzen Worten - die Auftrittsörtlichkeiten waren von einem besseren Niveau, ebenso das Publikum, die musikalische Darbietung und die Auftritte waren erstklassig. Und das Wichtigste für mich war die perfekte Organisation, die in allen Einzelheiten funktionierte.

Die Auftritte selbst hatten sich nicht verändert. Im Regelfall gab es einen Monat am selben Ort ohne freien Tag, allerdings kamen auch Monate mit einem Ruhetag je Woche vor. Auf das Jahr verteilt nahm sich die Band ein bis zwei Monate Urlaub, in die allerdings meist mehrere Einzelauftritte (Gala-Veranstaltungen) fielen. Kein Problem, wenn man achtzehn Monate im voraus ausgebucht ist.

Zu dieser Zeit entdeckte ich im Buchhandel die "Exquisit-" Taschenbücher, mit klassischer Erotik, derselben bisher eigentlich überhaupt nicht öffentlich gehandelt wurden. Für mich als junger Mann eine interessante Lektüre, kaufte ich mir so manchen Band, bis diese Lesesucht wieder verflossen war. Diese Taschenbücher gaben viele Jahre später den Anstoß zu dieser Website.

Der Wirkungskreis dieser neuen Band waren Deutschland und die Schweiz, beide Länder bereiste ich damals großflächig und lernte sie ausgiebig kennen. Dies kam meinem Hobby als Fotograf sehr entgegen, ich schoß Bilder wo es nur ging und sammelte eine Unzahl von Erinnerungen. (Einige Galerien meiner Fotografien sind in dieser Website enthalten).

Mit einem einwöchigen Urlaub auf Gran Canaria genehmigte ich mir kurzfristig ein schönes Erlebnis. Es war meine zweite Flugreise (die erste war USA, siehe weiter oben), und somit etwas Außergewöhnliches. Untergebracht in einem Appartement eines idyllischen kleinen Ortes, verlebte ich schöne Tage.

In diesen Jahren gestattete ich mir einen Zweitwohnsitz in Frankfurt/M., den ich allerdings nur selten ansteuern konnte. Die wenigen Male, die ich mich da aufhielt, nutzte ich zur Erkundung der nahem Umgebung, die Stadt selbst kannte ich bereits von meinen musikalischen Einsätzen.

Zu einer erneuten Urlaubsreise wählte ich Kreta, die griechische Insel, auf der sich schon die Minoer vor tausenden von Jahren wohlfühlten. Ich fühlte mich da auch sehr wohl, bei strahlender Sonne, herrlichem Sandstrand und Erkundung der antiken Städten der Insel.

Ich war in der französischen Schweiz engagiert, als mich die Nachricht vom Ableben meiner Großmutter durch einen Unfall erreichte. Ein schmerzliches Ereignis, das mich hart traf, ich hatte zu ihr ein inniges, herzliches Verhältnis. Aus mehreren Gründen konnte ich an den Begräbnisfeierlichkeiten nicht zugegen sein.

Wie alles nicht ewig dauert, so hatte auch diese Band ihr Ende. Nachdem intern personelle Probleme entstanden, der Kapellmeister selbst akut erkrankte, verlief ein Versuch, die Band weiterhin aufrechtzuerhalten, leider ergebnislos.

Ich hatte meinen Wohnort zwischenzeitlich nach Hamburg verlegt, die wunderbare Stadt an der Elbe. Von hier aus suchte und bewarb ich mich um einen neuen Wirkungskreis. Drei nennenswerte Dinge geschahen zu dieser Zeit in folgender Reihenfolge:

1. Durch einen Zufall wurde ich auf Metallfiguren aufmerksam, die sich in den Kinder-Überraschungseiern befanden. Dies weckte meinen Sammlertrieb, in den folgenden Jahrzehnten komplettierte ich eine Figurensammlung, die heute nicht mehr zusammen zu bekommen ist. (Ein Beitrag über Metall-Figuren ist in dieser Website enthalten).

2. Trotzdem ich gerade ohne Einkommen dastand, sah ich es als notwendig an, mir ein neues Auto zu beschaffen. Mein bisheriges hatte die Traumquote von 500.000 km überschritten, dies war für mich immer ein Ereignis zum Autowechsel. Es war mein mittlerweile siebtes Auto - und dieses Mal sogar ein Neuwagen.

5.Station - Reisen durch Europa


Ich traf mich mit einem Bandleader in einem Cafe an der Hamburger Innenalster, gefolgt von einem Vorspiel in Wiesbaden, worauf ich für zehn Probetage nach München mußte, um dann in Luzern endgültig in die Formation einzusteigen. Von meinen Vorstellgespräch bis zur Einstellung in Luzern waren fast vier Monate vergangen.

Bei dieser Band handelte es sich um eine Gala-Band, eine Formation, die in erster Linie für Ein-Tages-Jobs unterwegs war. Sicher gab es zwischendurch auch Wochen-, Halbmonats-, oder Ganzmonatsauftritte, diese waren aber eher selten. Die Show- Präsentation war musikalisch und choreographisch erstklassig. Dementsprechend hoch war eine Bühnendisziplin angesetzt und organisatorisch war nur wenig für uns gesorgt. Jeder war auf sich alleine gestellt und verantwortlich, das nichts schief ging.

Der Wirkungskreis betraf ganz Europa, sodaß ich fast alle Länder Europas vielfach bereiste. Zum Auffinden eines Auftrittsortes erhielt ich eine Adresse, an der ich zu besagter Zeit anwesend zu sein hatte. Fahrgemeinschaften waren eher eine Ausnahme. Ein umfangreicher Reiseplan von diesen Einsätzen ist in dieser Website zu finden. Obwohl ich in dieser Formation viele Höhepunkte erlebte, es war eine sehr stressige Zeit.

Zwischen den Einsatztagen lagen oftmals freie Tage. Ebenso oft geschah es aber auch, daß man nach dem Auftrittsende sofort zum nächsten Auftragsort losfahren mußte, oftmals mehrere hundert Kilometer. An solchen Tagen mußte man eben auf den Schlaf verzichten. Und die Anfahrten waren immer mit dem eigenen Auto, Fahrleistung jährlich ca. 40.000 km.

Ein ehemaliger Schulfreund, mit dem ich mich häufig traf, überzeugte mich ziemlich zu Anfang dieser Episode, eine gemeinsame Comic-Sammlung zu schaffen, mit all den schönen Geschichten, die er und ich damals lasen. Dieses Vorhaben dauerte über zehn Jahre und verschlang viel Geld. Das Ergebnis war zwar großartig, als ich die Sammling allerdings viele Jahre später verkaufen sollte, bekamen wir den realen Wert bei Weitem nicht mehr zurück. Doch darüber später.

In Schweden, wo ich oft tätig war, entdeckte ich mein Interesse an Felszeichnungen und Steingräbern aus der Vorzeit. Da ich dort auch private Beziehungen pflegte, verbrachte ich viel Zeit in dem Land und konnte mich meinem Hobby (-forschungen) zur Genüge widmen. In Süwestschweden sind diese Relikte aus der Vergangenheit zahlreich vorhanden, es wurde nicht langweilig. (Ein Beitrag über Felszeichnungen ist in dieser Website enthalten).

Da einige der Kollegen in München wohnten, verlegte ich meinen Wohnort schon bald in die teure Stadt. Die erwarteten Freundschaften und Freizeitgestaltungen blieben allerdings aus, dazu waren die Interessen jedes Einzelnen zu verschieden, in einem Beruf der von Intriganten und (so wie auch ich einer geworden bin) Einzelgängern besetzt ist.

6.Erkenntnisse im Umgang mit Menschen und anderen Ländern


Die Schweiz - wer in dieser gut erschlossenen Bergwelt unterwegs war, kann darüber erzählen. Ein Gläschen Fendant (schweizer Wein) am Genfer See, ein Cafe creme in Zürich, ein Käsefondue in Fribourg oder eine Runde beim Apres ski in St. Moritz, das sind Augenblicke, die man nicht so leicht vergißt. Und die gut erhaltenen Altstädte, da kann einem weh ums Herz werden.

Norwegen - ein Land, in dem der Alkohol monopolisiert ist. Man bekommt ihn nur (teuer) in staatlichen Geschäften registriert zu kaufen. Nachtlokale schließen um Mitternacht, bis dahin sollte man es geschaft haben, mit Einheimischen gut zu stehen. Danach beginnen nämlich mancherorts Privatpartys, in deren Runden Meeresfrüchte, reichlich Alkohol und Sonstiges genossen werden.

Die Niederlande - ich glaube das ist das freieste Land Europas. Hier ist alles erlaubt, was anderswo nicht zu bekommen ist, zumindest in den Hafenstädten. Und Amsterdam, die wunderschöne Stadt der Grachten und der großen Maler. Ich erinnere mich allerdings auch an einen (erfolglosen) Einbruchsversuch in mein Auto. Immerhin war das Türschloß total demoliert.

Spanien - Valencia, Madrid, Granada - was für stolze Städte. Mich beeindruckten allerdings die Kanarischen Inseln am meisten, und ich hatte die Chance, sechs von ihnen kennenzulernen. Ich glaube, es waren die unterschiedlichen Naturgegebenheiten, die jede Insel für mich einzigartig erschienen ließ. Irgendwann nahm der Anteil der Schwarzen, die einen laufend beläßtigten, zu.

Finnland - lange kalte Winternächte und kurze warme Sommertage. Es war eine Freude, zu sehen, wie sehr die Menschen jeden Sonnenstrahl genossen. Herzliche Menschen, die sich von allen anderen Westeuropäern etwas abheben. Mit englisch kommt man da nicht weit, mit russisch schon eher, schwedisch kein Problem. Sehr gutes Bier, und die Seenlandschaft - ein Traum.

Italien - ein reiches Land an Natur und Geschichte. In Rom sind antike Relikte an jeder Straßenecke zu finden und an neueren Gebäuden ragen die Bruchstücke derselben aus jeder Hausmauer. Italienischer Rotwein, Pasta und Meeresfrüchte, ein Genuß für den Gaumen. In Florenz mußte ich erleben, wie meiner Begleitung in Sekundenschnelle eine Cartier-Uhr abhanden kam.

Frankreich - und seine Küche? Es mag nicht alles meinen Geschmack treffen, aber trifft man erst die richtige Wahl, kann es einem hier sehr gut gefallen. Und die Liebe? Jeder Paris- Besucher sucht sie, und alleine die Überzeugung, hier etwas Höheres zu finden, macht den Reiz aus. Zum Vergleich - ein Glas Wein schmeckt nirgendwo besser als in einem Pariser Straßencafe.

Schweden - ein teures Land aus unserer Sicht, nicht aber für die dortigen Bewohner. Der teure Alkohol fließt da in Strömen. Ein unvergeßliches Bild - all die blonden Kinder am Strandgetobe. Und Stockholm - du nordische Perle mit deinen vorgelagerten tausenden Inseln im Schärengarten, hier die Mitternachssonne zu erleben, vielleicht meine bedeutendstensten Augenblicke.

Portugal - und die Algarve, ein Reiseziel für Millionen Touristen, kein Wunder, die Schönheit des Strandes ist einzigartig. Ein Glas Portwein in Porto, der Bahnhof mit seinen Fliesenbildern und schließlich Lissabon, von wo die Weltentdecker ausliefen. Man sieht und spürt den früheren Reichtum auf Schritt und Tritt.

Dänemark - du flaches Land. Die Ähnlichkeit der Bewohner Jütlands mit den Deutschen ist verblüffend, da sind die Menschen auf Fünen und Seeland schon anders. Oder täusche ich mich? In jungen Jahren aß ich da sehr gerne Medisterpölser (Würstchen). Ohne Kenntnis der Sprache, nahm ich auf die Frage - Senf, Ketchup, Mayonnaise - alles. Die Mischung schmeckte ausgezeichnet.

Soll ich mit weiteren Ländern fortfahren, ich glaube nicht. Man versteht bereits, daß jedes Land seine gewissen Vorzüge hat. Und einige besitzen auch gefährliche Fußfallen, vor denen man sich in acht nehmen sollte.

7.Station - Reisen nach Übersee


Marokko - ein Katzensprung nach Afrika, ich war zu gegebener Zeit da. Ein cleverer Geschäftsmann in Casablanca hat tatsächlich ein Cafe nach dem berühmten Filmcafe benannt. Ich kehrte da aber nicht ein. Im Bazar belästigte mich ein Kaufvermittler, und trotzdem ich unfreundlich wurde, er ließ nicht locker bis ich die Stätte verließ. Schade, ich wollte mich in Ruhe umsehen, eventuell einkaufen und den Bummel genießen. Ich sah letztendlich gar nichts, kaufte nichts genoß nichts.

Nach langen Jahren stieg ich aus Dummheit aus der bisherigen Band aus und gründete mit einigen der Kollegen eine neue Band. Einige wenige Jahre traten wir erfolgreich auf, mit weniger Streß im Gepäck und großer Freude. Dies änderte sich zunehmend durch Intrigenspiele, an denen das Unternehmen schließlich scheiterte. Letztendlich gab es auch Unkosten bei Rechtsanwälten und sogar einen Gerichtsgang. Nach all dem begann für mich ein neuer Lebensabschnitt.

Ich genehmigte mir erst einmal eine Urlaubsreise nach Teneriffa und erholte mich zwei Wochen lang von allem. Den einzigen Streß erlaubte ich mir mit der Erkundung der Insel per Leihauto. Ohne Zweifel - eine wunderbare Insel, eine wunderbares Erlebnis. Ansonsten nahm ich die Zeit locker bei Sonne, Strand und Rotwein.


Da ich bereits in die Comic-Szene involviert war, lag es nahe, ein Gewerbe als Comic-Händler anzumelden. Dies brachte mir in den nächsten Jahren ein kleines Einkommen. Ich erweiterte dies schließlich durch Veranstalungen von Comic- und Figurenbörsen in mehreren Städten Süddeutschlands. In den besten Zeiten veranstaltete ich zehn Börsen halbjährlich. Zehn Jahre später ließen die Nachfragen nach. Grund genug für mich, diese Tätigkeit fast gänzlich wieder einzustellen.

Eine weitere Urlaubsreise brachte mich wieder nach Griechenland, auf die Insel Kos. Hier nutzte ich einen Motorroller, um die Insel kennenzulernen. Auch diese Woche war ein echtes Erlebnis, und natürlich besuchte ich auch das antike Sanatorium des Hypokrates, oder zumindest die Ruinen, die davon noch übrig sind. Beeindruckend!

Eigentlich brachte mich ein Zufall wieder in eine Musikband, deren Charakter allerdings gänzlich anders war als die Bisherigen. Mein Wirkungsfeld in dieser Kapelle beschränkte sich in erster Linie auf München und Umgebung. Ein weiter entfernter Einsatz führte mich nach Porec in Kroatien, wo wir zwei Wochen lang auftraten.


Meine erste musikalische Übersee-Tour brachte mich für einen Monat nach Japan. Japan widerholte sich in den nächsten Jahren. Wenige Jahre später flog ich zu Auftritten nach Malaysia, bald darauf nach USA. Bis heute hatte ich an Übersee-Einsätzen zwei Touren durch Malaysia, 23 Engagements in Japan und war an die 35 Mal in USA.

Mittlerweile bin ich auch wieder in Berlin tätig, in den letzten beiden Jahren 13 Mal. Warum ich Berlin anführe? Nun, ich war in allen großen Städten Deutschlands unterwegs, in Berlin allerdings an die vierhundert Mal. Die letzten Jahre kam ich da nicht mehr hin, ich freue mich daher, diese Stadt wiederzusehen, die so viel Leid erlebt hat und sich nun so positiv entwickelt.

8.Weisheit/Unwissenheit in fortgeschrittenem Alter


"Zu unserer Zeit war alles besser", sprachen die Alten in meiner Jugend, dies wiederholt sich anscheinend in jeder Generation. Stimmt dieses Sprichwort oder sind die Alten nur doof und verkalkt, wie ich in meiner Jugend dachte? Durch meinen Beruf treffe ich weltweit viele Menschen jeden Alters, man sollte nicht meinen, wie sich alle in Gedanken, Reaktion und Charakter ähneln.

In einer amerikanischen Bar traf ich oftmals einen alten Mann, er kam mit seinem Auto dahin, aß zu Abend, trank danach noch einige Wodka und fuhr wieder nach Hause. Er hatte nie im Leben einen Autounfall. Dieser Mann wußte wunderbar aus seinem Leben zu berichten. Ich traf Ihn letztes Jahr an seinem 96-sten Geburtstag, kurz danach verstarb er, bis zuletzt noch ganz klar im Kopf.

War früher wirklich alles besser? Auch ich habe bereits einige Jahrzehnte erlebt und muß zugeben, das nicht alles, aber der Großteil besser war - oder mit anderen Worten, glücklicher. Denke ich einen Schritt weiter, muß ich unseren vorgehenden Generationen wenigstens zugestehen, daß sie es ebenso empfanden. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß das eine Lebenslüge ist, die die Welt begleitete.

Wir urteilen leichtfertig über Gutes oder Schlechtes, ohne darüber nachzudenken, daß unsere Vorfahren unter ganz anderen Umständen lebten, ganz andere Pflichten und Rechte kannten. Und wir denken nicht darüber nach, was die Beweggründe für vieles war, was passierte. Wir urteilen blind aus unserer heutigen Perspektive.

Wir Menschen neigen dazu, Vergangenes zu berurteilen, auch wenn wir es nicht erlebt haben. Und dies mit einer Arroganz ohnegleichen. Wir nehmen alles auf, was uns die Medien berichten, ohne darüber nachzudenken, ob es richtig oder falsch ist und ohne einen Gedanken an dessen Wahrheitsgehalt zu vergeuden.


In meiner Kindheit gab es nicht viel Spielzeug, Kleidung und auch nicht viel zu essen. Wir (Stadt-) Kinder hielten uns im Freien auf und tollten in der Natur umher. Keiner von uns wäre glücklich darüber gewesen, über ein Handy Rechenschaft abzugeben, wo man sich gerade befand und was man tat. Die Spielzeit gehörte uns, wir waren frei. Ist das heute noch gegeben?

Das Gleiche trifft im Berufsleben zu. Die Mehrzahl meiner Bekannten sind heute jederzeit abrufbar, beruflich und privat, auch in deren Freizeit. Kann man das Freiheit nennen?

Dem Mobilfunk haben sich (fast) alle unterworfen (ich nicht), ohne zu bemerken, daß dies in erster Linie eine Industrie am Leben hält. Nicht nur das, für viele Zeitgenossen ist dieses Spielzeug eine Sucht. Ich begegne ihr täglich im Cafehaus, in der U-Bahn, an der Straßenecke - einfach überall. In aller Öffentlichkeit wird aus Langeweile kommuniziert, auch über Privates, ohne zu bemerken, daß Mitmenschen nicht nur ungewollt mithören, sondern sich teilweise dadurch belästigt fühlen.

Ich beobachte viele, die Ihr Handy alle zwei Minuten kontrollieren, ob eine neue Botschaft eingegangen ist. Ist das normal? Ich sehe oft Menschen, die eine Gesellschaft mitten im Gespräch verlassen, um einen Anruf zu beantworten. Ist das höflich? Und ich sehe Menschen, die sich untereinder nicht mehr unterhalten können und aus Langeweile einen Anruf tätigen. Ist das das Heute?

Meine Mitmenschen isolieren sich zunehmend durch den Mobilfunk. Mit vielen ist ein normales Gespräch kaum mehr möglich, sie ziehen es vor, mit einem technischen Artikel in der Hand zu sprechen, ohne ein Gegenüber zu haben. Einen Menschen beim Gespräch anzusehen, ist heute nicht mehr wichtig. Die Anonymität am Handy zählt - die den Zuhörern gegenüber unwichtig ist.

"Zu unserer Zeit war dies besser". Man unterhielt sich, wenn man sich traf. Da gab es viel zu erzählen und es war eine Freude. Man lernte sich persönlich kennen, nicht anonym durch einen Chat-Kontakt. Es gab auch keine Enttäuschungen, als wenn man erst viel später den ersten Sichtkontakt bekommt. Selbst als das Telefon aufkam, gab man nur Wichtiges weiter, wenn man zu Hause war. In meiner Kindheit gab es noch kein Telefon, ich hätte auch gut "ohne" weiterleben können. Man war dadurch freier.


Wir hören laufend über Firmenpleiten, die teils sogar große Namen betreffen. Namen, die über Generationen existierten. So etwas gab es früher nicht. Firmen waren grundfeste Einrichtungen, in denen sich die Mitarbeiter nicht vor der Zukunft zu fürchten hatten. Eine unerwartete Arbeitslosigkeit gab es nicht, solange man sich seinem Arbeitgeber gegenüber loyal verhielt.

Eine Arbeitsstelle zu wechseln, stellte kein großes Problem dar. Es gab genügend freie Arbeitsstellen. Man brauchte den Staat nicht mit Zahlungen zu belasten, men kam schnell wieder in der Arbeitswelt unter. Und für die Jugend war gesorgt. Es gab überall Ausbildungsplätze. Mehr als Jugendliche da waren und es handelte sich damals um geburtenstarke Jahre. Da frage ich mich wirkich, hat sich das alles nicht negativ entwickelt?

Man verdiente genug, um sich auch etwas leisten zu können. Dem ist heute nicht mehr so, viele von uns arbeiten ums blanke Überleben. Die Teuerungsrate ist zu sehr gestiegen, und komischerweise bekommt man viele Artikel, auch Lebensmittel, heute im Ausland billiger als in Deutschland. Das betrifft auch deutsche Produkte. Was ist das für eine Politik?

Wer weiß, wie hoch unsere Steuern im Vergleich sind? Haben wir die höchste Besteuerung weltweit? Wenn ich mich in den Ländern umsehe, die ich bereist habe, die Steuern waren fast überall niedriger als bei uns. Aber den Menschen ging es trotzdem gut. Was läuft da falsch?

Was war das für ein Aufschrei, als bekannt wurde, daß das Handy der Kanzlerin und anderer Politiker abgehört wurden. Aber kein Mensch regt sich darüber auf, wie wir Bürger kontrolliert werden. Das eine ist ein Skandal, das andere nicht? Würde ich in diese Zeit hineingeboren, wäre das alles für mich normal. Aber ich kenne es anders, aus meinem Leben.

Früher bekam man am Monatsletzten seine Lohntüte mit Bargeld. Heute ist man gezwungen, ein Bankkonto zu unterhalten, um Lohneingang und Zahlungsausgang zu organisieren. Das Bankkonto war früher geheim, heute heute wird jede Geldbewegung kontrolliert. Kein Problem, wenn man nichts zu verbergen hat? Doch, mein Geld ist meine Privatsache, das habe ich erarbeitet.

Wenn man Geld verdiente, konnte man damit machen was man wollte. Man bekam auch gute Anlagemöglichkeiten und Zinsen in unserem Land. Diese Zeiten sind vorbei. Der ganze Bankensektor scheint korrupt und die Berater vermitteln Geschäfte, die häufig große Verluste bringen. Wenn sich die ein Kleinunternehmer leistet, geht er vor Gericht und womöglich Pleite.

Kein Wunder, daß viele Sparer ihre Geldanlagen im Ausland untergebracht haben. In einer Demokratie sollte es möglich sein, für sich den besten Weg zu wählen. Das man solche Sparer als Steuerhinterzieher und Kriminelle abstempelt und in einem Wortlaut mit Schwarzgeld in Verbindund bringt, ist ein Skandal. Nicht der Sparer ist schuld, wenn er im eigenen Land keine Zinserträge erwirtschafte. Die Politik sollte die Voraussetzungen schaffen, das sich das Sparen im eigenen Land lohnt. Nicht der Sparer ist kriminell, sondern die Zustände.


Dieses Kapitel ließe sich endlos weiterführen, es ist bereits zu lang. Ich ende damit , um den Leser nicht unnötig zu belasten.

9.QUO VADIS - Veränderungen/Zukunftsvisionen


Quo vadis - Deutschland, (Europa und die Welt). Meine Ausführungen sollen nur Deutschland betreffen, ohne viel Kritik zu üben. Wird das klappen???

Seit vielen Jahren wird die Globalisierung vorangetrieben. Der erste Schritt, um weltweit mithalten zu können, war ein "Stop" von Lohnerhöhungen. Sehr gelegen kam der Wechsel zum Euro, bei dem nur Privatvermögen halbiert wurde. Daß durch dieses Vorgehen der Inlandsverkauf zu großen Teilen auf der Strecke blieb, ist hinzunehmen, der Export in die ganze Welt bringt mehr als der Umsatz von 70 Millionen Deutschen.

Ozonloch, Klimaveränderung, Ktastrophen, etc., etc., etc. Die Meldungen funktionieren in diesem Land hervorragend und das Volk ist auch so klug, auf alles einzugehen. Ein Traumland für Politiker und Träumer einer besseren Welt. Wir machen uns einen Namen als Vorreiter für vieles, das unsere Welt verbessern soll. Aber wir sind alleine, bringt das etwas? Jede Veränderung kostet Geld und wer zahlt - der deutsche Bürger, sonst ist keiner da, der dies tut. Und die Planung - teils konfuß bis katastrophal.


Zur Verkehrsberuhigung werden in den Städten seit langem Fahrspuren und Parkplätze wegrationalisiert. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel wird begleitet von jährlichen Erhöhungen der Fahrpreise. Wie soll man größere Einkäufe tätigen, ohne mit dem Auto zu transportieren?

Co2 und Feinstaub - mit verengten Straßen und langen Wartezeiten an Ampel wird der Kraftstoffausstoß erhöht. Kommt in diesem Lande keiner dahinter, daß man mit großzügigen Straßen und besserer Verkehrspolitik weit weniger Belastung für die Umwelt schafft? Wer glaubt, dies stimme nicht - möge sich in USA umsehen. Nicht in New York - so eine Stadt haben wir nicht, sondern in USA. Und die Verkehrspolitik reicht dort schon über 50 Jahre zurück, sie funktioniert.


Da kostete ein Tsunami fast 30-tausend Menschen das Leben und beschädigte ein Atomkraftwerk. Grund genug für uns einige Reaktoren abzuschalten und eine kurze Frist zur Abschaltung der Übrigen zu setzen. Ein edles, aber auch kühnes Vorhaben. Ehrlich gesagt, ich hätte lieber gesehen, daß das Volk darüber abgestimmt hätte - und nicht nur ein Politiker(in). Dann wüßte man, ob alle dies wollten.

Was ist der Erfolg - bisher wurden immense Gelder in Projekte investiert, deren Ausführung bundesweit bisher nicht möglich erscheint. Stattdessen wird die abgeschaffte Kohleenergie wieder eingeführt, die die Umwelt hoch belastet. Und der Strompreis? Der steigt jährlich für uns Bürger - dies gilt nicht für die Industrie. Die bekommt den Strom gratis, schließlich muß man global mithalten können mit den Ländern, die weiterhin auf Atomkraft setzen.

Wir setzen uns für die Umwelt ein? Da wurden und werden industriell große Flächen Regenwaldes abgeholzt, um Pflanzen zur Produktion des Kraftstoffes E14 zu setzen. Wie verträgt sich das mit unserem Umweltschutz? Derzeit kenne ich nur ein Land, das Kraftstoff E14 vertreibt - unser Land. Und das auf Kosten des Regenwaldes.

Ich glaube, mittlerweile finden in jeder größeren Stadt Deutschlands alternative Feste statt. Schön und farbenfroh bieten sie vieles aus Ländern der dritten Welt, Dinge, die es bei uns zum Teil nicht gibt. Da werden Figuren aus tropischen Hölzern angeboten, Artikel, verarbeitet mit Teilen exotischer Tiere und vieles mehr. Wir versuchen die dritte Welt zu schützen? Jeder Tourist der vom Zoll mit derlei Waren angetroffen wird, bekommt immense Probleme - und wir gestatten solchen Verkauf?


Einst wurden Baugrundstücke in Flughafennähe wegen Lärmbelästigung billigst angeboten. Dies scheint vergessen zu sein, die Bewohner dieser Häuser fordern heute Einschränkungen im Flugverkehr wegen Lärmbelästigung. Und - sie bekommen recht, unglaublich.

Im Übrigen finde ich es schlimm, daß es ganze Horden von Trittbrettfahrern gibt, die sich an solchen Protesten beteiligen, ohne über das für und wider Bescheid zu wissen. Man muß einfach das Maul aufreißen und mitmachen, egal worum es geht, Hauptsache gegen den eigenen Staat.

Die Luftfahrt ist ein wichtiger Faktor im Staatshaushalt, sie befördert nicht nur Touristen in alle Welt, auch Geschäftsleute und Politiker, die für Warenhandel, Geldgeschäfte, Wirtschaftsabkommen unterwegs sind. Aber mehr als Menschen werden Güter durch die Luft transportiert, ein wichtiger Punkt in der globalen Wirtschaft.

Der globale Handel nimmt zu und so auch die Transporte durch die Luft. Cargo nennt sich das und findet fast ausschließlich zu Nachtstunden statt. Die Proteste von Minderheiten führten bereits zu Einschränkungen zum Schaden des Staates, der auch hiervon Steuern eintreibt.

Jedes Mal, wenn es um den Bau einer neuen Flughafen-Startbahn ging, wurde deren Errichtung von immensen Protesten begleitet. Ist dem Volk etwa nicht klar, das es Deutschland nur deshalb gutgeht, weil wir in die ganze Welt exportieren? Wir können uns von unserem Inlandsprodukt schon lange nicht mehr erhalten und sind von jeder Startbahn, die das Land braucht, abhängig. Warum wird die Bevölkerung darüber nicht informiert? Oder möchte man uns gezielt dumm halten?


Jährlich gehen Milliarden durch Fehlplanungen verloren. Der jüngste Fall mit dem Großflughafen Berlin zeigt dies wieder krass auf. Da legen Firmen nach öffentlichen Ausschreibungen ihre Angebote vor, die Firma mit dem besten (günstigsten?) Angebot bekommt wahrscheinlich den Zuschlag. Meiner Einschätzung liegen diese Angebote immer zu niedrig, sie sind nicht durchführbar.
Diese Geschäfte mit dem Staat scheinen eine Goldgrube zu sein. Ich habe von keinem Fall gehört, in dem eine solche Baufirma wegen Betrugs belangt wurde. Fehlkalkulationen vor dem Staat scheinen straffrei zu sein. Wenn sich dies ein Unternehmer im öffentlichen Handel/Industrie erlaubt, geht er zugrunde.

Dasselbe gilt für die Vergabe solcher Aufträge, in diesem Fall hohe Politiker der Stadt Berlin. Sie trugen zumindest eine hohe Mitschuld an der Misere des Bauvorhabens "Flughafen Berlin", und keine Institution interessiert sich für deren Versagen. Als Unternehmer eines mittelständigen Betriebes würde man mich dafür zur Rechenschaft ziehen. Leben wir in einem Rechtsstaat?


Soweit ich informiert bin, zahlte Deutschland 2012 die letzte Rate der Reparationsleistungen aus dem Ersten Weltkrieg. Wußte das sonst noch jemand in Deutschland. Ich bezweifle es. Ich frage mich auch bewußt, warum man vieles nicht weiß und nicht erfährt. Wir leben in einer Demokratie? Wir finanzieren den Staat mit unseren Steuern? Die Regierung ist das ausführende Organ, das uns regiert und von uns bezahlt wird?

Jeder Bewohner Deutschlands hat sich jährlich zu seinen Einnahmen und Ausgaben in Form einer Steuererklärung zu äußern. Und das Finanzamt (Staat) möchte dies genauestens aufgezählt haben, die Angaben werden fallweise höchst peinlich konrolliert, der geringste Fehler kann jedem große Unannehmlichkeiten bereiten.

Durch die Bekanntgabe der persönlichen ID läßt sich genau verfolgen, welche Zahlung wohin ging, woher kam, der Handelspartner muß die gleiche Leistung in seinem Aus-, Eingang verzeichnet haben. Ein Übriges tut die Öffnung des Bankgeheimnisses, das finanzielle Kontobewegungen preisgibt.

Warum erfahre ich nichts über die Ausgaben des Staates, der Regierung? Warum ging keine Meldung durch die Medien, daß wir nun von den Reparationszahlungen des Ersten Weltkrieges befreit sind? Bei uns wird doch alles haarklein in den Medien berichtet, oft tagelang. Da muß man sich sogar anhören, ob ein Fußballer schwul ist. Warum höre ich in den Medien nichts über die Wichtigkeit, daß alle Milliarden nun bezahlt sind?


Als Nachkriegskind einer Flüchtlingsfamilie, der es in den Kriegen nicht gut ging, habe ich mit dem letzten Weltkrieg nichts, aber auch gar nichts auf dem Hut. Als Kind sah ich viele Menschen, die den Krieg erlebt hatten, heute ist dies eine Seltenheit, die meisten sind verstorben. Es ist an der Zeit unsere Stellung zur Vergangenheit zu akzeptieren, aber auch zu distanzieren.

Ich sehe es ungern, daß Deutschland heute noch Leistungen eines Krieges bezahlt, zu dessen Zeit ich noch nicht gelebt habe. Sollte dem so sein, was ich vermute, wäre es höchste Zeit, sich auch davon zu distanzieren. Ebenso wie man sich von dem braunen Sumpf distanziert hat. Mit einer neuen Generation ist auch eine neue Zeit angebrochen.

In meinem bisherigen Dasein konnte ich verfolgen, wie sich große Teile unserer Nachkriegsgenerationen zu einer depressiven Täterschuld bekannten, obwohl sie im Krieg noch nicht lebten, genauso wie ich. Und bis heute muß ich sehen, wie viele ihren Eltern und Großeltern die Schuld am Unrecht im Krieg geben, obwohl diese meistens unschuldig waren. Man hat uns eine Kollektivschuld verpaßt, an der die Generationen bis heute leiden. Zu Unrecht - ich war nicht dabei.

Ich verstehe, daß man hierzulande im Umgang mit der Vergangenheit sehr vorsichtig ist. Fahre ich allerdings über die Grenzen, wird damit ganz anders umgegangen. In England beispielsweise produzieren ganze Industrien Replicas von deutschen Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Und dies mit allen damaligen Hoheitszeichen. Ich möchte andere Länder davon nicht ausnehmen. In Italien wird sehr erfolgreich Wein mit dem Namen A.H. verkauft und ich bin sicher, daß Wein nicht das Einzige Gut ist, das viel Geld bringt. Eigentlich sollte Deutschland das Urheberrecht für solche Produktionen besitzen.

Daß man die NPD und sonstige Gruppierungen bei uns beobachtet, verfolgt und sonstwie in die Medien bringt, hilft denen mehr als es ihnen schadet. Wenn sich die deutsche Politik darum weniger kümmern würde, hätten die weniger Zulauf. Und daß es eine Minderheit gibt, die rechts oder links orientiert ist, wird sich wohl nicht umgehen lassen. Die gibt es in jedem Staat der Erde.


"Es ist gut, daß es so viele Fremde in Deutschland gibt. Die Deutschen sollen sich vermischen, wir brauchen keine Deutschen", diese Worte kamen von einem Kollegen aus Kroatien, der vom deutschen Sozialstaat profitiert. Um ehrlich zu sein, ich war entsetzt. Wenn ich im eigenen Land etwas dergleichen gegen einen Ausländer sage, werde ich als Nazi verschrien.

Einen anderen Satz hörte ich am Flohmarkt, wo ein deutscher Aussteller einen Türken bat, sich nicht so auszubreiten. Die Antwort: "Raus aus Deutschland". Ich finde es schlimm, daß in den Medien alles berichtet wird, was sich gegen Ausländer richtet, aber absolut nichts, was sich gegen Deutsche im eigenen Land wollzieht.

Ich finde es schlimm, daß polititsche Parteien ihre Macht dazu nutzen, jeder Minderheit Rechte zu versprechen, um im Gegenzug deren Wählerstimmen zu erhaschen. Ein Politiker oder eine Partei sollte sich zu Ihrer Aufgabe bekennen, und nicht dazu, Dinge zu versprechen, die die Mehrheit der Bevölkerung nicht akzeptiert.

Im Übrigen bekommen Minderheiten in Deutschland teilweise mehr Rechte als das eigene Volk. Man braucht nur den Mund aufzumachen und bekommt von der Obrigkeit fast jedes Zugeständnis- als Minderheit. Wo soll das hinführen?

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